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Der Israelit · 1865-06-28 · Heft 26 (28.6.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 26 (28.6.1865)
Date
1865-06-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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sinnungen unserer Urahnen, als ^2, schwinden allmählich mehr und mehr. Sowohl Vorsteher der Gemeinde als Träger des Cultus sieht man öffentlich den heiligen Sabbat entweihen und allen ehrwürdigen Gebräuchen Hohn sprechen; viele dieser Leute sind jedes Wissens baar und zumeist Emporkömmlinge und halten darum auch ihre verkehrte Sinnes¬ und Denkweise für einen dem Geiste der Zeit allein entsprechenden Bildungsgrad. Gutes an Armen und bedrängten Mitmenschen geschieht, im Verhältnisse der großen Anzahl der Gemeindemitglieder wie in Anbetracht des sehr großen Reichthumes der hiesigen Israeliten, gar zu wenig. — Der heimische arme Bruder kann oft tagelang herumhausiren und bei allen Neichen um einige Gulden als Darlehen für die momentane Erhaltung seiner großen Familie ansuchen, bevor er Gehör findet. Ueberhaupt ist hier der gelehrte Stand hintangesetzt, und nur der, der den Schacher und das Handeln mit verschiedenen Produkten gut versteht, ist der Mann des Tages. Rabbiner, ja selbst die hiesigen Rabb. - Assessoren wie die Lehrer, haben bei der Gemeinde- und Vorsteherwahl gar keine Stimme. Wer nicht über mehrere tausend Gulden zu verfügen hat, mag er auch der Gelehrteste und Würdigste sein, wird vollständig übersehen. Was aber bei der Sache am Traurigsten scheint, ist, daß die Wenigen hier, welche sich noch mit der Lehre Gottes befassen, ein isolirtes Leben führen und sich aus Eigendünkel einander nicht nähern wollen. Bekleidet ein solcher ein Aemtchen, oder däucht ihm, er besitzt wissenschaftliche oder talmudische Kenntnisse auch nur um Weniges mehr als der andere Berufsgenosse, so schaut er auf ihn mit aristokratischen Blicken herab, ist im Umgänge kalt und erwiedert ihm gewiß keinen Besuch. — Dann ist es aber auch leicht denkbar, daß selbst der bessere Reiche den Werth des Gelehrten und ri"ri verkennen muß. — So steht es heute mit den jüdischen Zuständen in der fast größten israel. Ge meinde der österr. Monarchie. Wollte Gott, daß es bald besser werde! S. Frankreich. Paris. (Jüdische Briefe von Albert Cohn.) (Fortsetzung.) Man wird kaum an irgend einer Universität einen Professor der orientalischen Sprachen finden, der nicht wenigstens eine Zeit lang Schüler dieser merkwürdigen Männer war. Während meiner zahlreichen Reisen hatte ich das Vergnügen, fast überall alten Collegen und Freunden zu begegnen, deren Rathschläge mir sehr nützlich waren. In der königlichen, nunmehr kaiserlichen Bibliothek verbrachte ich meine freien Stunden; die Copie des ungedruckten Commentars Kimchi's über das erste ' Buch Mosche's, der einige Jahre später veröffentlicht wurde, und die Abschrift des arabischen Textes des Werkes „Chobot Hallebabot" von Rabbenu Bechai sind die Frucht dieser Lectüre. Nach und nach erweiterte sich der Schatz meiner Kenntnisse, und ich wurde durch zahlreichen Unterricht, den ich ertheckte, in den Stand gesetzt, meinen guten Eltern nützlich zu sein, als ich die Einladung erhielt, die Familie Rothschild auf ihrer Reise durch Italien zu begleiten. Ich war kaum vierundzwanzig Jahre alt, als dieses angenehme Ersigniß an mich herantrat, welches mir die Gelgenheit bot, den edlen Genuß der Kunstwerke und des Naturreichthums zu haben, deren Eindruck unvergänglich bei allen Reisenden geblieben ist, die sich nach diesem reichen Lande, der Wiege der modernen Civilisation, hingezogen fühlen. Du kannst Dir leicht denken, mein theurer Sohn, daß das Studium der Lage unserer Religionsgenoffen in den verschiedenen Städten, in denen wir uns aufhielten, nicht die letzte meiner Beschäftigungen war. Ich hatte das Vergnügen, bei meiner Ankunft in Italien die Bekanntschaft einer sehr hervorragenden israel. Familie aus Turin, der Familie Sinigaglia, zu machen, welche die Güte hatte, mich mit der traurigen Lage unserer Brüder in Piemont während der Tage, die ich in Turin zubringen konnte, bekannt zu machen. Du wirst erstaunen, wenn ich Dir sage, daß neben dem Herzogthum Modena Piemont dasjenige Land war, wo unsere Brüder am unglücklichsten waren. Eingeschloffen in ein Ghetto, I'Isola (die Insel) genannt, waren sie von allen Aemtern, allen Würden ausgeschlossen. Sie konnten kein Besitzthum außerhalb ihres Viertels erwerben; selbst der Eintritt in die öffentlichen Unterrichtsgebäude war ihnen fast überall untersagt. Mein College, Herr Gorrezio, berühmt durch seine Veröffentlichung der „Ramayana", hatte mir ein Schreiben an Herrn Bargagli, den Director des ägyptischen Museums, gegeben. Dies ist eine der bedeutendsten Sammlungen dieser Art in Europa, welche durch die Veröffentlichungen Rosselini's in der „alten Welt" bekannt wurde. Nachdem ich nun von dieser Empfehlung Gebrauch gemacht hatte, beeilte ich mich, nach Genua zu reisen, um mich von dort nach Livorno einzuschiffen. Ich bewunderte Genua, die ,, stolze Stadt", ihre Paläste und die Gallerien, die sie enthalten. Dies war die erste rein italienische Stadt, die ich sah. Einen nicht geringeren Eindruck machte auf mich die Aussicht auf das Meer, das ich noch so oft bereisen sollte. Genua, jetzt eine bedeutende Gemeinde, war damals den Israeliten noch verschlossen, und in diesem Land, das die Wiege der italienischen Freiheit geworden ist, indem es allen seinen Kindern alle Ehrenämter und Würden zugängig machte, war zu jener ' Zeit allen Israeliten der Aufenthalt erschwert. Der dritte Mensch, der mir begegnete, war immer entwe-

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