Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1865-05-10 · Heft 19 (10.5.1865) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 19 (10.5.1865)
Date
1865-05-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447193-2447212--03390-2458786
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

273 wenngleich diese Völker noch lange nicht einem Glauben huldigen. Herr Fischer hat darum auch nicht: lftt, ein Glaube, gesagt. Von dem Buche im Allgemeinen ist rühmend zu bemerken, daß es im Ausdruck sich möglichst treu an das heilige Bibelwort anschließt, dessen unübertreffliche und erhabene Einfachheit es nur selten durch saftige Phrasen, diese verunstaltenden Schönpflästerchen der neuern Rhetorik, interessant zu machen sucht. Es ist mit Sprachkenntniß und Geschick geschrieben und in seiner Totalität ein Geistesprodukt, das aus der Schule hervorgegangen ist. Deshalb können mir es bei seinem reichen Inhalte (es ist 166 S. stark) bei dem billiggestellten Preise von 46 kr. und seiner prächtigen Ausstattung allen Schulen des Vaterlandes bestens empfehlen. Für die unteren Klassen erlaube ich mir die trefflichen Lmp des Herrn Nosenmeyer (von mir bereits in diesen Blättern besprochen) hier nochmals lobend in Erinnerung zu bringen. Ferner finde ich am Ort, der ausgezeichneten Dichtung -^'2 2^2 meines verehrten Freundes, Herrn Rottmberg, die ich seiner Zeit ftm „Israelit" angekündigt, und die nach ihrem Erscheinen in den vielverbreitesten Zeitschriften rühmlichst Erwähnung fand, hier abermals wegen der Auszeichnung zu gedenken, die dem Verfasser von zwei der hervorragendsten Männer, von Sir Moses Montesiore und von Heren Albert Lohn in Paris, zu Theil geworden. Erfterer beehrte Herrn Notrenberg mit einem schmeichelhaften Schreiben in hebräischer Sprache, dem 4 Pf. beigeschlossen waren; von Herrn Cohn erhielt er ebenfalls eine ehrende Zuschrift mit einer Anweisung des pariser Rothschild auf 50 Francs an das Haus Rothschild in Wien. Und es ist erhebend und zugleich betrübend, daß der arme Dichter von unfern gefeierten Männern in der Fremde derart gewürdigt wird, während er mit sammt seinem Opus von seiner nächsten Umgebung völlig unbeachtet bleibt. Es ist das traurige: Nemo xi-oxlwta in pati'ia, das noch lange der Fluch unserer besten Kräfte bleiben wird. Herr Nottenberg ist, meines Wissens, seit seiner frühesten Jugend Erzieher und Lehrer, wobei er sich eine derartige Vorliebe für seinen heiligen Berus bewahrt hat, daß er selbst seine Söhne zu tüchtigen Lehrern heranbilden ließ. Nun hat er durch eine Reihe von Jahren in Varrano „geichulmeistcrt", ohne sich die Sympathie seiner Gemeinde erringen zu können, weil man des alten Mannes offene Geradheit nicht verdauen will. Er mußte auch noch die Concurrenz emes verabschiedeten Soldaten bestehen, zog aber dabei den Kürzeren, nachdem die Zahl seiner Schüler von Cours zu Cours in stäter Abnahme blieb. Noch immer gut, wenn nur dabei das tägliche Brod für die eigene zahlreiche Familie heraus erwächst. Dann haben die Lehrer hier zu Lande gegen das midi pauoi wenig oder nichts mehr einzuwendsn. Aber gewaltig schlimm steht es um den armen Schulmeister, der wie Pyrrho leere Wände lehren soll, weil das satis urru«, satm i mfttus selbst für den kärglichsten Bedarf nicht aus-! reicht. Und nachdem Herr Rottenbcrg sich auf ein solches Bekenntniß angewiesen sieht, erachte ich es als j heilige Pflicht, für denselben hiermit eine Lanze zu brechen, daß doch Jemand für den gediegenen allen Mann geeigneten Ortes intervenire, damit er nicht einem veroienstlosen „Ausgedienten" weichen müsse. (Schluß folgt.) Aus Ungarn. Auch dieNeologie hat ihreEncyclica, möchten wir mit einem vulgären Ausdruck der ' Tagesliteratur lagen. Und warum nicht? Jeder Gedankenkreis, der ein Prineip in seinem Mittelpunkte > hat, wird seiner Natur gemäß exclusiv; was außerj halb seines Bereiches liegt —denn auch auf geistigem Gebiete gibt es Grenzen — muß entweder in der einen oder andern Weise in den Kreis hineingezogen werden, oder es wird ihm jede Berechtigung abgesprochen. Die Frage wäre dann nur noch, was denn der geistige, sittliche und moralische Werth dessen sei, was eben sich als Lebens-Prinzip, Mittelpunkt und Kern dieses Reiches der Gedanken gibt? — Die „attg. Zeit. d.Judenth." bespricht im Laufe einiger Artikel „Ueber die jüngsten Bewegungen im Judenthume" in Nr. 6 und 7 die auch in diesen Blättern vielfach besprochene Broschüre „Offen und ehrlich" und nimmt hiebei Veranlassung, nickt nur die Broschüre als literari'che Erscheinung,! wegen der Mängel ihrer Auseinanoerseyung, um welche aber ihre Kritik herumschleicht, wie die Katze um den i heißen Brei, sondern auch den Vers, wegen der reli- , glösen Richtung, der er angehört, zu verurtheilen, , zu verdammen und mit den strengsten, düstersten Worten! dcr Unduldsamkeit, mit den bestimmtesten Worten, die? nur die feste Ueberzeugung und der blinde Glaube an der eigenen Unfehlbarkeit eingeben darf, zu verketzern. Es läßt wahrlich der „allg. Zeit. d. Judenih." dieser harte rigorose Ostracismus schlecht genug. Wenn der Vers, der genannten Broschüre von den Gegnern der Orthodoxie nichts Anderes verlangt als eine wahrheitsgetreue Darstellung, wenn er ausdrücklich sagt, „uns ist die Denksreiheit eines Jeden ein heiliges unantastbares Recht, aber auch untere eigene; wir verlangen keine Prohibition von Staatswegen gegen andere Lehren und Meinungen, aber wir nehmen dasselbe Recht auch für uns in Anspruch"; so will es uns bedürften, als paffe es dem Herrn Er-Nabbiner von Magdeburg sehr wenig, seinerseits so starr unduldsam zu fein. Doch zur Sache. Wie gesagt, über die Broschüre selbst sagt der Herr De. sehr wenig oder eigentlich gar nichts; dafür, daß er sie ein Pamphlet nennt, daß er den ' Vorwurf wiederholt ausspricht, sie enthalte Schimpf und Entstellungen, bleibt er jeden Beweis schuldig.! Der Verfasser, der die Fragen erörtert „Präcisirt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.