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Der Israelit · 1865-06-14 · Heft 24 (14.6.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 24 (14.6.1865)
Date
1865-06-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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346 wähnt. daß deren Mitglieder weder in profanen Wissenschaften, noch im Hebräischen irgend eine Kennt niß besitzen, sondern, daß ihr ganzer Fortschritt in dem Abfall vom h. Gesetze besteh?. Wie ganz anders aber fteht es um die orth. Partei! Als nach dem Edikt, durch das die Gemeindezusammengehörigkeit aufgehoben wurde. auch die Gabela*) arrfhörte, mußten Schule, Spital rc. gesperrt werden. Malbim aber bewog die Gemeinde, freiwillig 8 Para zu zahlen Da später dieser Beitrag auf 6 und 8 Para erhöht wurde, konnte die Schule wieder eröffnet, die vorgeschriebenen Unterrichtsfächer gelehrt werden. Ferner traten auf M.'s Betreiben 2 Vereine ins Leben, die sich Armenunterstützuug zum Zweck vorgeftrckt haben, und auch ein Bethamrnidrcsch konnte eröffnet werden, wo recht fleißig „gelernt" wird. Das Alles wurde bei einer Gabela von V Para geleistet, während früher unter den Händtn des Vorstandes 24 Para nicht tsinreickten. Die sog. Fortschrittspartei nahm sich einen der wegen Meineids schon früher von Malbim und!0 andern Rabbinen für untauglich erklärt worden war, und verkauften das Fleuch ohne Gabela, damit die Eröffnung des Spitals nicht staltfinden könne. M. aber bildete eine O'BN die von ihren wöchentlichen Spendet! und non noch 2 Para Ausschlag zur Gabela von dem Einkommen von bemütelten Brüdern, an denen sie ihre heilige Pflicht ansübte, das Spital erhalten wllte. Damals beehrte Ihre Durchlaucht die Frau Fürs-in diese Anstalt mit einem Besuch und iplach ihre vollste Anerkennung aus. Der Vorstand aber konnte das nicht verschmerzen und ließ einen alten Mann, der seinem Enkel die letzte Ehre erwies, derb durch orügeln, die Leiche aber in 2 Stücke zerreißen. Da sie jedoch mit dem Allem nichts ausrichllren. heuchelten sie Reue über das Vergangene und kehrten scheinbar von ihr^r Verirrung zurück. Der Rabbiner ließ sie zu Vorstehern wählen, und diese Stellung benutzten sie zu ihrer bekannten letzten Schandthat. Doch es ist noch nicht aller Tage Abend, und in der Höhe thront Einer, der das Gute belohnt und oas Böse bestraft. Afrika. Tunis Herr Salomon Liebrecht aus Breslau, der in Jerusalem wohnt, bereiste vor nicht langer Zeit einen großen Theil von Nordafrika. Derselbe theilt uns über Juden und jüdische Zustände unter Anderem Folgendes mit: 0 Die Gemeindekostt-n werden ourch einen Aufschlag auf das Fleisch bestritten, der Gabela genannt wird. In Gerbi, einer Stadt auf der Insel gleichen Namens, sind die isr. Einwohner in Kleidung rc. von ihren übrigen Brüdern in Afrika ausgezeichnet.« Jeder Mann ohne Ausnahme trägt nur kurze Hosen aus Leinwand und ein kurzes Hemd darüber. Die Frauen sind tief verschleiert, so daß auch nicht das Geringste von ihrem Gesicht sichtbar ist. Ich stellte mick dem Chacham vor und ersuchte ihn. mich in in einige Häuser zu führen, um für einen wohlthätigen Zweck wirken zu könn-'.r für den ich ausgc sandt war. Cr erklärte sich mit Vergnügen dazu de reit. wie überhaupt die Israeliten dort sehr gasi freundschaftlich und wohlthälig sind —; aber an jeder Thüre, an die wir kamen, vochte er zuerst, damit, wie er mir sagte die Frauen sich entfernen und in ein anderes Zimmer begeben könnten. Daß in G^rbi viele Israeliten wohnen, möge daraus erhellen, daß es dort acht Synagogen und einige Bäte Mid raschrm gibt, die reich dotirt sind. — Von Chaiti in Oran reiste ich ungefähr 0 Stuu den zu Land nach Moskana rn d von da 12 Stunden weiter nach Zohita. wo ca 40 jüdische Familien wohnen Unter diesen zeichnet sich besonders R Mardachai EUmeleck durch Gastfreundschaft und Wohl thätigkeit besonders ans. Er b etet jedem Fremden Wohnung. Kost. Kleidung und Geld an und fühlt sich förmlich glücklich, wenn einer bei ihm recht lang vkeibt — "Von da reifte ich 4 Tage lang durch die Wüste nach Lotowar (Algerien) und von da nach Bernsab. Dieser Ort liegt hoch auf einem Berg und ist mit einer Mauer umgebet! Die Häuser sind ou- Lehm erbaut; kein Fenster oder Kamin bcfindct sich da, sondern oben in der Decke ist ein viereckiges Loch, durch das Licht und frische Luft eindringt und der Rauch sich entfernt. Die Synagoge ist ein schmales lcmges Gebäude, an dessen Wänden ungefähr 50 Laden für Gesetzesrollen angebracht sind Die Hitze ist hie', so groß, daß sich frisches Fle sch nicht hält. Die Nahrung besteht also aus getrcck.retem Fleisch, zu welchem man Kuskusu und Branntwein verzehrt. Die jüdischen Einwohner sind sehr fromm, und namentlich der Sohar wird mit grenzenlosem Eifer studirt. Ihre Tracht ist ganz wie die der Falascha's.*) Wenu ein Fremder hinkömmr, so wird er jeden Tcg von einem andern .^'27! eingeladen, der sich dann durch die Annahme der Einladung im höchsten Grad geehrt fühlt. Un'ere dortigen Brüder sind schr in dustrrell, die meisten sind Gold- oder Silberarbeiter, und die Frauen haben große Webereien. Auch jüdische Beduinen, die eine Art von nomadischem Leben führen, traf ich auf meiner Acije.. Von Tunis reiste ich 1V? Tagereisen nach Faffa und *) Ich sah Wer emen solchen hier in Jerusalem.

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