Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1865)
- Date
- 1865-05-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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263 schweifen lasten und hier, in der Prager Altneuschul umfing mich der begrenzte und düstere, modrige Raum. Doch auch hier konnte der Geist den Blick weit, weit in die Ferne zurücksenken, und die alten, vergangenen Zeiten und weite Strecken überschauen. Mythenreiche Gestalten aus dunkler, mittelalterlicher Zeit zogen an mir vorüber. Ich dachte daran, wie oft hier aus gepreßter Brust der verzweiflungsvolle Schrei nach Rettung zum Himmel emporstieg, wie oft der bedrängte Jude hier sein Herz vor Gott seinem Herrn ausgeschüttet: „Aus meiner Bedrängniß rufe ich zu Dir." In solche Betrachtungen versenkt, wehmüthige, andächtige, „heilige Schauer Lief in der Brust," stand ich da, als der erste Kaddisch seit meiner Mutter Tode in ear kindlich Gefühl traf und durch die Mahnung bewältigt, brach sich die bis dahin gehinderte Erfüllung einer Pflicht der Pietät durch Thränen Bahn. Ich ließ sie fließen. Sie lösten manche Dissonanz und beschwichtigten das ausgeregte Gefühl in meiner Brust. Im Vestibül sprachen gebrechliche Weiber die Mildthätigkeit an und ich gab ihnen mehr als sie hoffen konnten. Ich stieg hierauf zu dem Begräbnißplatz, hinauf zu den aufgeschichteten Menschengräbcrn. Wie viel Geschichte enthalten diese, Jahrhunderte lang aufgehäuften Schichten! Wie viel mißkanntes, mißachtetes jüdisches Wesen, wie viel Hoffen, Qual und Erlösungsdrang liegt hier begraben! Wie viel emsige Forsä ung, wie viel gottbegeistcrte Liebe, thätige, nicht blos geschriebene Menschenliebe! Da liegen sie, die adeligen Geschlechter unseres Namens, deren Wäppenadel stets nur die Anerkennung ihres hohen Geistes- und Herzensadels ist. Da liegen sie, die berühmten Lehrer, auch im Tode noch von ihren Schülern umgeben: Nicht nur die Liebe, auch die Lehre ist stärker denn Tod und ihre Flamme, Gottesflamme. Wahrlich, das ist ein heiliger Ort. LUeam und seine beiden Söhne, die Zauberer Zaunes und Znrnbres.*) Von /T.. VenÄIan. Zur Zeit, als Moses vor Pharao fliehen mußte, herrschte ein gewaltiger Krieg zwischen den Aethiopiern *) Nach Sepher hajaschar S. 69 a. f. s. — Bergt. auch Jalkut Schcmoth Nr. 166, sowie Dibre hajamirn schel Mosche (bei Jellinek: Bethhamidrasch II. 1. — Au der Stelle, wo Jellinek S. 9 Anmerk. 7 wehemith eiuschaltet, hat die russiicke Ausgabe: wajischchat becharbo. —). Ferner Josephus: „Bon den alten Geschichten" II. 5. — lieber die beiden Zauberer, besonders über ihre Namen, s. noch Menachoth 85 a. Targ. Ionath. 2. B. M. 1, 16. 7, 11. 4. B. M. 32. 33. Sohar Kl Sissa Fol. 75 a. Fol. 334. Bamidbar Fol. 78 b. u. 358. Der ^ohar läßt sie einerseits und anderseits dem Morgenlande und Armenien. Diese standen früher unter der Botmäßigkeit des Königs von Aethiopien, jetzt hatten sie sich gegen ihn empört. Darum war Kikenos, *) der König von Aethiopien, mit seinem Volke, zahlreich wie der Sand am Meere, ausgezogen, um Krieg zu führen mit den Armeniern und den Söhnen des Morgenlandes und - sie unter seine Gewalt zurückzubringen. Bei seinem j Auszuge aber ließ der König Krkenos den Zauberer! Bileam mit seinen beiden Söhnen Jannes und Jami bces zurück, um die Stadt und das gemeine Volk zu i überwachen. — Bileam und seine beiden Söhne standen vorher in hohem Ansehen am Hofe Pharao's, des Königs von Aegypten. **) Damals schon, als Moses noch ern Knäblein war, war Bileam gegen denselben feindlich ausgetreten und hatte gesucht, ihn zu verderben. So saß einmal, als Moses drei Jahre alt war, der König Pharao an seiner Tafel; ihm zur Rechten saß seine Gemahlin, die Königin Alpharoms; ihm zur Linken seine Tochter, die Prinzessin Bithia mit ihrem Pflegekinde, dem Knäblein Moses, aus dem Schooße. Bileam, der Sohn Beor's, seine beiden Söhne und alle Fürsten des Reiches saßen rings um die königliche Tafel. Da streckte der Knabe die Hand nach dem Haupte des Königs, nahm chm die königliche Krone vom Haupte uno setzte sie sich selbst auf. Als der König und die Fürsten das Thun des Knaben sahen, erschraken sie und sahen einander verwundert an. Dann sprach der König zu den Fürsten, die bei ihm zur Tafel waren: „Was sagt Ihr, meine Fürsten, hierzu, und was meint Ihr, daß diesem ebräischen Knaben deshalb geschehen soll?" — Da erhob sich Bileam, der Sohn Beor's, der Zauberer, und sprach vor dem König und den Fürslen: „Dente, o Herr und König, an den Traum, den Du vor langer Zeit gehabt, und wie Dein Knecht Dir ihn gedeutet. In Deinem Traume kam es Dir damals vor, als süßest Du auf Deinem Throne, und ein alter Mann stände Dir gegenüber, und der Alte hätte eine Wage m der Hand. Da hängte der Alle die Wage vor Dir auf und nahm alle Räthe Aegyptens und alle Fürsten und alle Großen und legte sie in dle eine Schate der Wage; in die andere Schale aber legte er ein junges, zartes Lämmchen, und siehe, das nach der Anbetung des goldenen Kalbes unter den durch die Leinten Gefallenen sein, indeß Targum Ionath. noch bei Balak sie mit Bileam sein läßt. — Jalkut Rubeni s. 81 col. e. 65, col. 6 101, col. s. 106, col. 146, col. c. — Aruch: Artikel Juchani nebst der Anmerkung von Landau. — Tanchuma Kl Sissa f. 32. col. <1. — Eanhednn 106 a. — Schcmoth rab. par. 9, f. 97 d. — Emek hamelech p. 107, col. 3, 4. Rakanat par Bcr. f. 36, col. b. — Bei Andern: Nikenos. — **) Eepher hajaschar S. 87 h. —