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Der Israelit · 1865-05-10 · Heft 19 (10.5.1865) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 19 (10.5.1865)
Date
1865-05-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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271 fahrungen nach den jedesmaligen Cultus - Vorstehern relativ noch die größte Rechtlichkeit in der Achtung vor dem h. Neligionsgesetze zuzutrauen ist. Zur Berathung dieser Drssenz über die Dissenzfrage wird von den Repräsentanten eine gemischte Commission von je drei Mitgliedern vorgeschlagen. Wie weit dem Wunsche nach vertrauenerweckender Oeffentlichkeit der Verhandlungen des Collegs Rechnung getragen wird , beweist ein von neologer Seite gestellter Antrag, wonach strenge Verschwiegenheit, von der nur in einzelnen Fällen eine Ausnahme zu machen ist, allen Mitgliedern zur Pflicht gemacht wird. Dieses an und für sich unzweckmäßige Verfahren (— denn wer wissen will , kann schon erfahren und erfährt leider zu viel) hat die größte aller Verkehrtheiten sanctioniren wollen, daß nämlich das Publicum im Großen als neugierig von der Sorge um leine heiligsten Interessen fern gehalten werden muß, damit über diese wenige (?) Männer zum Theil extrem neologer Richtung schalten und walten können. Merkwürdig, daß oft Neologen, die in politischer Beziehung exaltirte Demokraten sind, auf religiösem Gebiete eben so exaltirte Aristokraten sein können, und daß sie conservativ nach Erkaltung ihrer prunkenden Stellungen und Aemtchen in der Gemeinde und in Bevormundung aller Redlichen streben, die zum Theil weniger begütert, dem Senat weniger imponiren. Möchte der Senat doch wissen, daß diese Leute, die sich ihnen so conserv.mv zeigen und ihm vor den frommen Gemeindedemokraten Furcht machen wollen, nur sich und ihre destructive Neologie conserviren wollen, die Achtung vor der Religion aber von Grund aus erschüttern, daß aber, wenn je der Ausdruck „liberal", der sich häufig in Negierungskrersen unbeliebt macht, gutgeheißen werden kann, die frommen Liberalen unserer Gemeinde die wahre Freiheit erstreben. Sie sind Gegner dieses Cooptationssystems, dieser Minoritäts-Herrschaft, dieses WiUkürregnnents uno der Bevormundung, nicht nur weil die gesetzliche und heilsame Autonome der jüd.scheu Gemeinde dadurch untergraben und ein jüdisches Beamtenthum geschaffen wird, von dem der Staat, die Gemeinde, die Religion nur Schaden zu erwarten hat, sondern hauptsächlich, weil sie die ernsteste Furcht bewegt, daß durch die indirekten Wahlen der religiöw Sinn der Gemeinde nicht zur Geltung kommt und jedes religiöse Element im Keime erstickt wird. Ein Wort zum Schluß. Wir haben viel zu thun, wenn wir aus unserem Toleranztaumel erwachen und dem Fanatismus der Neologen wenigstens eine ganz mäßige Energie entgegen setzen wollen. Altona. Geehrter Herr Redakteur! Tie neuere Zeit, die sich dem wahren Judenthume so feindlich gegenüberstellt und bei jeder Gelegenheit den jüdischen Geist zu verdrängen sucht, hat es in ihren Bemühungen so weit gebracht, daß es dem suchenden Blicke des Juden schwer fällt, eine Stätte zu finden, woselbst das Wort Gottes noch rein und lauter der jüngeren Generation gelehrt wird. Um so freudiger labt sich das Auge bei'm Anblick einer Stadt, die den Fluthen der Gegenwart einen Damm gesetzt, hinter welchem echte Religiosität und gründliches Wissen ihren Sitz haben. In der Reihe der letzteren nimmt unstreitig Altona den ersten Rang ein. Was Altona den wahren Glanz aller seiner nicht genug hervorzuhebenden Vorzüge verleiht, ist die bescheidene Anspruchslosigkeit, mit welcher es vor die Oeffentlichkeit tritt. Vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der Altona von jeher zum Wohnsitz unserer machte, die wie das Wasser stets die am tiefsten gelegenen unscheinbaren Stellen aufsucht. Die ganze hiesige ziemlich zahlreiche Gemeinde ist bis auf wenige Ausnahmen von dem wärmsten Interesse für erfüllt, welches von unseren Gelehrten immer mehr angefacht und geleitet wird. Die große Anzahl ro-wii, die das Thorastudium zur Hauptober Nebenausgabe machen, bezeugen am besten die Wahrheit des soeben Gesagten. Es ist dies erstens dienern die neben ihrer ernsten Pflicht allwöchentlich den Vortrag ihres scharfsinnigen besucht. Ferner besteht eine zweite, aus über i ÖO Mitgliedern bestehende "wri, oie zwar Wohlthätigkeilszwecke im Auge hat, nichtsdestoweniger aber allabendlich eine Stunde dem „Lernen" widmet. Außerdem besteht hier eine '-i'd'ch deren Ausgabe es ist, junge Leute, die der Geschäftswelt angehören, so viel als möglich dem Lernen zu nähern. Es geschieht dies theils durch Vortrüge von 2^-ri mit ->L7'G, theils durch deutsche Vorträge, von denen namentlich letztere sich des günstigsten Eindrucks bei'm Publikum erfreuen. Schließlich ist es noch der Rashiverein, dessen Mitglieder abwechselnd und O'.vira mit Raschi's Comrnentar dnrchnehinen, ein Studium, das sich um so fruchtbarer für die einzelnen Mitglieder erweist, als der Verein einen ausgezeichneten Lehrer hat, der zugleich einer der Gründer desselben ist. Dies der Vorschub, den man dem Erlernen der rimri von gesellschaftlicher Seite bietet; doch vermißt man hierbei gänzlich das Gemaraftudium, das sich jedoch auf einer anderen Seite um so reichliHer vorfindet. Es ist dies, wie ich schon in meinem vorigen Artikel erwähnte, namentlich unseehrwürdiger Herr Ober-Rabbiner, der jeden Tag denjenigen Schülern, die schon eine gewisse Reife im Talmud erlangt und sich für den abzuhaltenven Vortrag genügend vorbereitet haben, einen bestimmten ertheilt. Dem Herrn Ober-Nabbiner zur Seite stehen die Herren Klaus-Rabbiner, die theils für die nöthige Vorbereitung zu obigem Vortrage sorgen, theils auch mit Erfolg bemüht und, die

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