Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1865)
- Date
- 1865-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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301 ihrer Mitte lebt und nahe an 50 Jahre das heilige Lehramt mit steter Pflichttreue verwaltet hat. Der greise Jubilar zählt fast sämmtliche männlichen Mitglieder und einen großen Therl der Frauen der Gemeinde zu seinen Schülern, die mit Innigkeit noch heute an ihm hangen und in ihm ihren würdigen Lehrer verehren. Am Morgen des Festes erschien denn auch eine Deputation der Gemeinde, bestehend aus dem ehrwürdigen Kreisrabbinen Or. Frankel nebst dem Vorstände, um ihrem früheren Lehrer — denn auch diese zählen zu seinen ehemaligen Schülern — Namens der Gemeinde einen werthvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal nebst einer Adresse zu überreichen, welche die Verdienste des greisen Lehrers um die hiesige Gemeinde in angemessener Weise hervorhob und die Gefühle der Hochachtung und Verehrung, der Liebe und Hingebung schilderte, die seine ehemaligen Schüler noch jetzt ungeschwächt dem würdigen Jubilar bewahren. Tief gerührt von diesen Beweisen der Achtung und Liebe Seitens seiner ehemaligen Schüler rang der greife Lehrer vergebens nach einem Worte des Dankes. Ein zu Ehren des Jubilars veranstaltetes Festessen, an dem sämmtliche Gemeindemitglieder Theil nahmen, beschloß den schönen Tag, der dem Gefeierten sicherlich stets im Gedächtnisse bleiben und den Abend seines mühe- und sorgenvollen Lebens verschönern wird. Die erhebenden, von echter Gottesfurcht zeugenden Worte, die der würdige Rabbine vr. Frankel bei dieser Gelegenheit an den verehrten Lehrer gerichtet, werden gewiß nicht minder demselben unvergeßlich bleiben und die Anhänglichkeit an die Gemeinde, in der er so segensreich wirkte und die Liebe zu seinen Schülern, deren geistige wie sittliche Bildung er stets zu seiner heilgsten Lebensaufgabe gemacht, in seinem Herzen niemals erlöschen. Wir aber möchten hierbei den Gemeinden Israels es laut und eindringlich entgegemufen: Seid bemüht, ein Bandder Liebe und Anhänglichkeit zwischen Euch und Euren Lehrern, denen Ihr das Theuerste, Eure Kinder, anvertraut, zu flechten, bewahrt Euch einen dankbaren Sinn für ihr Wirken, dann, aber auch nur dann, wird es mit Israel immer besser werden. Oesterreichischer Karserstaat. Aus Ungarn. (Fortsetzung.) Wäre es nicht besser, wenn Herr PH. die „offen und ehrlich" niedergelegten Sätze und Beweise erst widerlegte? Es wird nämlich nach der traditionellen Lehre, an welcher doch das Gesammtjudenthum festhält, bewiesen, daß die rechtgläubigen Israeliten unter einem Regime der Reformer unter dem schrecklichsten Gewissenszwang leben müßten, indem nebst vielen anderen Beschränkungen und Aufhebungen religiöser Satzungen und Bräuche auch die Trauungen und Scheidungen, Chaliza- Acte der Resormrabbiner unter Umständen gesetzwidrig und ungiltig seien. Es ist schrecklich aber doch wahr, daß bei aller Herrlichkeit und Prachtentsaltung bei Trauungsfeierlichkerten, trotz Orgel, Chor, großartiger Beleuchtung, eminenter Ausstattung des Trauungsofsizianten, trotz allen Aufbietens äußerer Glanzmittel der Reformpartei die Trauung dennoch, von jüdischreligiösem Standpunkte aus, häufig als gar nicht geschehen zu betrachten ist, ebenso bei Scheidungen und Chaliza-Acten. Der Vers, der Broschüre hat dies durch viele Stellen aus der Israel. Religions - und Gesetzeslehre bewiesen, hat auf die Gefahr aufmerksam gemacht, in welcher nicht nur die orthodoxe, sondern die gesammte Judenhsit schwebt, daß das heiligste Asyl der Menschheit, das Ehehaus, durch die Apostel der Reform seine Weihe einfach — wir wollen ohne Phrase sprechen, der Ehebunv seine Giltigkeit verliere. O. es sträubt sich uns das Haar, nicht daß wir triumphirend uns dessen freuen könnten, wenn wir des Falles bedenken, daß ein jüdisches Brautpaar bei aller Reinheit der Gesinnungen, bei aller Keuschheit der Gefühle den wichtigsten heiligen Bund tm Namen der Religion, in welcher es geboren, ^2"- ^2 r>->2 geschloffen zu haben glaubt — und ein Opfer der Lüge, ein Oprsr der Täuschung ist. — Ihr Männer der Reform, ist es wahr oder nicht, daß ein Eheschluß ohne Anwesenheit zweier Zeugen, welche im Sinne der traditionellen Lehre tüchtig find, nach dieser selben Lehre in allen auf dem Erdenrunde zerstreuten Gemeinden Israels ganz ungiltig ist? Ist es wahr oder nicht, daß sich dieser Fall in Euern Prachttempeln hundertmal ereignen k^nn, ohne daß er gar von Euch beachtet wird oder auch nur beachtet werden könnte? Eine solche Anklage darf man ebensowenig leichtsinnig erheben, als sie frivol abwehren. Herr PH. begnügt sich, zu citiren, „die Trauungen und Scheidungen haben keine Giltigkeit", und sagt: „w schreibt H.K. und belegt es nrit Stellen". Nun, haben Sie die citirten Stellen richtig gefunden; sind sie nicht aus und den Poßkim? Nein, das wissen Sie nicht. Sie zeigen nur, daß auch manchem Brautpaar der neolologen Richtung nicht gut zu Muthe sei, wenn es die Trauung von einem orthodoxen Rabbinen vollziehen sieht. Wir geben das zu und bedauern diese Herren und Dämchen schon darum, weil sie Schmerz haben, mehr aber noch ihrer Erbärmlichkeit willen, weil sie bei der religiösen Funktion ihres Lebens, anstatt die geistige Uederschau über ihr inneres Denken und Fühlen zu halten, nur Augen haben für die Toilette und Frisur, den An,ug und das Benehmen des Trauungsosficianten; aber die Giltigkeit ihrer Ehe kann nicht bestritten, gar nicht alterirt werden. Sind die Kidduschin nach Recht und Gesetz gegeben und angenommen, mag der ->122 auschen, wie er will — das Brautpaar kann sich schon trösten. Nun ärgert sich Herr PH., ddß Herr K seine Genoffen den Männern der Entwickelung, „den Bekennern des geschichtlichen und darum sich geschichtlich ent-