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Der Israelit · 1865-06-28 · Heft 26 (28.6.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 26 (28.6.1865)
Date
1865-06-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 26 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterreichischer Kaiserstaat. G. a. Ujhely, 8 Juni. Die herzliche Freude über den Aufenthalt unseres erhabenen Monarchen in der Landeshauptstadt Pest-Ofen, welche das ganze Land elektrisch durchzuckt, tritt an die jüdischen Einwohner Ungarns mit doppelter Gewalt hinan Denn wenn auch sonst den Juden monarchische Gefühle innewohnten und sie für das Wohl ihrer Herrscher, nach Spr. d. V. 3. 2 (bete für das Wohl der weltlichen Regieruna!) täglich im Gebete sich ergossen; wenn auch sonst der Jude aus heiliger Scheu vor der Fürstenwürde sich die erdrückendsten Steuern und Lasten schweigend ausbürden ließ und durch jene schreckliche Zeit der Drangsale und blutigen Verfolgungen sich kein jüdischer Arm zum Königsmord erhob: umsomehr müssen wir jetzt für unfern ritterlichen Kaiser die hingebendste Begeisterung fühlen, weil sein erlauchtes Gnadenwort es war. das den letzten Rest des Schuttes weggeräumt, unter dem die Menscheurechte unserer jüdischen Brüder jenseits der Leitha seit längster Zeit verscharrt gelegen. Ja. nur durch seinen erhabenen Willen allein sind die vielen Ueberreste einer düstern Vergangenheit wie Schemen der Nacht beim Hineinsirömen des rosigen Morgenlichtes verschwunden, so daß unsere jüdischen Brüder in den sogenannten Erbländern sich heute all der edeln Rechte erfreuen, die der Bürger eines konstitutionellen Staates genießt. Und wenn auch den jüdischen Einwohnern Ungarns lange noch nicht die Schranken fielen, welche ihnen Gehästigkeil und Sucht zur Ausschließung aufgerichtet; wenn auch beispielsweise eine Anzahl jüdischer Advocaten nur darum die Praxis ausüben dürfen, weil des Kaisers Gnade zu ihren Gunsten der humanern Legislatur eine Gaste brach: so läßt sich eben aus dieser kaiserlichen Gnade der Trost für die Zukunft schöpfen, daß die vollste bürgerliche Emanzipation der Juden Ungarns schon von dem nächsten Landtag beschlossen und in Kraft gesetzt werden wird, nachdem es nicht zu erwarten ist, daß unsere großherzigen Magnaten und Stände, diese stolzen und politischreiftn Edeln, diese Söhne des herrlichen und gottgesegmtcn Ungarns, mit ihren Rechtsdegriffen den gerechten Ansprüchen der Civilisation nachstehen; daß sie zu den erhabenen Intuitionen ihres apostolischen Königs sich nicht erheben sollten. Nicht so. Unser durchlauchtigster Kaste: hat mit seiner Reste nach Pest-Ösen die Initiative ergriffen, um die Lösung der Verfaffungsfrage in Ungarn herbei zu führen und das Princip der Nechtsconlinuität zu wahren, womit er den Ungarn als erhabener Bote des Friedens und der Versöhnung erscheint. Und die stürmische Begeisterung, welche ihm von allen Seiten und Enden des Landes entgegen getragen wird, und die tausendstimmige Eljen, welche ihn umwogen, und das innigste Entzücken, welches ihm aus jedem Auge lacht, all dies beweist, das; sein erhabenes Vorgehen verstanden und als der Vorbote schönerer, längsterwarteter Tage gepriesen wird. „Wahrsprnch liegt auf den Lippen des Königs, im Urtheil trügt nicht sein Mund!" (Sp. 16. 10). Und das Wort unseres Kaisers wird von seinen treuen Ungarn begriffen werden, und sie werden davon sich ahnungsvoll ergriffen fühlen Und seine hohe Maxime: „Viribus uvitisl" wird Eintracht unter die getheilten Glieder des Staates bringen ... Also hoffen wir, daß von dem Besuch unseres kaiserlichen Herrn in der Landeshauptstadt auch für die Juden Ungarns eine neue schöne Aera des Wohlstandes und der bürgerlichen Gleichstellung sich datiren wird. „O. Majestät, so ziehe hin! es glückt! Zum Schutz der Wahrheit, der geplagten Unfthuld; sie wird Dich Wuuoer lehren , Deine Rechte. (Ps. 45. 5). Aber wie sich Idee an Idee zu reihen vermag! Während ich voll Begeisterung für meinen Kaiser, obigen Psalmvers nrederschreibe, fällt mir unwillkürlich ein, daß in demselben Psalm von einem Meiftergriffel die Rede ist, was ich auf Sie, Herr Redacteur, gar schicklich anwende*). Aber dann haben auch unsere Weisen gesagt: vn O-i-r l-ori (Ob auf der Hauptton zu legen ist?), daß sich allermeist zum würdigsten Lobe der Tadel gesellst, was gewiß in Folge des Streites der beiden Principien im Menschen geschieht. Ferner regt es sich rn mir und will nicht zur Ruhe kommen, daß ich, als Ihr „gewöhnlicher" Correspondent, Ursache habe, mich über Sie ernstlich zu beschweren Daß Sie auch von Ihrem „außergewöhnlichen" Emet- Correspondenten Notizen bringen, die ich Ihnen großentheils früher schon gHchrieben, und die Sie dennoch nicht eher der Mittheilung werth fanden, als bis „Emet" sein (nicht , ihr? ist stömiuiuum.) Siegel darauf gedrückt. Freilich bin ich nur, wie gesagt. Ihr „gewöhnlicher" Correspondent, und was brauchte auch an mir des Ungewöhnlichen zu sem, um die Schattenseiten des hiesigen Gemeindelebens in scharfen Umriffen zeichnen zu können! Aber die *) Anm. der Red.: Wir dringen dieses Complinient nur deßhalb zum Abdruck, weil sonst das Folgend, unverständlich sein würde.

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