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Der Israelit · 1865-05-10 · Heft 19 (10.5.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 19 (10.5.1865)
Date
1865-05-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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270 vorliegt, das System der Alterszulagen bei den Rabbinen sofort ins Leben treten zu lassen. Wenn in dieser Beziehung keine besondere Exigenz von mir eingebracht, sondern der Gegenstand nur in der Begründung zur Sprache gekommen ist, so liegt der Grund einzig und allein darin, daß nach oen Berechnungen des Ministeriums sich, auch unter Hinzurechnung des Aufwandes für diese AltersMagen kein Deficit bei der isr. Centralkasse ergeben hat, wie nach der Berechnung der isr. Oberkirchenbehörde. Ich habe aber die Frage des Alterszulagensystems ausdrücklich in die Begründung des Finanzetats ausgenommen, weil es sich hier um eine fortlaufende Ausgabe handelt, die sofort in's Leben treten soll, und weil ich davon ausging, daß von solchen fortlaufenden Ausgaben Kenntniß zu erhalten für die Ständeoersammlung von Interesse sein müsse. Probst: Ich möchte die Aufmerksamkeit des Herrn Ministers für zwei Punkte in Anspruch nehmen. Im Allgemeinen wird es bei Gelegenheit dieser Etatsposition erlaubt sein, daran zu erinnern, daß die Organisation der isr. Kirche in mannigfacher Weise von verschiedenen Seiten angefochten worden ist, daß insbesondere die Art, wie der Staat die Oberleitung in die Hand genommen hat, nach der Ansicht der orthodoxen Israeliten mit der früher hergebrachten und berechtigten Weise der Organisation dos isr. GernAndernesens nicht harmonirt. Die Rechte der isr. Oberkirchenbehörde sind so ausgedehnt, daß sie für viele Israeliten zum Anstoß gereichen, und ich glaube deßhalb, daß das Programm , welches die Israeliten in Hohenbuch ausgearbeitet haben, die Beachtung des Herrn Ministers verdient. Es wird an der Zeit sein, diese Frage im Zusammenhang mit der großen Frage über die Stellung von Staat und Kirche zur Lö'ung zu bringen und, wo ans der einen oder andern Seite zu weit gegangen ist. den richtigen Weg zu betreten. Ein anderer Punkt ist der: wir machen die Erfahrung, daß von allen ländlichen isr. Gemeinden die Wohlhabenden in Folge unseres Gewerbegesetzes sich den Srädten zuwenden. Es geht daraus ein großer Uebelstand hervor, nicht für die Städte, in welche die Israeliten i ziehen — denn diese können es sich gefallen lasten — sondern die znrückbleibmde isr. Bevölkerung kommt in die üble Lage, daß die Vermöglichen aus diesen Ortschaften wegziehen, und beinahe nur die in gedrückten ökonomischen Verhältnissen Befindlichen Zurückbleiben; für diese, glaube ich, ist eine Fürsorge ganz besonders! geboten. Ich möchte dabei aus einen weitern Punkt aufmerksam machen, der mir aus.Anlaß eines Specialfalles bekannt wurde. Aus den Judenorten in der Nähe von Heilbronn sind in neuerer Zeit eine Reihe von Israeliten weggezogen und haben sich nach Hülbronn gewendet. Bis dahin wen' der Rabbinatssitz! in Lehrensteinsfeld; da nun aber ein Theil der jüdischen Familien der Gegend nach der Stadt zog, so wurde auch der Bitte des Rabbinen entsprochen, seinen Sitz wenigstens provisorisch dort nehmen zu dürfen. Es mag dieß den Vortheil haben, daß er dadurch einem Theil der Gemeinden, die diesem Nabbinat zugetheilt sind, durch die Eisenbahn näher gerückt ist Aber wenn man auch dem Rabbinen gestattet, aus dem Ort, wo nur die Unbemittelteren zurück blieben, wegzuziehen, so müssen solche Gemeinden, so sehr herunterkommen, daß ich fürchte, sie werden späterhin für den Staat ein besonderes Objekt der Unterstützung werden. Der Gegenstand ist der Art, daß er die Stellung eines bestimmten Antrags nicht erlaubt; ich begnüge mich, die Aufmerksamkeit des Herrn Ministers darauf hingelenkt zu haben. Mniister v. Golther: Es ist richtig, daß die kleinen Gemeinden sehr wenig leistungsfähig sind, eben aus dem Grund, weil die Vermöglichen in die Stadt ziehen. Es ist dieß der Hauptgrund, weßhalb für die Schullehreraufbesterungen verhältnismäßig größere Beiträge bei den isr. Gemeinden in dem Etat vorgesehen wurden, als es bei den chriftl. der Fall ist, und ich mache darauf aufmerksam, daß, wenn die künftigen Gehalte der Schullehrer aus 400 fl. gestellt sind, 'die Leistling von Seiten der isr. Centralkirchenkaste eine noch größere werben wird, als hier in Aussicht genommen ist. Gerade die isr. Gemeinden sind durchaus solche, wo die Erhöhung auf 400 fl. eintreten wird. Ich hoffe aber dessenungeachtet, daß ein weiterer Staatszuschuß als der b-'reits exigirte nicht nothwendig sein wird. Im U-Wrigen kann ich dem Herrn Abgeordneten die Versicherung erthrilen, daß die Frage von der Reform der kirchlichen Verhältnisse der Israeliten bereits in Verhandlung ist und es sich darum handelt, die Reform im Sinne einer größeren Autonomie der Gemeinden eintreten zu lassen Präsident: Die Reihe der Redner ist erschöpft; wir schreiten zur Abstimmung. Neben dem Comisstonsantrag liegt kein weiterer Antrag vor. Wer mit diesem Antrag einverstanden ist, möge sich erheben. — Die Mehrheit erhebt sich, der Antrag ist angenommen. Hamburg, Nosch Chodesch Jjar. In den letzten vier Sitzungen war der Distenzpunkt Gegenstand der Berathung. Man entschied sich in diesem Falle für Bildung erner Commission, die aus vier Mitgliedern des Vorstandes und vier Repräsentanten zusammengesetzt die jedesmaligen Differenzen ausgleichen sollte. Das Collegium nahm den von frommer Seite hinzugefügten Antrag an, daß bei Cultus - Angelegenheiten i zwei dieser vier Vorstandsmitglieder die zwei Cultus-! Vorsteher sein sollten. Der Vorstand will indeß dies Amendement nicht genehmigen, da den bisherigen Er-

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