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Der Israelit · 1865-06-28 · Heft 26 (28.6.1865) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 26 (28.6.1865)
Date
1865-06-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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370 der ein Soldat oder ein Priester , und der Geist der Intoleranz, der von oben herab kam, schien keinen Schatten von Hoffnung für unsere armen Religionsgenoffen aufkommen zu lassen, deren Anzahl, G. 5. D., zu dieser Zeit nicht bedeutend war und, wenn ich mich nicht täusche, im ganzen Königreich 8000 nicht überstieg. Zwanzig Jahre später ist Alles anders, und von Neuem hat sich das Wort des größten Propheten bewährt: „Der Ewige wird sür Euch streiten, Ihr aber könnt ruhig bleiben." Eine Seereise von einer Nacht brachte mich in ein Land, das verhältnißmäßig frei, und in eine Stadt, welche als Gemeinde zu jener Zeit die erste der Halbinsel war. Anstatt unseren Brüdern, die aus Spanien vertrieben worden waren und eine prächtige Synagoge aus weißen Marmor erbaut hatten — wohl ein sprechender Zeuge sür die Liese Dankbarkeit gegen die Vorsehung, deren Beschlüsse unersorschlich sind — die Ausnahme zu verweigern, hatte Livorno, die einfache Handelsstadt, die aber schon lange Jahre durch ihre Buchdruckerei der Mittelpunkt der Gemeinden von Turin und der Levante geworden war, schon damals mehrere Israeliten als Mitglieder in den öffentlichen Rath ausgenommen und öffnete großmüthig und einsichtsvoll jedem Wanderer die Thore. Der selige vr. Uzielli, einer der ausgezeichnetsten Israeliten Italiens, den zu kennen ich schon früher die Ehre hatte, war so gütig, mich in die Gemeindeschulen einzusühren, welche schon damals bewunderungswürdig geleitet waren. Knaben und Mädchen, kleine Kinder und erwachsenere junge Leute, die sich entweder den höheren heiligen oder profanen Wissenschaften oder dem Handelsstande widmeten, fanden in diesem bescheidenen Hause, sür das die Familie Franchetti so große Opfer gebracht hatte, alle Quellen, um ihren Geist zu bilden und sich auf eine thatenreiche und würdige Carriere vorzubereiten. Die Gemeinde trug damals alle Kosten dieser Anstalt. (Fortsetzung folgt.) Palästina. Jerusalem, Anfang Sivan. Wenn im „Hamagid" jüngst stand, die Noth habe hier den höchsten Grad erreicht, so ist es zwar wahr, daß die Theuerung bereits über 20 Jahre anhält, allein daran sind — ich gestehe es ungern — die Bewohner der heil. Stadt selbst schuld. Solange grundlose Feindseligkeiten der Gemeinden gegenseitig jedwede Thätigkeit für das gemeine Wohl unmöglich machen, solange jede Gemeinde und jedes Institut Sendboten für specielle Zwecke ausschiüen, solange sich die verschiedenen Gemeinden einander zu stören suchen — solange kann es nicht besser werden. Die Sephardim machen zwar eine rühmliche Ausnahme durch Versuche zur Einheit, allem alle ihre guten Absichten scheitern an der Hartnäckigkeit der andern Gemeinden. Kein Geld kann da helfen, da hilft nur die Vereinigung sämmtlicher Gemeinden. Dann kann man gemeinschaftlich Sendboten in alle Welttheile schicken, die jedoch höchstens alle 3 Jahre eine Gegend besuchen dürften. Allein, jetzt liegt alles darnieder. — Solange z. B. die hiesigen polnischen und russischen Gemeindevorstände ihre Stimme nicht für den Bau von Armen-und Pilgerwohnungen erheben, betheiligt sich Polen und Rußland nicht an dieser wichtigen Sache. Und doch wohnen bereits 4—5 russische Familien in der Anstalt. Freilich gibt es auch dort hier und da Sinn für Großes, wie dies z.B. Königsberg beweist, aber die Mehrzahl ist gleichgiltig. An und für sich aber ist die Angabe im „Hamagid" leider nur zu wahr. Wie viele Menschen haben nicht mehr zu verzehren als jährlich 7 — 8 fl. Aber dem Allem ist, wie gesagt, nicht anders abzuhelfen, als durch Einheit. Möchten doch einflußreiche Männer im Westen sich sür eine Bereinigung der verschiedenen Gemeinden bemühen.' — Zum Ueberschreitungsfest wurden die Spenden doppelt gereicht, weil dieses Fest mit so vielen Kosten verbunden ist. — Die Schule der Frau Randigger nimmt mit himmlischem Beistand wacker zu. Die Sephardim wissen auch hier das Gute zu würdigen , und steht der Schule reiche Frucht in Aussicht. — Vor nicht langer Zeit besuchte ick das hiesige Missionär-Spital, um Erkundigungen einzuziehen. Zu meinem Erstaunen fanv ich aus jedem Tischchen vor den Betten, selbst wo Israeliten lagen, ein neues Testament. Wäre diesem Mißstande nicht abzuhelsen? — Vor einigen Wochen wurde der englische Arzt Or. Billiwitz nach Jaffet auf einen Monat geschickt, um dort den Kranken Beistand zu leisten Zum Begleiter wurde ihm ein Missionär gegeben, der den armen Kranken zum Seelenheil (??) verhelfen soll. — Wäre nur das Rothschild'sche Spital größer, oder möchten sich doch wohlthätige Leute zusammenthun, hier ein jüdisches Krankenhaus zu gründen! — Die Heuschreckenzüge, welche unlängst einige Tage lang die Sonne verfinsterten, richteten G. s. D. keinen Schaden an, sondern zogen glücklicherweise vorbei. — M. Sachs. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Dampf-Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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