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Der Israelit · 1865-05-17 · Heft 20 (17.5.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 20 (17.5.1865)
Date
1865-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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287 Der Verewigte stammt aus dem Großherzogthum Posen und war früher ein reicher Kaufmann gewesen. Er war dreimal verheirathet und hinterläßt eine Wittwe, fünf Töchter und zwei Söhne. Sein Stiefsohn, einst sein begabtester Schüler, wohnt in Berlin als Kaufmann. Seine jüngste Tochter heirathet künftigen Sonntag, den 14. d., nach Memel. Er sollte diesen Tag, auf den er sich so sehr freute, leider nicht mehr erleben. S n Verlust ist für die Gemeinde wie für das gesairiwue Jrvaü ein unersetzlicher, was auch Sir Moses Montefiore in einem Condolenzschreiben an die hinterlassene Wittwe ausdrücklich anerkannte. Wir persönlich betrauern in dem Hingeschiedenen einen weisen Lehrer, einen treuen Nathgeber, einen aufrichtigen Freund. Sanft ruhe seine Asche! ^"22171. M. Almoni. Pr.-Minden, im April. Gegen das Ende des vorigen Monats wurde in unserer Gemeinde die neuerbaute Synagoge eingeweiht. Freitag, am 26. Adar, versammelte sich die Gemeinde zum letzten Male in der alten Synagoge zum andächtigen Gebete, und nachdem Minchah gebetet und vom Prediger Abschiedsworte gesprochen worden waren, wurden die Thorarollen ausgehoben und von den ältesten Gemeindegliedern im Festzuge in die neue Synagoge getragen. Nach dem hiesigen sog. „Memmerbuche" zu schließen, ist die alte Synagoge noch vor dem Jahre erbaut und demnach über 248 Jahre alt. Aus eben diesem „Memmerbuche" ersieht man überhaupt, daß Minden einst eine sehr fromme, wenn auch keine große Gemeinde war, und daß mancher;2 dort feinen Sitz hatte. Jetzt ist, wie überall, auch hier Vieles ganz anders geworden. — Von den Festfeierlichkeiten ist wenig zu berichten. Sie bestanden größtenteils aus Orgelklängen, Predigt, deutschen Chorälen und deutschen Gebeten. Die hebräische Sprache war schwach vertreten. Der Einweihungsferer schloß sich der Abendgottesdienst an. Welche Anziehungskraft der moderne Gottesdienst für die Dauer üben wird, muß die Zukunft lehren. Was uns betrifft, so zweifeln wir nicht, daß es in Minden nicht anders gehen wird, als an andern Orten, d. h. daß wenn der Reiz der Neuheit vorüber sein wird, die Synagoge den größten Theil des Jahres verwaist dastehen dürfte. Uebrigens gibt es hier noch echt jüdisch gesinnte Männer, und es würde Minden noch jetzt eine religiöse Gemeinde bilden, wenn ihm die Belehrung zu Theil würde und das Beispiel von entsprechender Stelle vorleuchtete, deren jede Gemeinde zur Erhaltung und Belebung ihrer religiösen Gesinnung und Handlungsweise bedarf. Oesterreichischer Kaiserstaat. S. A. Ujhely, 9. April. (Schluß.) Weil wir einmal von Vorrang sprechen, referire ich zugleich über den Tod des dasigen sehr reichen Nabbinen, der, weit über die Achtzig, es leicht bis zu Hundert gebracht hätte, wmn er nicht — vor etlichen Wochen — von einem plötzlichen Schreck getödtet worden wäre. Da saß er mit feinem Beth Din zu Gericht, und vor ihm standen die Parteien, zwei betagte Männer, von denen der Aeltere betrunken war. Dieser in seiner Weinseligkeit fiel über seinen Gegenpart hin und schlug ' ihn vor Rabbi und Dajanim mit einem kräftigen - Faustschlag zu Boden, worüber der Vorsitzende Rabbi! so gewaltig erschrak, daß er vom Schlag gerührt! niedersank und Tags darauf zur ervlgen Ruhe gelangte.! Friede seiner Asche! Ueberhaupt sind während der verflossenen Winter-! monate leider! (es sterben die frommen Männer alle j an den Sünden ihres Zeitalters!) mehrere Lalmudischs Coryphäen Ungarns in das bessere Jenseits hinübergegangen, von denen ich hier besonders Rabbi Sa-! bathia Diamant zu Pechy-Neudorf nenne, weil ich j ihm schon in meiner früher« Jün.stingszeit nahe ge-! standen und es mich Wunder nimmt, daß dieser wahrj Haft fromme und gelehrte Rabbi in den vielgslesenen! Blättern des „Israelit", diesem Organs der Orthol dorie, dem der Edle nun in Gott Entschlafene während seines Lebens befreundet war, bisher noch nicht eines ehrenden Nachrufs gewürdigt wurde.*) N. Sabathia, aus Trebitsch in Mähren gebürtig, besaß eine gründ-! liche Bildung, schrieb ein schönes Deutsch und ein wahr- , Haft herrliches Hebräisch, von dem auch seine Briefe! an mich Zeugniß geben können, und die ich wie ein! Kleinod mir bewahre. Er - war ein ausgezeichneter! Schüler des in dessen Geiste er! lebte und strebte. Alles aber überragte seine innige,! begeisterungsvolle Frömmigkeit und Hingebung in Gott,! die ihn eine unheilbare Krankheit viele Jahre hin-! durch mit stoischem Gleichmuth ertragen ließen; j dieser erlag er vor einigen Wochen in seinem 53. i Lebensjahre. Oie ungarische Judenheit hat in i ihm einen würdigen Repräsentanten und die Gemeinde! zu Pechy-Neudors durch seinen frühen Tod einen bei-! nahe unersetzbaren Verlust erlitten. vr<^L"2 -.->'22 >2-,'. —! Da ich aber gerade von dem Hinfcheiden edler jüdischer! Gelehrten rede, mag ich hier nicht eine Bemerkung unterdrücken, die vielleicht nicht ohne Bedeutung ist.! Unsere großen Talmudheroen haben den sieben-! ten Adar als Mosis Geburts- und Sterbetag be-! zeichnet, dieses erhabenen Propheten, der als unveri gänzliches Beispiel der Geistesgröße und des Seelenadels in der Geschichte aller Zeiten bleibt. Und uns ist er noch mehr, nachdem wir Ursache haben, in ihm den einzigen Gottesmann zu verehren, vor dessen Angesicht der Herr alle seine Güte hergehen ließ (2. M. 33, 19), und mit dem der Herr von Mund zu Mund geredet (4. M. 12, 8), und der den Ewigen von Angesicht zu Angesicht erschaute (5. M. 34, 10), und y Siehe Nr. 13, S. 180.

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