Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-05-30 · Heft 22 (30.5.1865) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 22 (30.5.1865)
Date
1865-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447215--03435-2458834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

315 cher ein Antrag des Herrn S. W. Josephus Jitta c. s., den: sich viele Gemeindemitglieder angeschlossen hatten, zur Berathung gezogen wurde. Es seien, heißt es in dieser Vorstellung, schon 3 Bewerber um das hiesige Rabbinat mit Probepredigten ausgetreten, die wohl recht gedankenreich und schön gewesen sein mögen. Da dieselben aber in reiner, deutscher Sprache gehalten worden seien, so sei ein großer Therl des Eindrucks auf die Zuhörer verloren gegangen, wül dwse die Sprache nicht verstanden. Ferner werden durch die Berufung ausländischer Radbinen diejenigen Nabbinatseandidaten, die am hiesigen Seminar ihren Studien obliegen, notwendig entmuthigt, woraus besagtem Seminar so mancher Uebelstand erwachsen könne. Es sei daher schon an und für sich rathsam, bei der Besetzung des Rabbinats aus einen mit den hiesigen Verhältnissen vertrauten Rabbinen Rücksicht zu nehmen, der auch unsere Sprache verstehe, damit nicht eine Reihe von Jahren dazu erforderlich sei, daß der neue, aus dem Ausland gekommene Rabbine sich in die Verhältnisse erst hineinlebe. Da nun in unserer Mitte sich Herr I. S. Hirsch befinde, ein Mann, der allen an ihn gestellten Anforderungen entspräche, der einen herrlichen Charactsr besitze, der auch, wie sich bei der jüngst ftattgefundeuen Einweihung einer Thorarolle zeigte, befähigt sei, von der Kanzel aus durch gediegene Reden aus die Gemeinde einzuwrrken — erlaube sich Antragsteller die Frage, warum denn auf diesen Mann, der doch schon feit 25 Jahren io segensreiche Thätigkeit für das Judenthum und die Gemeinde entfaltet habe, nicht die Wahl gefallen sei. Deshalb werde der Kirchenrath ersucht, die Ernennung des Herrn Nabbinatsnssessors Hirsch zum Rabbinen in Berathung zu ziehen. Herr van Nierop, Referent der Commission, ergreift zuerst das Wort: Es sei an der Zeit, endlich zu einem Resultat in dieser Angelegenheit zu kommen, und baldige Erledigung sei dringend geboten. — Herr Nykerk, Präsident der Commission, stattet Bericht über die bisherige Wirksamkeit der Commission ab: Drei Rabbinen hätten bereits Probepredigten gehalten, und in nächster Zeit werde Herr Dr. Feuchtwang aus Nikolsburg erwartet. Auch Herr Hirsch habe sich um das Rabbinat beworben. Deshalb sei wünschenswert!), daß man der Commission Zeit ließe, ihre Arbeiten zu vollenden und dem Kirchenrath seiner Zeit zu referiren. Hierauf wurde beschlossen, den Antrag Jitta's und Eons. in Erwägung zu ziehen und die Sitzung zu vertagen. — Am 9. d. M. kam Herr Dr. Feuchtwang hier au. Da er jedoch, wie es scheint, von dem Obigen schon unterrichtet war, erklärte er, eine Predigt vorerst nicht halten Zu wollen. Er habe ein Versprechen betreffs einer Predigt nicht gegeben und wolle sich nur nach den localen Verhältnissen erkundigen. Deshalb wünsche er, einer Confereuz der Commission beizuwohnen. Diese fand am Abend des folgenden Tages statt nnd dauerte ca. 2 Stunden. Hier überzeugte sich Herr vr. F. von den vielen Schwierigkeiten, die ihm hier im Wege stehen würden, und beschloß, keine Probepredigt zu halten und sich um das Rabbinat nicht zu bewerben. Er besuchte noch einige Anstalten undreiste bald wieder ab. Die ganze Gemeinde hatte schon mit Spannung einer Predigt auf vergangenen Sabbat entgegengesehen und waren dazu die Einladungen schon fertig, um schnell versandt werden zu können. Jeder, der Gelegenheit hatte, Herrn vr. F. kennen zu lernen, bedauerte es, daß derselbe uns so schnell wieder verlassen hat. — So ist diese Angelegenheit noch nicht viel vorgeschritten, seit ich Ihnen, geehrter Herr Redacteur, meinen jüngsten Bericht einsandle. Möge sie nur bald zu einem glücklichen Ziele gelangen! Amerika. Savannah Die jüdische Gemeinde in Savannah war immer einstußreich und wohlhabend, und zu jeder Zeit bereit, allen Anforderungen der Wohlthätigkeit bereitwilligst zu entsprechen. Auf seinem kühnen Zuge nach Atlanta fiel dem Unions-General Sherman diese conföderirte Stadt in die Hände. Die Wechselfälle des Krieges brachten unseren Religionsgenoffen wenig Vortheil. Bei der Herannahen des iiO2-Festes sahen sie sich genöthigt, die jüdische Gemeinde von New-Aork zu ersuchen, ihnen 5000 Pfund zu liefern; nicht allein weil ihnen die dazu erforderlichen Geldmittel fehlten, sondern auch weil sie keine Gelegenheit hatten, das ungesäuerte Brot zu backen, wie sie in früheren Jahren gethan hatten. — (Jewisch Messinger.) New-Aork. Die Anzahl der jüd. Gemeinden an den Ufern des Hudson ist beständig im Zunehmen begriffen. Neben den drei zu Albany ist eine blühende Gemeinde zu Troy. Ebenso sind beträchtliche jüdische Körperschaften zu Nemburgh, Pouhkeepsis, Hudson, Rodout und Kingston, nicht zu vergessen die 20 kleinen Gemeinden an der Mündung dieses herrlichen Stromes. Der Staat New-Park muß wenigstens eine Bevölkerung von 75,000 Israeliten oder ein Viertel aller Israeliten in den Vereinigten Staaten enthalten. (I. M.) San Francisco. In keinem Staate der Union werden so viele Industriezweige nnd Gewerbe von Juden gehandhabt, wie in Califormen. Sie sind dort Farmer, Weinbesitzer, Schaaszüchter, Bauern, Diehhirten und treiben Handel mit Rindvieh und Schaafen; zum großen Theile sind sie Handarbeiter, und nur ihrer Energie und ihrer Wohlhabenheit verdanken die großartigen Woll-Factoreien in San Francisco den bedeutenden Aufschwung, wodurch sie so sehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.