Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1865)
- Date
- 1865-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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354 Pfeilern unserer ganzen Zukunft — mit der Jugend. Der bescheidene Sinn und die kindliche Ergebenheit sind aus den Kreisen der Jugend geschwunden, daher auch die maßlose Arroganz mit der ihr stets zur Seite j stehenden Unwissenheit und der Mangel an jedem sromj men religiösen Gefühle in vielen Städten und Ländern, hingegen die traurige Aussicht eines immer schwächer werdenden Judenthums, indem sich die Worte jenes großen Propheten spn „Es erkühnt sich der Kunde gegen das Alter" .'c. nur zn sehr bewähren. Was aber am meisten verderblich aus die Jugend einwirkt, sind die vielen elenden Schriften, nach welchen man sie jetzt, ohne selbe erst genau zu prüfen, ohne Anstand greifen läßt; so kamen uns in jungster Zeit mehrere Büchlein zu, welche für die Jugend! dem Titel nach verfaßt worden, deren Inhalt aber j gefährliches Gift für die junge Seele ist. So erschien j im Verlage von Julius Groß in Heidelberg von einem gewissen Herib. Rau eine biblische Geschichte für die Jugend, und schon auf der 10. Seite ist Folgendes enthalten, welches ich hier, wie sich Jeder überzeugen kann, wörtlich treu als Beleg zu meiner Behauptung und als warnendes Beispiel anführe: „Und Gott trieb sic (Adam und Eva) aus dem schönen '.radicscögartcn lnnauo auf das wüste, steinige Feld. — Gewiß, diele Erzählung ist schön und lehrreich; daß sie sich aber nicht wirklich zugetragen hat, sondern nur gedichtet wurde, um die Menschen zu belehren, wobin Ungehorsam gegen Gott und seine Gebote füllet, wird Jedermann einsehen. Ein wirkliches Paradies hat es d un auch nie gegeben, ebensowenig als eine Schlange 'prechen und der Genuß von eßbaren Baumfrüchten etwas Anderes hervorbrinaen kann, als Wohlgeschmack und Sättigung. Die eben angeführte Erzählung soll daher nur bildlich den Menschen eine gute Lehre geben Wie nämlich Gott hier verboten l at, von den Früchten jener zwei (?) Bäume zu essen, so bat er im Allgemeinen jedes Böse untersagt, und läßt es den Kindern durch den Mund ihrer Eltern und Lcbecr täglich untersagen. Aber nur zu oft börcn die Menschen, Erwachsene und Kinder, aus die Summe Gottes nicht, sondern folgen lieber dem Rath anderer böien Menschen, die, wie hier die Schlange, schön tbun und leise daheeschlcichcn uud sich gefällig winden, um Andere zu verführen. > Wie aber Adam und Eva erschraken, als sic unaehorsa-n gewesen, und sich schämten, so gelt es auch den bösen Menschen. Sie können Niemanden melr frei und offen und sröb'ich ansehen und müssen sich verbergen, und die Ltimme Gottes in ilrcm Gewissen straft sie alsdann und ihr innerer Friede ist verloren, wie für Adam und Eva hier bildlich der schöne Paradiejesgarten ans immer verloren war. Daruni, liebe Kinder, folgt Gottes und eurer Eltern und Lehrer Gebot und thut nichts Böses, sonst geht es euch heutzutage wie es, unserer lieblichen Sage nach, vor Tausenden von Jahren Adam und Eva ergangen ist." Seite 72 und 75 belehrt wieder der geistreiche Lehrer seine Jugend über den Auszug Israels aus Aegypten, indem er sagt, daß Alles, was sich früher in Aegypten ereignete, als Hagel und Ungeziefer und Krankheiten, nur durch Zufall geschah! Der Durchzug durch das rothe Meer geschah zur Zeit der Ebbe, auf welche Pharao sich nicht verstand u. f. w. — Das sind die Worte eines Schriftstellers für die Jugend, und solche Bücher sollen ihr eine fromme Lectüre bieten?! Darum, ihr Eltern, Lehrer und Erzieher, habet Acht auf jede geistige Nahrung, welche der euch von Gott anvertrauten Jugend zukommen soll! Lastet euch durch einen anpreisenden Titel: zur Beförderung der Moral, Sittlichkeit und für Bibelkunde, und wie und was Alles diese falschen Aushängschrlder versprechen mögen, nicht anlockm, um solche euren Kindern sogleich zum Durchlesen zu überlasten! Prüfet sie früher selbst recht genau, und duldet es durchaus nicht, daß euren Kindern ein Buch, welches auch nur annäherungsweise Zweideutigkeiten enthält und zur Elaste der O'->SO gezählt zu werden verdient, in die Hände komme! Lastet sie zuvörderst gründlich in der unterrichten und sorget dafür, daß sie dieselbe über Alles lieben und werthschätzen, daß sie zu der Ueberzeugung gelangen, daß da, wo sie nicht ist, auch keine Weisheit vorhanden .-!O2li PN damit endlich ihre Parole werden möge ^22- 27a --Snn -ps 'd 2112 „Mir ist lieber Deine Lehre als Tausende in Gold und Silber." Literarisches. Von?k. ötchleyiiiAvr, Rabbiner in Moor. Wie sehr es vonnöthen sei, beim Lesen des Midrasch Jalkut daran zu denken, daß man es mit einem aus oen alten Midraschim kompilirten Werke zu thun habe, und bei einem vorkommenden schwierigen Worte womöglich die erste Quelle auszusuchen, um durch Vergleichung der Parallelstellen die richtige Leseart und den eigentlichen Sinn zu eruiren, möge folgende Stelle im Jalkut zu Jeremijah Nr. 315 als Beispiel dienen. rnnix 12-r 2LQ 2P ttdx ."NU2 iicir« 'X L"Lk P22' ,'2 Das Wort ist sehr problematisch, und dachte ich an das griechische aH. — belobt, löblich, rühmlich. — Der gelehrte Herr Rabbiner I. E. Löwy citirt diesen M. Jalkut in seinem BiSoret Hatalmud mit dem Bemerken, daß er in keinem Lexikon das Wort rorn'rwdr finden konme, und nach seinem Dafürhalten ist es das griechische ----- gottvoll, gottähnlich. Moscheh habe nämlich gefragt: Da alle Menschen die Kinder Adams sind, der im Ebenbilde Gottes geschaffen wurde, und somit allen Menschen das Siegel der Gotteskindschaft anfgedrückt ist, warum hat demnach Gott blos dem Volke Israel und nicht auch andern Völkern die Gesetze der Tora als Ledensnormen vorgeschrieben? — Jedoch weder «treroc