Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-05-17 · Heft 20 (17.5.1865) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 20 (17.5.1865)
Date
1865-05-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447213--03408-2458805
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8-0 schulpflichtigen Kinder, welche sich aus 68 beziffern p ,L1S' f2i besuchen die Stadtschule und erhalten den Religionsunterricht in einer hiezu gemietheten 9 Fuß hohen Wohnstube. Ob eine Religions- und Elementarschule den Vorzug verdiene, will ich hier nicht erörtern, sondern nur andeuten, wie mangelhaft die Gemeinde in diesem Punkte ausgestattet ist. Dieser Uebelstand ist nicht von heute oder von gestern, sondern von langer Zeit her, und hat sich dadurch empfindlich an uns gerächt, daß wir leider auch nicht Einen (von unserm würdigen Herrn Rabbinen selbstverständlich abgesehen) in unserer Mitte haben. Vielleicht «erden die frommen Gemüther angeregt, die genannten Uebelstände zu beseitigen; dann werde ich gewiß nicht verfehlen, Ihnen sofort die frohe Kunde zu bringen, wenn Sie nur dazu die Spalten Ihres Blattes öffnen wollen. *) B. Liebschütz. Dänem ark. X Kopenhagen, Anfangs Jjar. (Privatmitth.) Hier in der Hauptstadt Dänemarks bewegt sich das jüdische Leben ganz ohne Anspruch auf öffentliche Anerkennung; nichtsdestoweniger entfaltet es sich nach allen Seiten hin in einer Weise, die allen Anforderungen an eine jüdische Gemeinde — und diese sind in neuester Zeit so relativ und elastisch, daß es wohl schwer sein dürfte, sie in ein universelles Ganze zu fassen — gerecht zu werden bestrebt. Von den 8263 „Anhängern Moses", wie die officielle Sprache die Juden nennt, die in unserem Königreiche leben, kommen circa 3000 auf seine Metropole, und unter diesen sind alle Fraktionen, in die das Lager Israels getheilt, vertreten. Im Allgemeinen herrscht Wohlstand, wenn auch nicht immenser Reichthum, in hiesiger Gemeinde, und ist es kaum ein Dritttheil der oben angeführten beträchtlichen Anzahl, der zu der ärmeren, resp. nichtcontribuirenden Klaffe zählt; überdies hat auch die Nationaltugend des jüdischen Stammes, der anerkannte Wohlthätigkeitssinn, in hiesiger Gemeinde beträchtliche Factoren, die keine Gelegenheit verabsäumen, sie zur Geltung zu bringen. Herr vr. Wolf aus Darmstadt wirkt schon über dreißig Jahre als königl. dänischer Oberrabbiner, und seiner Taktik ist eS lediglich zu verdanken, daß die hiesige Gemeinde ist, was sie ist und sein soll: eine noch ungetheilte. Mußte auch Herr vr. Wolf nothgedrungen einige nicht wesentliche Concessionen machen, so waren diese Reformen ein Produkt der drängenden Verhältnisse, denen auch jeder andere als Herr vr. Wolf nolens vc^ens nachgeben hätte müssen ip rin piri und war dies, wie schon oben bemerkt, das einzige Mittel, in der Gemeinde eine Trennung *) Sehr gern! — Red. zu verhüten.*) Ist nun dennoch diesem nicht ganz vorgebeugt und hat der statns gno doch einen Privatgottesdienst provocirt, so können wir daraus um einen neuen Beweis für die Maxime ziehen, wie schwer es wird, Allen und Jedem zu gefallen, und welch" prekäre Lage es ist, in der Alternative zu schweben.**) Ein anderes charakterisirendes Moment können wir bei hiesiger Gemeinde wahrnehmen. Bei der unbeschränkten Wohlthätigkeit der Mitglieder der hiesigen Gemeinde waren dieselben bisher den hierherkommenden wnii«, meistens Polen, immer ein ergiebiges Terrain, und fanden dieselben hier immer freundliche Aufnahme und reichliche Unterstützung. Diese Theilnahme hat sich aber jetzt, wie mir versichert wird, in hohem Grade verringert; der Grund hievon ist aber nicht etwa in Gefühllosigkeit zu suchen; über derartigem Vorwurf steht die hiesige Gemeinde; hievon liefern die vielen verschiedenartigen Vereine, die hierorts bestehen, und deren Besprechung wir uns einem nächsten Referate Vorbehalten, den eklatantesten Beweis. Die Procedur und der Mißbrauch, der von Seiten der Bittsteller mit der Wohlthätigkeit getrieben worden, waren lediglich die Ursache, daß man jetzt bei Ausübung des materiellen mit mehr Vorsicht zu Werke geht, dem Gebete Vorschub leistend OI'XW Litt '122 ^)W2tt!12 .1P1L Ueber die Stellung des Judenthums dem Staate gegenüber sind von unserem Königreiche bereits mehrfache Facta mitgetheilt worden, die erkennen lasten, daß in demselben der Jude auch als Mensch lebt und geschätzt wird. Die Folgen des vorjährigen Krieges lasten jetzt in den Herzogthümern auch aus jüdischreligiösem Gebiete ihre Spuren merkbar hervortreten. Viele Gemeinden derselben besitzen jetzt auch nicht einmal einen Lehrer und werden solche und noch andere religiöse Institutionen auch noch so lange entbehren müffen, dis die Annexion (?) zu einem der deutschen Staaten entschieden sein wird. Wie es von unserer Regierung bekannt ist, daß sie in jeder Hinsicht dm Interessen des Judenthums gerecht zu werden sich bestrebt, so können wir es hier auch nur anerkennen, daß sie, als noch Schleswig-Holstein unter dänischer Oberhoheit stand, Alles aufgeboten, die Lage der dortigen Israeliten zu Heden und zu verbessern; ja, Herr Or. Wolf machte sogar im Aufträge der Behörde vor einigen Jahren eine Rundreise durch die Herzogthümer, um Anordnung zur Regulirung der Verhältnisse unserer dortigen Glaubensgenoffen zu treffen, und *) Anm. der Red.: Der Herr Corresp. scheint nicht zu misten, daßH.vr. W. in Wort und Schrift für die Reform und gegen orthodoxe Judenthum in die Schranken getreten ist; das war doch nicht „nothgedrungen"! **) Anm. der Red.: Es ist auch gar nicht nothwendig, daß ein Rabbiner Allen und Jedem gefällt, wenn er nur Gott gefällt! —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.