Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1865)
- Date
- 1865-06-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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rss lich mit seiner Bitte, sondern pflegte unter die Menge zu treten und das Verdienst der Mildherzigkeit und die Pflicht des Mitleids mit den Unglücklichen laut anzupreisen. Die Gaben waren gewöhnlich sehr gering, am häufigsten erhielt er je einen oder einen halben Groschen (2 oder 1 Pfennig); aber am Ende des Jahres hatte er schließlich zwölf bis fünfzehntausend poln. Gulden gesammelt. Wir haben von gut unterrichteten Personen gehört, daß die aufgefundenen Rechnungen, welche der Verstorbene für sich selbst führte, ein Ergebniß von 400,000 poln. Gulden liefern, welche er während seiner Wirksamkeit gesammelt und vertheilt hat. (Ein poln. Gulden — 17'/. Kreuzer.) (Schluß folgt.) Dänemark. Kopenhagen, Anfangs Sivan. (Privatmittheilung.) Wo das Entsprechen irgend einer der religiösen Satzungen ein Opfer welcher Art nur immer erheischt, ist wohl so Mancher an dem Punkte angelangt, wo sein frommer Sinn Grenzen kennt, die zu überschreiten er nicht im Stande ist, ohne mit der angebornen oder angeeigneten Ergebenheit zum Dienste des Mamon in CoÜision zu treten. Und doch ist gerade der echt religiös zu nennen, der in der Bethätigung nichts Anderes kennt als eben das Ziel, das er zu verfolgen strebt, ohne durch äußere Einflüsse, wenn diese nur von niedrigem Materialismus herrühren, sich in diesem Streben berrren zu lasten. Gilt es doch bei religiösen Observanzen die Bethätigung einer Ueberzeugung, welche unter allen Umständen zu betätigen man auch den Muth haben muß, wenn sie anders noch Ueberzeugung sein soll. Und gerade da, wo wir es am allerwenigsten vermuthet hätten, kommen solche Erscheinungen zu Tage, die umsomehr das muthlose Passivverhalten jener Seite in crasterem Lichte erscheinen lasten, von der wir den Muth einer Ueberzeugung als erstes Postulat zu erwarten berechtigt wären. In unserem nördlichen Nachbarstaate Schweden blüht das Judenthum gerade nicht im höchsten Flor, und verfolgt man genauer die Ursachen dieser traurigen Erscheinung, so wird man unwillkürlich an das Prophetenwort erinnert i'rirnx "nm O'priQ 'vp Es wohnt eine nicht unbeträchtliche Anzahl Glaubensgenoffen in diesem Lande, Stockholm und Gothenburg sind bedeutende mit Rabbinatssitzen, geregeltem Gottesdienst, und letztere Stadt übertrifft sogar noch an Aufklärung (?l) die Residenz; sie besitzt eine Orgel mit so und so vielen Registern. Norwegen hingegen zählt nicht viel Juden, und selbst in Christiania wohnen nur vereinzelt einige Familien, die natürlich nicht das Bedürfniß fühlen, i'p -orm zu leben. Ein dort domicilirender Deutsche, dem die Handhabung der jüdischen Religion vom Elternhause her noch vorschwebte, hat ein mehrere Monat altes Söhnlein, das, trotz aller Bemühungen, einen Mohel ausfindig zu machen, bis vor einigen Wochen nicht in den Gesammtverband Israels ausgenommen werden konnte. Da er nun sah, daß ohne energisches Bestreben sein Kind als heranwachsen würde, '2 n-m .121 .12 svu w'r< p-r, so entschloß er sich, Alles aufzubieten, um dies zu verhüten. Er ließ sich von hier einen V.mv kommen und zahlte diesem nicht nur die Reisekosten, sondern auch, da der Mohel Vater einer zahlreichen Familie ist und sich von Hand zu Mund ernährt, ein entsprechendes Entgelt für Versäumniß. Das ist ein Factum, das, von einem schlichten Laien verübt, der es aufrichtig mit seinem Glauben meint, als Muster mehr wirken kann, als alle salbungsvolle Reden unserer modernen Prediger. Nichtsdestoweniger wünschen wir, daß Wenige genöthigt seien, diesem Beispiele zu folgen und die Erfüllung der hl. Neligionsgesetze mit so schweren Opfern zu erkaufen. — Der bisher an hiesiger Religionsschule funktionirende Lehrer vr Milziner ist von der Gemeinde no.-r in New-Aork zum Prediqer berufen worden. - Auf einer Reise hatte ich Gelegenheit, mir die Verhältnisse der Israeliten in Mecklenburg genauer anzusehen und die traurige Wahrnehmung gemacht, daß dort das Judenthum wenig treue Bekenner zählt; häufig hört man in diesem kleinen Lande von Uebertrittcn zum Chriftenthume, und erst vor Kurzem ist uns wieder ein solcher Fall zu Ohren gekommen. Es sind dies die Früchte von dem Samen, den Holdheim und Einhorn gestreut. Unter der Amtstätigkeit des Herrn Vr. Cohen beginnt aber, was den öffentlichen Cültus betrifft, eine neue bessere Aera für das mecklenburger Judenthum; doch das Unkraut völlig anszurotten ist bisher noch nicht gelungen, da es zu tiefe Wurzel geschlagen und einen zu großen Zeitraum zu seiner Entfaltung gewinnen konnte Doch können wir von Or. Cohen erwarten, daß, soviel es in seiner Macht sieht, die Zukunft sich bester gestalten wird, wie auch schon jetzt die Folgen seines vielseitigen Wirkens nicht zu verkennen sind. — Um auf mein jüngstes Referat zurückzukommen, erlaube ich mir einigen Bemerkungen der wohll. Redaction gegenüber zu bemerken, daß ich in demselben in keiner Hinsicht vom religiösen Standpunkte des Herrn vr. Wolf, sondern lediglich und nur von den Resultaten seines Wirkens, die sich hier in der Gemeinde merkbar geltend machen, gesproch-n. Doch auch in jener Hinsicht glaube ich Folgendes zur Beruhigung mittheilen zu müssen. Es ist notorisch, daß seinerzeit ein Reformverein von zahl- und einflußreichen Mitgliedern sich bildete und durch eine Deputation an Herrn vr. Wolf das Ansinnen einer durchgreifenden Reform sowohl im syrlagogalen als auch im Gemeindeleben stellte, aber im negativen Sinne beschie-