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Der Israelit · 1865-05-03 · Heft 18 (3.5.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 18 (3.5.1865)
Date
1865-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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255 frostigen, die Erde zur Leiche erstarrenden Winter. In dieser phantastischen Stimmung kritzelte ich folgende Zeilen in meine Schreibtafel; hier, lieber Leser, hast Du sie: An den Winter Ü02». D, stell Dein loses Treiben, Herr Winter! endlich ein: Kann dom bei uns Dein B.eiben Nicht mehr von Dauer sein. Du magst Sie Flur bedecken Mit Schnee und Grans und Nacht, Das wird nns all' nicht schrecken, Macht a!!' uns nicht verzagt — Umsonst uns alle Mühen, Umsonst Dein Widerstand. Bald mußt Du weiter ziehen In kaltes, fernes rfand. Du machst uns nicht mehr bange. O' sieh', Dein Regiment — Ihm ist nun nicht mehr lange Gewalt und Macht vergönnt. So mach' denn ohne Daumen Zum Abmarsch Dich bereit, Bereit, di ch Haus zu räumen, Wohl ist's min hohe Zeit. Postkutsche, 26. März. Anonymus. Abermals blies der Mann vom Bock sein: „Der Jäger von der Pfalz ec " und wir waren an der nächsten Post- und Bahnstation angelangt. Ein Localzug fuhr alsbald ab nach L., wo ich. nachdem ich mich eines Auftrages daselbst entledigt hatte, in einer jüdischen Restauration kurzen Halt machte. Ein iLöls-nT-ls von Glaubensgenossen hatte fast den ganzen Raum der Wirthschast mit Beschlag belegt. Ich fand da ein Sammelsurium von Fort- und Rückschrittlern. Blauen und Grünen, Sunrten und Schiiten, kurz, das Landesbanner entfaltete hier eine MenschengatLung. für welche Nabina und Nab Aschi sich zu viel Mühe gegeben haben. Wenn Göthe Recht hat, indem er sagt: „Nur die Lumpen sind bescheiden." so waren das lauter Crösusse. Gottlob l es pfiff der herannahende Postzug, der mich dieser Sippe ent- und meinem Reiseziele Zufuhren sollte. Du wirft, lieber Leser, obgleich die -NO-Nächte vorüber sind, die Frage aufwerfen: Was soll diese detaillirte, theils humoristische, theils sarkastische Reisebeschreibung zu ur.serm Thema? Ich verweise Dich, mein Werthester! auf die Erklärung Raschi's zu dem Verse 2L7v (1. B. M. Cap. 37, l) bezüglich des Gleichnisses der Perle im Sande. — Ich habe bisher Sand gesiebt und zeige Dir nun die Perle, welche ich gesunden, gesunden da, wenn Du durch Würzburg! über die Mainbrücke nach jenseit der Anhöhe, auf welj cher eine Landstraße am Saume der Festung sich hini schlängelt nach dem nächsten Orte kömmst, dessen Gehöfte! am und auf dem Berge situirt sind. — Es i st H ö chber g. Dort oben am Berge, wo fast die Straße den Ort verläßt, rechts derselben, in einem zweistöckigen stenrerl neu Hause, in der zweiten Etage findest du sie. — Tritt da ein (ziehe aber vorerst die profanen Schuhe aus, denn dieser Raum ist heilig), und sie leuchtet Dir entgegen aus einem Augenpaare, das wie oie mittägliche Junisonne Dich bestrahlt, doch nicht sengend und nicht brennend, sondern wie jenes Feuer im Dornenbuschc. leuchtend und erleuchtend, Strahlen unserer heiligen Thora. Willst Du lnu Namen wissen? Es ist Rabbiner Lazarus Ottensoser in Höchberg. Derselbe, welcher vor 30 Jahren hier emzog, vielen Slraßenschmvtz und andern antraf, harte Kämpfe auch mit dem „ Scharfschütz " s. Z. zu bestehen hatte, die O'HllQ - vergeblich suchte, einen Prediger in der Wüste, einen verlornen Posten abgab, aus Unmuth nach dem heiligen Lande auswandern wollte; Da ging aus das Siebengestirn im fränkischen Israel; sieben Rabbinate wurden in Untersrauken crcirt. Die Venus glänzte über Würzburg, Jungfran Aurora zog den Sommerwagen herbei, ein großer denkwürdiger Tag, 28. in Nisan 5600 brach au: — von hier an zählt die gesetzestreue Judenheit in Bayern eine neue Aera. — Aber auch unser Tugendheld, Herr Rabbiner Otto ns ose.r, hatte keinen verlornen Posten mehr zu stehen, die Patrouille ging nach und von Würzburg, das Losungswort war: Klein war das Häuflein der Kampfgenossen, aber tod-?Smuthig. Groß uno gigantisch der modernisirte Abfall, besten Schibolet: „Aufklärung", „Bildung" die Welt erfüllte. Diese Epidemie hatte die jüdischen Schulen ergriffen, wo man die Trinität sogar durch die drei dem Abraham erschienenen Engel zu rechtfertigen suchte. Der Jndifferentismus, gepaart mir dem Materialismus, herrschten in den Gemeinden. Die begabtere Jugend! wurde den Gymnasien und den chr. Schullehrer-Se-! mmarien zugesührt Die Mische Literatur überließ! man als Fachwissenschaft den Philologen. Talmud! und Poskim waren eine lorra incoAuitn. Diese Adl trünnigkeit, diese Verkehrtheit zu bewältigen, diesen? Leichenacker des Judenthumes in fruchtbringendes Feld umzuwandeln, die verirrten Geister auf die rechte Bahn l zu senken, ohne Jonas in Ninive, das war den! Stein des Sisiphus heben. Gottlob! es ist geschehen. — In Höchberg eine Talmudschule — in Würzburg eine TQ'w'. In Höchberg eine Vorbereitungsschule für Schullehrlinge — in Würzburg ein jüdisches Lehrerseminar; das find die Hebel zur Hebung des Judenthums, das sind deine "N '2O, o, Israel! Gehe hin und beschaue dir das heutige Profil Höchbergs, welcher fromme Geist da schaltet und waltet, ein Zion «n wiviatura, '2

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