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Der Israelit · 1865-07-05 · Heft 27 (5.7.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 27 (5.7.1865)
Date
1865-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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378 diesem rätselhaften Treiben des menschlichen Geistes obwalten? Sollte etwa der Forscher nnbewnßt höheren Zwecken dienen? Dem Ausiprucbe unserer Weisen gemäß: rStt ->"»2 M .-»"2P7I di22V .-.2 "72, ist dieses Zweifel ohne der Fall. Betrachten wir nur die Entdeckungen im Gebiete der Alterthumskunde, und! besonders in derjenigen des Orients, als der Wiege! der Menschheit, und wir werden einsehen, wie der Allgütige Andere für uns wirken läßt, nur um uns Seine heilige Thora und besonders die Verheißungen und Drohungen Seiner heil. Propheten zugänglicher > zu machen. Doppelt wichtig für uns Israeliten sind - solche Forschungen und Entdeckungen in unserer Zeit, wo man alles Unklare kurzweg der Ungenauigkeit der biblischen Angaben zuschreibt. Wahrhaft herzerhebend ist es daher, zn sehen, wie die Engländer, deren Devise sonst keine andere als ,>to ist, kein Geldopfer scheuen, um den Orient, den Schauplatz des geschichtlichen Theils der Bibel, der sorgfältigsten Forschung zu unterziehen. Nicht genug kann die Pietät und Sorgfalt, mit der sie zu Werke gehen, hervor- > gehoben werden. Den Jüngern des sogenannten „historischen Judenthums" könnte man sie in dieser Beziehung als würdiges Muster Vorhalten. Ein Eleve des „Jewish College" zu London, Namens Marks, sprach ebenfalls diese Ansicht in einer Rede bei der Preisvertheilung an der erwähnten Anstalt aus. Nachdem er von dein Nutzen, der Israel durch das Auftreten jener Gottgesandten Männer entstanden, gesprochen, drückt er sich über den großen Propheten Jesaias folgendermaßen ans: „Seit dem Anfänge unseres Jahrhunderts, besonders in den letzter: Jahrzehnten, hat man zahlreichen Städten, deren Gründung in die frühesten Zeiten fällt, und die durch heilige oder profane Annalen irgend eins Bedeutung erlangt haben, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Nach vielen, vielen Jahren des Verfalls und der Vergessenheit hat man ihre Umgebungen sorgfältig untersucht, ihre Lage festgesiellt und ihre Ruinen dem Auge blosgelegt, nachdem sie schon viele Generationen früher gleichsam von der Welt verschwunden waren. Solche Begebenheiten sind von der größten Bedeutung, indem sie zahlreiche, bemerkenswerthe Illustrationen für die Erfüllungen der Prophezeiungen der heil. Schrift liefern und dadurch die Unantastbarkeit und den göttlichen Ursprung dieses herrlichen Buches schlagend Nachweisen. Häufig finden wir den Glanz und die Macht jener Nationen des Alterthums geschildert und in eben dieser Zeit, also in dem Höhepunkt ihrer nationalen Herrlichkeit, ihren dereinstigcn Verfall voraus angekündigt, ohne daß damals auch nur das geringste Anzeichen dafür auf natürlichem Wege zu erblicken gewesen wäre. Babylon, das der Prophet den „Ruhm der Reiche und die Pracht der chaldäischen Monarchie" nennt, hatte für seinen stolz, seinen Uebermuth*) und seine Grausamkeit, mit denen es den jüdischen Gefangenen begegnete, strenge Strafen zu erdulden. Jesaias spricht dies in vielen Prophezeiungen aus und beschreibt auf's Treffendste die Eroberung dieser Weltstadt und den Fall des babylonischen Weltreiches. Ueber die Einnahme der stolzen Metropole ruft er den wundervollen Vers ans: „Decke den Tisch, spähe auf der Warte; iß, trinke!" Durch die wunderbare Eingebung seines göttlichen Berufs sieht er voraus, daß in der Nacht, in der die Stadt dem Feinde in die Hände fallen sollte, gerade ein jährliches Fest gefeiert werde, wo der König und seine Unterthanen in argloser Sicherheit schwelgten. Während des größten Jubels jenes großartigen Gelages wird der König durch unverständliche Charactere, von unbekannter Hand an die Wände des Fsstzimmers geschrieben, von unbeschreib lichem Bangen ergriffen. Vergeblich suchen ihn die Höflinge in Sicherheit einzulullen, indem sie aus die Wachsamkeit der Posten verweisen; vergebens sollen Spiele und Arglosigkeit jenen betäubenden Frohsinn wieder zurückbringen, den diese mysteriösen Zeichen an der Wand wie weggebannt hatten. Gleichsam als märe er Augenzeuge bei dieser Scene gewesen, ruf- Jesaias in seiner Begeisterung aus: „Decke den Tisch, spähe aus der Warte, iß, trink!" — Herodot und A'enophon, die diese Begebenheit erzählen, sagen, daß i man jene Nacht am babylonischen Hofe in Feftgelai gen und Schwelgerei verbrachte. Herodot sagt: „Die Bewoyer jener Stadt erzählten, daß durch den großen Umfang der Stadt ein Theil der Bewohner, die an den Außenseiten wohnten, bereits überwältigt waren, während diejenigen in der Mitte der Residenz gar noch Nichts von dem Unheil wußten; denn es war gerade ein Fest; sie tanzten und belustigten sich, brs sie gewissen Aufschluß über die Wahrheit erhielten." Fenophon schreibt darüber: „Als Cyrus hörte, daß >ie in Babylon gerade ein Fest feierten, bei welcher Gelegenheit alle Babylonier tranken und schwärmten, dielt er oieses für den günstigen Augenblick, sein Unternehmen auszuführen." Beinahe jede Einzelheit in dem Falle Babylons und in den damit verbundenen Folgen tragen den Stempel der göttlichen Prophezeiung. Der Name des Eroberers nebst seiner Bestimmung von der Vorsehung zum Werke der Vergeltung, findet sich als Voraussagung beinahe zweii hundert Jahre vor seiner Geburt. (Fortsetzung folgt.) *) Führen wir z. B. jenen Hohn an, mit dem Nelukadnezar I von den gefangenen Leviten verlangte, bei seinen Siege^mahlen den Lv' >1? nit der üblichen Instrumental-Begleitung zu singen. Jene edlen Männer bissen sich lieber die Daumen an den Händen ab, damit sie fürder die Saiten der Harfe nicht melir rübren konnten.

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