Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-05-24 · Heft 21 (24.5.1865) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 21 (24.5.1865)
Date
1865-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447214--03417-2458815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

S98 Es fehlte damals auch nicht an Stimmen, die da ausposaunten, daß für Würzburg, als Kreishaupt- und Universitätsstadt, mindestens ein Doctor als Rabbiner gewählt werden müßte! Aber der religiöse Sinn der Wähler und die hohe Wichtigkeit der Sache trugen den glänzendsten Sieg davon, und Herr Rabbiner! Bamberger wurde mit 301 Stimmen gewählt. Schauen Sie nun, meine Freunde, auf das Resultat dieser Wahl! Betrachten Sie die großen Leistungen dieses Mannes, wie er stets in Friede und Eintracht zu wirken gesucht, und welch' erhabene Resultate er nut seiner Thätigkeit erzielte. Beispielsweise, wie es seiner Verwendung gelungen, daß den israsl. Soldaten zu Würzburg schon seit 28 Jahren unentgeltlich rituelle Beköstigung verabreicht wird; wie es seinen Vorstellungen gelungen. Allerhöchsten Orts zu bewirken, daß den israel. Soldaten die Beobachtung der Sabbat- und Festfeier Allerhuldvollst gestattet wurde, wie derselbe ferner die Wahrung der Gewissensfreiheit selbst israel. Sträflinge in Bezug auf Sabbat- und Festfeier ,'c. ebenfalls Allerhöchsten Orts auswirkte. wie er jedem Bedrängten und Hilfsbedürftigen schützend und schirmend zur Seite stand und steht, wie es ihm erst in neuester Zeit gelungen, eine Lehrer- Bildungs-Anstalt in's Leben zu rufen, welche sich allgemeiner Anerkennung in hohem Grade zu erfreuen hat, in welch' hoher Achtung derselbe bei den höchsten und hohen Behörden stehet: Beherzigen Sie dieses, und Sie werden eingestehen müssen, daß diese Wahl eine der glücklichsten und erfolgreichsten war, und gestehe ich es offen , daß obwohl mir der Himmel zu manchem Wohle unserer Glaubensgenossen Mithilfe! vergönnte, ich diese Handlung als die vorzüglichste meines Lebens betrachte. Auch Euch, sehr verehrte Glaubensgenoffen des , Rabbinats .Äsungen, rufe ich zu: wählet den Sohn > dieses hochberühmten Mannes, den Rabbinats-Candii baten Moses Lob Bamberger zu Eurem Rabbiner. Dieser junge Mann hat schon von Jugend an i sich die Tugenden seines hochwürdigen Vaters und - Lehrers eigen zu machen gesucht und wir) sicherlich >, in dessen Fußtapfen segensreich als Rabbiner wirken.! Die lalmudischen Kenntnisse dieses Candidaten j sind durch hervorragende Capacitäten bezeugt und i durch Rabbinats - Diplome anerkannt, auch stehet demselben eins gediegene rabbinische Praxis unter Leitung seines Vaters in der Art zur Seite, daß des Distriktsangehörigen bei dessen Entscheidungen über ihre heiligsten Angelegenheiten vollkommen beruhigt sein können. Lasset Euch, geehrte Glaubensgenossen, nicht blenden von momentanen, schönen Vorträgen; die neueste Erfahrung lehrt zur Genüge, daß viele Gemeinden, denen nur Rednerglanz bei Nabbinerwahlen maßgebend war, es schwer zu bereuen hatten! Beherziget vielmehr, daß von jeher das wahrhaft gute Beispiel bei uns am wirksamsten war. Zudem bürgen die gediegenen Kenntnisse und der Geist dieses jungen Mannes dafür, daß er auch in rednerischer Beziehung seinen Platz würdig ausfüllen werde. Derselbe hat ja auch sein Examen bei der Königl. Kreisregierung bereits ehrenvoll bestanden, und schon öfters in Kissingen und andern Gemeinden des Distrikts mit großem Beifalle seiner Zuhörer gepredigt. Die physischen Kräfte des Unterzeichneten stehen nun mit seinem Eifer für das Wohl des JudenthumS nicht mehr auf gleicher Stufe, weßhalb derselbe den schriftlichen Weg betreten mußte, und ersuche ich hiemit die mir befreundeten, sehr geehrten Herren Crrame r in Thundorf ganz besonders, diesem Briefe nebst Beilage möglichste Verbreitung bei allen Wahlberechtigten des Kisimger Rabbinats zu verschaffen. Schließlich rufe ich Euch nochmals zu: befolget den Rath eines wohlmeinenden Greises, und auch Ihr werdet am Abende Euerer Tage diesen Akt als eine der schönsten Eurer Handlungen begrüßen. Zell bei Würzburg, im März 186 ö. Mit vollkommener Hochachtung Mendel Rosenbaum. Ik. Aufruf an die israelitischen Gmeindemitglieder des Kissing er Bezir k-Rabbinats. Es ist sine schon von den Alten tief empfundene und vielfach ausgesprochene Wahrheit, daß die Hermath — und wenn mir noch so entfernt davon wohnen — immer einen bezaubernden Reiz auf uns ausübt und in der Entfernung noch unser Denken und Trachten beschäftigt und für sich in Anspruch nimmt, so daß Einer unserer ersten deutschen Dichter sagt: „Die .heimath ist das Theuerste, was Menschen besitzen „— und theuerec als die Zunge aussprechen kann'."*) Es findet dadurch mein Schritt vollständige Entschuldigung, wenn rch hier, aus der Entfernung, mein Wort au Sie, werthe Glaubensgenossen meiner lieben Heimath, jetzt richte, und das in einer Angelegenheit,"wobei zwar factisch nur Sie allein, als dortige Gemeiudenütglieder, durch die dabei zu bringenden Opfer betheiligt sind, wo aber dennoch andererseits die aufrichtige Liebe zur Heimath auch den Entfernten in gewisser Beziehung zum Teilnehmer des Ihnen jetzt obliegenden Gemeindegeschäftes macht. Die Kisimger Bezirksgemeinde geht jetzt mit dem Plane um, sich einen Bezirks-Rabbiner zu wählen. Es haben sich, wie ich höre, bereits mehrere Candidaten um benanntes Rabbinat beworben, und sind schon Einige *) Schiller in den Phönizierinnen des Euripides.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.