Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1865)
- Date
- 1865-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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253 Lhätrg war, soll <zsaak Sang^ari oder Srng'arr gewesen sein. Die Umstände, unter welchen der Chagan das Judenthum angenommen hat, mögen sagenhast ausgeschmückt sein, aber die Thatsacbe ist von vielen Seiten zu bestimmt bezeugt, als daß sie bezweifelt werden könnte. Mit Bulan bekannten sich auch die Großen des Reiches, ungefähr viertausend an der Zahl, zum Iudenthume. Nach und nach drang es auch ins Volk ein, so daß die meisten Städtebewohner des Ehazarenreiches Juden waren; das Militär bestand aber aus mohammedanischen Söldlingen. Es gab aber auch Vasallcnkönige in dem großen Gebiete, das dem Chagan unterworfen war, und auch von diesen nahmen wohl einige die Religion ihres Gebieters an. Wenigstens wird das von dem Könige des Landstriches Semender an der Westküste des Knspisee's (jetzt Tarki) erzälfli. In der ersten Zeit mag das Judenthum der Cbazaren oberflächlich genug ausgesehen und wenig ans Milderung des Sinnes und der Sitte eingl wirkt haben. Erst ein spaterer Nachfolger Bnlans, der den hebräischen Namen Obadjah führte, machte mit dem jüdischen Bekenntnisse Ernst. Er lud jüdische Gelehrte in sein Reich ein, belohnte sie königlich, gründete Betläuser und Lehrstätten, ließ sich und sein Volk in Bibel und Talmud unterrichten und führte den Gottesdienst nach dem Muster der alten Gemeinden ein. So viel Einfluß gewann das Judenthnm auf die G'.rüülhcr di emo unkultivirtcu Vclksstan mes, daß, wahrend die heidnisch gebliebenen Chazarcn ihre Kinder ohne Gewissensbisse Zn Sclaven verkauften, die jüdischen diese Unsitte eingestellt harten. Nach Obadjah regierte noch eine lange Reihe von jüdischen Chaganen; danu nach einem Staatsgrundgesitz durften nur jüdische Herrscher den Thron besteigen. Weder Obadjah noch seine Nachfolger waren unduldsam gegen die m'chtjndische Bevölkerung des Landes; diese wurde im Gegenthei! auf dem Fuße vollständiger Gleichheit behandelt. Es gab erneu obersten Gerichtshof, bestehend aus sieben Richtern, Zwei Inden für die jüdische Bevölkerung, eben so viel wohammekanische und christliche für ihre NcligionsgeuostiN und einen heidnischen für die Nüssen und Bulgaren. Jider Neligionsbckenner wurde nach seinem Gesctzbuche gerichtet. Das Chazarcnreich, vom jüdischen Geiste durchweht, hätte ein Muster der Duldsamkeit für Christen und Mohammedaner zu seiner Zeit und noch e in Jahrtausend später abgcbcn können. — Die auswärtigen Juden halten Anfangs keine Ahnung von der Bekehrung eines mächtigen Königreichs zum Iudenthume, und als ihnen ein dunkeles Gerücht darüber zukam, glaubten sie , Chazarien sei von den Ueberblcibseln der ehemaligen Zehnftämme bkvölftrt. Tie Sage erzählte: Weit, weit hinter den finsteren Bergen, der kimmerischen Finsterniß des Kaukasus, wohnen wahre Gottesverehrer, heilige Männer, Nachkommen Abrahams von den Stämmen Simeon und Halbmanasse, die so mächtig seien, daß ihnen fünfundzwanzig Völkerschaften Tribut zahlen." (Forts, f.) Weber die nöthigr Vorsicht bei der Wahl der Ingendschristen. Ein Wink für Eltern, Lehrer und Erzieher Von Nabb. Kalomvu Kolm, ösfentl. Neligionslehrcr in Pcstb.! / Wenn wir auch der Anücht Derjenigen, welche jedes hochdeutsch geschriebene Wort zu lesen als Sünde und Vergehen gegen die heil, mosaische Religion hal-! len, nicht beipflichtcn, können wir doch nicht umhin,! die freundlichen Leser des „Israelit" daraus aufmerki sam zu mcbcn, daß sie in Hinsicht der Lektüre, welche! sie der Jugend ans den nicht hcbr. Büchern reichen, i d:e nöihige Sorgfalt und Vorsicht anwenden mögen; i denn leider ist die goldene Zeit der kindlichen Unschuld und des unverkennbaren Schamgefühls am Horizonte der Jugend vorüber, da die ftomme, religiöse, Hansi liche Erziehung Tag für Tag alnimmt Man durfte in den früheren Jahren in allen jüdischen Häusern und Schulen seilst mit lebhaften Knaben und reisen Jünglingen die ganze heilige Schrift ohne Ausschluß der Stellen von oder vw'-- : -5'U'r oder rech oder >"l-' aeEost i und treu dem Inhalte nach nehmen, ohne auch in-E. t-! ferntesten Bedenken zu tragen, daß etwa hierdurch die! Leidenschaft hervorgerufen und dem unschuldigen Thun und Lassen der Jugend Eintrag geschehen könnte, i Man lehrte und lernte vor nnd mit der zarten Ju- ' aend selbst ohne eine frühere Reife hiedurch zu verursachen; denn das Kind war ein frommes, gefügiges nnd gläubiges DLsen, de.- Jüngling war fern von jeder llnkenschheit und Frivolität, nnd das heil. Wort Gottts war ihm stets als ein ihm zur Seite stehender Engel, von dem die Lehre sagt: S -NN dtt ,chp2 p!2L"i „Habe Achtung vor ihm, gr horche seiner Stimme rmo sei gegen ihn n e widcrspänflig!" Zumal waren es auch die Lehrer, welche, vom Geiste Gottes stets beeelk, Seine heiligen Worte auch mit Ernst nnd Würde .iSchlehrten. Es waren Lehrer, welche sie früher selbst in Fleisch rmd Blut ausgenommen halten und dann als Worte ihres Herzens der ihnen in Ehrfurcht ergebenen Jugend mittheilten. — Heutzutage ist es aber leider ganz anders geworden, der Zeitgeist, stark vom Materialismus beeinflußt, treibt sein unwürdiges Spiel sogar mit den Trag-