Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1865)
- Date
- 1865-05-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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288 Lei all dem ist der siebente Adar nicht als ein geheiligter Fast- oder Bußtaa für ganz Israel eingesetzt worden (M. s. O. CH. Hilchoth Taanith § 580), während sonst andere Religionsgenossen den Geburtstagen ihrer Gesetzgeber hohe Consecration und die Glorie der- Heiligkeit verleihen. Aber das eben wurzelt in der erhabenen Glaubenslehre des Juden, die nichts Heiliges neben dem unkörperlichen, einigeinzigen und ewigen Gott duldet, und all das mit religiöser Scheu von sich ferne hält, was die Reinheit ihres monotheistischen Bekenntnisses nur entfernt zu trüben vermöchte. Je größer Moses in unserer Verehrung steht, jemehr er den Menschen abgestreist und der Gottheit ähnlich geworden, um so weniger durfte ihm ein Tag im Jahre geweihet werden, damit wir unter keiner Form die Innigkeit und Heiligkeit des Glaubens von dem Schöpfer auf das Geschöpf übertragen. (Diesem Gedanken analog heißt es Al. r. x. 06: rpp'2.12 .1-112p 111X 1PP' x'vL? L'ILOÜ 12P'^2PP' .11? u. v. m. hiezu Akedah V. Porte 105. daß Gott Mosis Grab verheimlichte, damit es nicht vergöttertwerde.) Also ragt an die Erhabenheit unseres Glaubens kein Anderes heran. Und dennoch wird die Pietät, welche wir für unsere wahrhaft großen Männer bewahren, immer eine lautere und unübertroffene sein. Jacob Heinrich Löw. Aus Ungarn. (Fortsetzung.) Herr PH. hat nun in seinem Paroxysmus einen schnell vorübergehenden lichten Moment und fragt sich: „Dieses Verfahren muß doch innere Motive haben?" Er verfällt aber sogleich wieder in seinen alten Zustand, indem er sagt, sie seien die innere Unfähigkeit und die Herrschgier. — Denn es ist dies eben so wahüblthört und ohne innere Motive eine Fortsetzung der früheren Anklage; die Unfähigkeit und Herrschgier sind wieder allgemeine Laster und Mängel, die, Gott verzeihe mir meine Sünden, mindestens ebenso in den Reihen der Neologen wie in denen der Orthodoxen zu finden sind. Indem Herr PH. mit dem dem Tobsüchtigen eigenthümlichen, wüthigen Frohlocken in den wundesten Stellen seines Herzens herumwühlt, verräth er sich selbst mehr, als er seine Gegner enthüllt. Den Aerger des Herrn PH. wegen der Stellen, die manche der Neuorthodoxen einnehmen, können wir wohl begreifen und verzeihen denselben gern dem Ex-Rabbiner von Magdeburg, der gerne Obek Radlri ob tüe Ilviteä Oovxrsßatiovs otttre Lritisü Lvaxirs i. I. 1815 geworden wäre. Aber deswegen sind wir noch immer nicht die Nachahmer der Neologen. Denn ist ihnen allein die Kenntniß der Zeitbildung und Wissenschaft durch eine Offenbarung und Inspiration überkommen-, führen sie, die Helden der Reform, das Siegel im Reiche des Geistes; hat sich der Genius des Denkens und Sinnens ihnen zu eigen verkauft: so konnten wir natürlich nicht an derselben Quelle schöpfen aus welcher sie ihren Geist labten. O, des blöden Unsinnes, der thörichten Eitelkeit I In alle Kreise breitet sich das Licht der Aufklärung aus; der Physiker, der Chemiker, der Arzt, der Jurist, der Kaufmann, der Handwerker, der Landmann: Alle schreiten fort und meistens ohne Beihilfe der „Mg. Zeit, des Judenth." Nur die gebildeten Orthodoxen sind ihre Nachahmer!*) Wäre es denn nicht möglich, daß, wie Maimonides seinen ,Mors veduediva", Jehuda Hallewi seinen „Öukr!" ohne Kenntniß der neologen Literatur, wie Salomon ben Gebirol und Alcharisi bis auf Wesseli herab auch ohne die Leitsterne der ganzen destruktiven Literatur, mit welcher uns die Genossen des Herrn PH. beschenkt, mit ihren herrlichsten Werken zu Stande gekommen, auch wir sie eben so wenig nöthig hätten und uns ohne sie sehr wohl befinden könnten? Nachdem Herr PH. die Versicherung ausgesprochen, „daß es ihm Ueberwindung **) koste, diese Menschen nur anzusehen", kömmt er wieder auf die Broschüre zurück. Nun geht es los; daß sich Gott erbarme! Was der Vers, über den Gottesdienst sagt, müßte freilich zugegeben werden; Herr PH. macht aber das bekannte Künststückchen, den Vers, etwas Anderes sagen zu lassen und ihn dann für das, was er nicht gesagt, zu beschimpfen. Denn es ist nicht wahr, daß Herr K. die Behauptung ausstellt, der Gottesdienst der Reform sei ohne jede Weihe und Würde; er sagt nur und das gewiß mit Recht, die Beschränkung alles religiösen Denkens und Handelns auf den allgemeinen Gottesdienst und das passive Verhalten der Gemeinde bei demselben könne keine Rückwirkung auf das Leben haben und vie jüdisch-religiöse Gesinnung nicht begründen; ja der Mensch, das Individuum, würde zur Unselbstständigkeit herabgewürdigt. „Was die geheime n Gedanken dieser Leute ausmacht," will der strenge Herr Kritiker aus der Broschüre S. 37 errathen haben. (Fortsetzung folgt.) Die Herausgabe des „Israelit" in seinem Format aus Papier und mit Truckschwärze reizt vorzüglich den Zorn des Herrn PH., und schimpft er allen Ernstes deßhalb wegen schamloser Nachahmung. Der Corresp. **) Ist dieses offene Geständnis des Haffes nicht eines Eisenmenger sehr würdig? Riechen Sie, Herr Doktor, nicht mit einer seinen Brunner'schen Nase auch einen besonders schlechten Geruch an den Neuorthodoxen? Der Corresp. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le R ou x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottslcben in Mainz.