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Der Israelit · 1865-05-17 · Heft 20 (17.5.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 20 (17.5.1865)
Date
1865-05-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. 20 des Israelis Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, den 2. Mai. Nach langer Beratung über die Geschäftsordnung, wie über die bisher unerledigt gebliebene Diffidenzfrage, schritt unsere Repräsentantenversammlung gestern endlich zur Beratung des Statuts; selbstverständlich suchte man sich zunächst über die allgemeine Prinzipienfrage, wonach das Statut festzustellen sei, zu verständigen. Allein, die schroff divergirenden Ansichten der Parteien zeigten bald, daß eine allgemeine Verständigung zu erzielen unmöglich sei. Während die religiöse Partei auf ächt orthodoxem Standpunkte sich befindet und nach diesem das Statut abgefaßt haben will, ist die andere Partei baar aller religiösen Anschauung und möchte ihre Indifferenz in religiösen Dingen zur allgemeinen Geltung bringen. Doch ist Aussicht, daß die Majorität für das religiöse Prinzip sich entscheiden wird. Hamburg, den 6. Mai. Eine Trauerkunde durchflog gestern mit Blitzesschnelle unsere Stadt 2171 *?82'O '2112 l"7I2 7>"wp2 812O -U2 ^11)71 1182.1 7N2 '2L1'2 ,12' 2"17I2 71121^21 2722 7>'2 7I"271P2 712' 'N 2"7> P22> 7121 IL'112.1. War man auch schon lange durch das langjährige Leiden des Mannes auf diesen großen Verlust vorbereitet, so hat doch die Kunde von dem Hinscheiden dieses an Gelehrsamkeit und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Rabbi alle Gemüther tief, sehr tief ergriffen. Die Liebe, welche derselbe während seiner löjährigen Amtsthätigkeit als Klausrabbiner sich hier erwarb, gab sich besonders bei der heute stattgefundenen Beerdigung kund. Jeder, der je nur während dieser Zeit mit dem Verstorbenen in Berührung kam, verließ seine Berufsgeschäfte und kam, um dem Hingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Ein großes Gefolge begleitete ihn zur Ruhestätte. Im Sterbehause hielt sein Freund und Genosse i".i2 ^111.1 217, ,"ii mp'b-r einen 122.1. Auf dem Friedhofe sprach nach dem Gebete 2'27> 112.1 unser ehrwürdiger Rabbiner Worte, die vom Herzen kamen und zum Herzen drangen. Kein Auge blieb thränenleer, als er in begeisterter Weise die hohen Tugenden, besonders die große Gelehrsamkeit des Verblichenen schilderte. Bezeichnend waren die Worte des Redners, womit er besonders den Verlust eines solchen iiiTi bin für unsere Zeit charakterisirte. Sonst, als das Thorastudium. noch Gemeingut für alle Israeliten war, konnte man bei dem Hinscheiden großer Männer sich mit dem Ausspruche trösten lvvV.i «21 VQw.i niii, die eine Sonne , geht unter, die andere auf; jetzt aber, wo dasselbe nur von Wenigen gepflegt wird, ist der Verlust eines solchen großen Mannes unersetzlich. Gerne möchten wir noch mehrere kernige Bemerkungen aus dieser Rede mittheilen, wenn wir nicht befürchteten, die Grenzen einer Correspondenz zu überschreiten. Nach dem Rabbiner sprach der hier als Prediger sehr beliebte 21.1 i"i^ j"i 2p'b2v-u i"7>2. Auch er schilderte die Leutseligkeit und die neben der großen Gelehrsamkeit ausgezeichnete Bescheidenheit des Verstorbenen. Ein tiefes Schluchzen überwältigte die Zuhörer, als er denselben den heutigen Tag als den Jahrestag des Rabbi Jizchak Berneis ^>"21 nannte und so als einen zwiefachen Trauertag bezeichnet«. Möge es uns gelingen, diesen großen Verlust durch Berufung einer talmudischen Capacität zu ersetzen, besonders aber durch Bildung einer ,i2'L" das Thorastudium in unserer Gemeinde zu verbreiten. L. B. Schlüchtern in Kurheffen. In Nr. 17. Ihres geschätzten Blattes erzählt „Heoref", daß ein Lehrer im Kreise Schlüchtern p^2ri verkaufe, deren 2'7>2 nicht msr iip2, sondern aus mehreren einzelnen Stückchen zusammengeleimt und deshalb vom Herrn Kreisrabbinen Schwarzschild Hierselbst für 1122 erklärt worden seien. In Wahrheit aber bestehen jene2'N2 nicht aus einzelnen Stückchen, sondern aus einem einzigen Stücke Pergament, welches nach einem gewissen Muster geschnitten und so zusammengelegt ist, daß es ein 7>'2 P2112 ausmacht. Herr Schwarzschild hat sie aber dennoch für di22 erklärt. „Heoref" hat in seinem Berichte den Namen des Lehrers (Luß zu Sterbfritz) verschwiegen, und dies könnte dem ungegründeten Verdachte Raum geben, als ob derselbe wissentlich unächte s'^27! verkauft hätte. Dies ist aber durchaus nicht der Fall; vielmehr hat Luß schon beim ersten iwri den Verkauf eingestellt und selbst Schritte gethan, den wahren Sachverhalt zu ermitteln. Gleichzeitig erlaube ich mir auch, Ihnen einige Mittheilungen über die hiesige Synagogen - Gemeinde zu machen. Dieselbe zählt ungefähr 44—46 größtentheils vermögende Mitglieder, unter welchen die Neologie noch keinen Boden gewonnen hat. Die Geschäfte sind am Sabbate geschloffen, die Synagogenplätze vollzählig besetzt und das Leben ist im Allgemeinen jüdisch. Noch war kein hiesiger zum Militär gezogener Jüngling genöthigt, Kasernenkost zu genießen. Er wurde nöthigen Falls immer so ausreichend unterstützt, daß er für sein eignes Geld iv2 speisen konnte. Zwei Vereine sorgen für Krankenbesuch, Krankenpflege und für Leichenbestattung, und wird also der .ipi2 und iO7i gehörig Rechnung getragen. Unsre Gemeinde besitzt Synagoge, Friedhof, Badhaus und Wohlthätigkeitsvereine, aber — kein Schulhaus. Die

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