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Der Israelit · 1865-06-14 · Heft 24 (14.6.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 24 (14.6.1865)
Date
1865-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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zu 24 des Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Oesterreickischer Kaiserftaat. Miskolez Der 8. Jjar war für die benachbarte Gemeinde Csäth ein Trauertag, da an dem selben ihr Rabbiner Joseph Reis i:n 64. Lebens zahre verschied. Zu seinem Leichenbegängnisse fand sich eine unzählige Menschenmasse ein, was ein laut redendes Zeugniß von seinen Vorzügen ablegt. Die Leichenrede hielten der Sohn des Verblichenen, welcher ebenfalls Rabbiner ist, und der Herr Rabb ner von Csabä.*) — Auch eine andere Perle wurde uns am 14 Jjar entrissen, der rührnlichft bekannte R- Wolf Hirsch brr"i zu G: oß-Tapolcsän. Derselbe hatte erst vor einigen Wochen seinen M. Geburtstag in salennester Weise gtfeiert, A. Friedmann. D o n a u f ü r st e n t h ü m e r. Bukarest, im Nisan. (Unlieb verspätet ) — Erlauben Sie mir, geeinter Herr Redakteur, in Ihrem geschätzten Blair ein? Corresponds^A in Nr 46 des „Hamagid zu widerlegen. Ich hätte das schon längst gethan, aber erstens trug ich Bedenken, ob ein Mann, wie Malbim, gegen die Angriffe irgend eines ihn verunglimpfenden Ecribelers. der gelinde gesagt, Un Wahrheiten berichtet, erst in Schutz zu nehmen lei Zweitens war ich durch neunwöchentliche Reise in der Türkei daran verhindert, gegen den Correspon denken jenesBlattes aufzutrctcn, dessen Devise „Wah rheits- und Friedensliebe" ist. Auf die Persönlichkeit des betr. Corrcspondenten will ich mich nicht näher einlassen. Nur so viel sei erwähnt, daß er, seine Eltern, Geschwister und Verwandten die Häupter und größtenihcils die Bestand- Iheile der Agitation gegen Malbim bilden Daß er sich jetzt rein waschen will, ist ganz natürlich. Um auf die Grundsätze schließen zn können, von denen seine Erziehung geleitet wurde, sei noch erwähnt, daß schon sein Großvater den Rabbi Maier Charis am Rüsttoge zum Sabbat auf ähnliche Weile, wie er jetzt Malbim, fortschafstn ließ. Nun, lieber Leser, denke Dich mit mir um 2 > Jahre zurück, damit Tu das große Verdienst des großen Meisters würdigen kannst. Die Gemeinde *) Unser Herr Correspondent B. Reisner in Tisza Keszi schickte uns einen ausführlichen Nekrolog, den wir jedoch aus Mangel an Raum nicht aufnehmen konnten. Red. war von inneren Streitigkeiten zerissen und hatte schon seit m. breren Jahren keinen würdigen Rabbinen und Prediger. Da wurde Malbim, der auf einer Reise aus Polen bei zweimonatlichem Aufenthalt je den Sabbat predigte, einstimmig zu diesem Amte erwählt. Weil jedvch die Gemeinde in 4 Parteien (wala chische, österreichische, russisch ' und preußische) zersplittert waD welche sämmtlich autonom waren, so lehnt? er so l.nge w. bis sie sich vereinigten Dann wurde der Vertrag uusgefertigt, von reu Vorständen, den betr. Consuln und dem hiesigen Ministerium unleweichnet. Unter Anderem war -nrch bedungen, daß der neue Rabbiner lebenslänglich im Amt bleiben solle. — Er entfaltete eine große und vielseitige Thätigkeil; aber da er einigemal gegen Unrecht scharf einschritt, zog er sich Feindschaften zu, deren einziges Bemühen beständig darauf gerichtet war, ihn von hier zn ent fernen. Als einst die Negierung von allen Unterthanen eine freiwillige Contribution von 6 Millionen Piaster verlangte, vredi.te Malbim. daß die isr. Bc-wohner der Stadt sich als treue Bürger zeigen und 50.000 Piaster beisteuern sollten. Der Vorschlag wurde ge nehmigt, und man beschloß, daß diese ^umme durch einen Aufschlag auf das Fleisch beschafft weide, wel cher eine Zeit l,ma erhoben weroen sollte. Der Vorstand aber, der aus Feinden Maldinis oder wie sie der Correspondent im Hamagid" nennt, ans „Fort fchriMmännkrrl bestand, erhob denselben viel länger, als vorausbestimint war und - lieferte nichts ab. Dies empörte den Rabbiner, u-d die Gemeindemitglieder murrten über ihn, will er den Antrag gestellt hatte. Er wollte gegen den Vorstand die geeigneten Maßregeln ergrcv n, weßhalb ihm dieser 9 MonaU lang seinen Gehalt entzog und ihn überdi s bei der Polizei als revolutionär im Predigen denuncirte Dies vercmlaßte den Polizeipräfekt Sonnabend Nachts 2 Uhr sich zu M. zu begeben und ihm das Predigen zu verbieten In Folge aller dieser Plakereien starb M.'s l4jähriger kränklicher Sohn vor Schrecken, Kälte und Hunger. — Ein anderes Mal fuhr der Vorsteher mit dem Polizeipräscct am Sabbat in die Synagoge, um die Predigt zu verbieten, zu welche', sich ca. 2000 Israeliten eingesunden hatten. Um nun das Maaß der Verleumdung voll zu machen , wurden Flugschriften an alle Beamten rer theilt, Malbim habe in seinem Commentar zu Je sajas das Cbristenthum geschmäht; der Cultusminister solle sich desselben annehmen. Aber dieser war bester denn die Verleumder und ließ Alles aut sich beruhen. Um einen' Begriff von der hiesigen sogenanutcu Fortschrittspartei geben zu können, sei noch er-

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