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Der Israelit · 1865-05-30 · Heft 22 (30.5.1865) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 22 (30.5.1865)
Date
1865-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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316 das allgemeine Interesse erregen. In mechanischen Künsten haben sie stets eine hervorragende Stellung eingenommen als Eisen- Zinn- Gold- und Silberarbeiter; 'häufig sind sie Zimmerleute, Tapezierer, Maschinisten, Grobschmiede, Spengler und Optiker. Auf dem Gebiete der Wissenschaft findet man unter ihnen: Aerzte, Wundärzte, Apotheker, Chemiker, Münzwardeine, Geologen, Pathologen, Etymologen, Astronomen, Theologen, Advokaten, Buchdruckereibesitzer, Lithographen, Musiker, Maler und Künstler, Sprachlehrer, Mathematiker, Dichter, Redakteure, Akrobaten (!) und Seeleute. Kaum wird man einen Zweig der mechanischen Künste oder des Handels finden, wo wir nicht Repräsentanten unserer Nation begegnen, die sich überall auszeichnen. Zu diesen kommen noch Bergleute, Kapitalisten und Kaufleute. Wer will nua diesen Thalsachen gegenüber bestreiten, daß das jüdische Volk einen hervorragenden Theil zu dem großartigen Wohlstände Californiens beigetragen hat? Zu diesem muß noch hinzugesügt werden, daß der Jude kein Nomade ist. Wenn er sich in Californien ansiedelt, so wird er ansässig, vermehrt und beschleunigt die Cultur des Landes. Er heirathet, schaa't einen Familienkreis um sich, bestrebt sich ehrenhast zu sein und ist es auch. Seine Ausdauer und Redlichkeit sind bemerkenswerth in diesem Zeitalter der Selbstsucht So verlebt er die ihm bestimmten Tage unter seinem eigenen ,,Weinstock und Feigenbaums" umrankt von seinen Oehmeraen, bis seine Zeit dahin ist und er zu seinem „himmlischen Vater" abberufen wird. Man abstrahire die jüdische Arbeitskraft und oas jüdische Kapital von Californien und der Staat würde bankerott sein. (I CH.) San Francisco Dem „Hebrew" schreibt sein New-Denker Corrcspondent von hier: „Vor einigen Tagen ereignete sich beim hiesigen Obergericht ein seltener Vorfall. Schon eine geraume Zeit wird die allgemeine Aufmerksamkeit auf eine Verhandlung wegen Ehrenkräninng hingezogen. Tie Anklage wurde von dem Vice-Bürgermeister Opbyke gegen einen bekannten, einflußreichen Politiker ans Albany, Namens Thurlow Weed, erhoben. Das Zeugen - Verhör allein dauerte 15 Tage. Da eine bedeutende Summe als Entschädigung gefordert wurde, und politische Interessen mit der Sache verknüpft waren, so wußte man schon im Voraus, daß die Sache viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Vier der ausgezeichnetsten Advokaten, die Herren Pierrepont, Emots, Evarts und Dudley Field, wurden für die Sache gewonnen. Die eigentliche Verhandlung begann am Mittwoch, wurde während des nächsten Tages fortgesetzt, am Freitag trat endlich Herr Evarts auf, um die Vertheidigung zu führen. Er hielt eine sehr lange Rede, mehrere Stunden waren schon so vergangen, es war Nachmittags halb fünf. Der Redner war im größten Redefluß, das geringste Geräusch würde man im Gerichtssaale vernommen haben. Der Präsident, die Jury, die Zuschauer, Alle lauschten gespannt den gediegenen Worten des Redners — als er plötzlich unterbrochen wurde, und ein Mitglied der Jury sich erhob und sagte, daß er Jude sei, und daß sein Sabbat soeben beginne, und er nicht langer der Sitzung beiwohnen könne. Der Präsident befahl ihm, seinen Sitz inne zu halten. Zuerst weigerte er sich, allein schließlich gehorchte er, als man ihm mit Arrest drohte, wenn er sich noch weiter weigere, jedoch nicht ohne die Bemerkung, daß der Gerichtshof nicht die Macht besitze, ihn zu zwingen, seine Religion zu verletzen. Ans Verlangen der Geschworenen willigte der Präsident endlich ein, die Sitzung auf den kommenden Montag zu vertagen. Der Vorfall wurde Tags darauf (am Samstag) in allen Zeitungen veröffentlicht und erregte kein geringes Erstaunen sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen. Viele Gründe wurden angegeben, um das befremdende Benehmen des Israeliten zu erklären, indem ein Jeder zugab, daß, wenn er nur aus religiösen Motiven so gehandelt habe, was gewiß der Fall ist, seine Kühnheit alles Lob verdiene. Englisch Columbia. Höchst erfreulich ist es, von einer entfernten Ansiedelung das Echo religiösen Lebens, das ihnen vom Mutterlande noch übrig geblieben, wiederhallln zu hören. An der Mündung des Quesnclle, in britisch Columbia, hat sie! eine Anzahl Israeliten ansässig gemacht, die einen bedeutenden Handel treibt. In großer Eintracht leben sie mit ihren Nachbarn ringsumher, und sie sind, wo sich auch immer eine Gelegenheit bietet, willig und bereit, wohlthätig zu sein. Unter anderen löblichen Namen erwähnen wir Herrn Joseph Cohen, einen Mann von vielseitiger Bildung. Vor den vergangenen Feiertagen veranlaßte er aus religiösen Motiven seine Mitbrüder, diese Tage, so gut sie nur konnten, zu feiern. Eine veranstaltete Sammlung ergab an einem Tage 60() Dollar, wofür sie eine Sepher-Thora kauften, ein Local mietheten und an Nosch Haschanah und Jom Kippur Gottesdienst abhielten. Mehrere Mitglieder beteten die verschiedenen Tephiloth vor. Auf diese Weise können sie ähnlichen Ansiedelungen znm Muster vorgehalten werden, und so legten sie wie unser Vater Jacob die Grundlage zu einem Beih-El. (Gleaner.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: Di. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressend ack von I. Gottsleben in Main;.

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