Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1865)
- Date
- 1865-05-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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21 -»es Israelit. Aeit»ngsna<Hrichten und Correspon denzen Deutschland. Stuttgart. Zw er Erlasse hat die K. isr. Ober-Kirchenbehörde im laufenden Jahre gegeben, die werth sind, vor das Forum der Oeffer.tlichkeit zu kommen. In dem Erlasse vom 30. Januar d I. stellt diese Behörde eine Untersuchung darüber an, ob, nachdem du Israeliten Württcmbe.gs durch das Gesetz vom 10. August v. I. vollständig emaucipirt sind, junge bedürftige Gewerbs - Lehrlinge and? ferner aus der isr. Central-Kirchenkasse unterstützt werden lallen. Das Ergebruß ist ein verneinendes , weil die Armenversorgung nimmer wie bisher der isr. Orts- resp. C'rtrolkassc obliegt, und das Gesetz von 1d>25 seinen erziehenden. Charakter verloren hat. bezw aufgehoben ist bis ans die Bcsümmuug'N, die sich auf die kirchlichen Verhältnis'e l ziehen. Mit Genehmigung des Ministeriums werden aber dergleichen Unterstützungen ans Gründen der Zweckmäßigkeit vorerst fortgereimt werden, und man glaubt damit nur den Wünschen und Interessen der Israelitin silbst cntgegenzukommen. „Jc mehr heutzutage das gewerbliche Leben sich h,.bl und ausbre.tet und dem strebsamen Gewerbsmann ein sicheres Auskommen versprecht. Motiven die Bi borde, desto mehr müsse unve-möglichen Fanaleenväeeru daran gelegen min, ihre Söhne met Helfe der Largebot.nen Untmstützung tun Gewerben zuzuftihren. Andererseits werde es als eine Ehrensache der Israeliten betrachtet, daß sie jetzt, nachdem jeder gesetzliche Zwang über die Berussrrabl hinweggcnommen ist, mit allen Kräften darnach streben, hinter den von ihnen gehegten Erwartungen nicht zurückzubleiben und auch den Schein eines Rückfalls in Zustände, welche ihnen ehedem znm Vorwurf gemacht wurden, zu vermeiden. Die möglichst ausgedehnte Ergre fung eines ger» gelten Berufs M dazu eines der sicherste'.- Mittel. Tie Behörde veröffentlicht dann durch d:e K. Oberamler ihre Wahrnehmungen, daß die jüdischen Lehrlinge fast alle die schwereren Handwerke gemieden hätten, und in neuerer Zeit ein Andrang zu. Erlernung der Kaufmannschaft stattsinde, welcher jede andere Gewerbswahl nahezu ausschlicße. Die eine dieser Erscheinungen sei geeignet, das Borurtheil zu begründen, als fehle den Israeliten die Lust zu körperlicher Anstrengung und ausdauernder Arbeit, und habe oft genug zu einer für sie nachtheiligen Vergleichung Anlaß gegeben; die anderen verathen eine Einseitigkeit in ihrer gewerblichen Richtung, dm i men mindest.ns nicht zur Empfehlung gercr.i/e, deren chädliche Rücknsi"kung im Verlauf der Zeit nicht ausoleiben dürfte und welche die O. K. Behörde keineswegs zu begünstigen gesonnen sii. Eme Berufslehre, die nur zum Schuir gewählt werde und als Einleitung eines später ni betreibenden Trödels oder niederen Handels anznstben sei, dürre sich auf Unterstützung keine Rechnung macken. Auffallende Abkürzung der Lehrzeit werde als ein solches bedenkliches Zeichen angesehen. Schmiede, Schlosser. Wagner, Zimmerlcute. Maurer, Steinhauer, Flaschner u. dgl. schwere Handwerke würden in reichlicherem Maße untersticht, feinere Gewerbe nur dann gefördert werden, woferne die Umsiände mstm-en lemen, daß -s mkt der Erlernung voller Ernst sei. Wer die CM werdslebre verlasse oder das Handwerk einst nacht ansube, müsse dm Unterstützungen der Eentralkasse wieder ersetzen. Die Oberümter werden schließlich ausgefordert, zur Erreichung dieses Zweckes nachdrücklich rmtzumükcn." Uns rsi die fast denuncrrende Sprache des Erlasses und dann die Huldigung ausgefallen, die in diesem direct dem alten Borurtheil gegen die Juden gebracht wird, während Negierung und Stände den Israeliten hierin viel Lob gespendet Haren. Auch fft uns der bureaukratische Ton mißfällig, mit dem man sich in die eigensten Rechte der Famibe einmischt und den Vater in der Wahl ernes Berufes für seinen Sohn bevormunden und ihn an das einmal gewählte Gew-.rbe fesseln möchte, während dm GewerbefrcihcU diese Schranken weislich gebrochen hat si ie Juden werden sich indessen in unserer Zeit -mich die Baga^ r-lle einer Unterstützung schwerlich beurgcn und beschränken lassen, sondern mit erfahrenem Blicke diejenigen BernfSurten silbst heraussinden, die dem Charakter, dem Interesse und der Mitwelt nützlich und mit der Ehre vereinbar sind. Gerade durch d n Umstand, daß viele Jünglinge der Kaufmannschaft nch widmeten und dasü: sich wohl vorbereitet haben, fft der niedere Handel und Trödel so selten unter Jehudin. geworden, daß man nur alte Leute noch damit sich beschäftigen sieht. Wohl muffen wir als Israeliten die Schriftstelle beherzigen i'-inx hI-rro -'ro p'K -jd inLn und die schönen talmudischen Sprüche ehren: s'E bd und .1^)0 nvv 70X^2 und r"?2v2 rbd 12^2 'd n.L' irir«: allein -r-i'2 rp'b'2 220 2»)?h ^20X 'X und N->b2:r< : 'POIO!212-r<2' '2^> rb 220 Db2'X2' '2 02'i< ."i021dr UI N2h' Diese Regeln befolgen ja mehrere Oberkirchenvorsteher sowohl für sich als ihre Kinder, indem ste dem Handel sich zuwenden. ->opii 8°? -,bp-!