Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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241 Vorbilde zu nehmen, und sich in Zukunft in keine fremde Angelegenheit zu mischen. Wir begrüßen mit Freuden diese Schrift, da wir darin den Anfang der so nothwendigen Meinungsklärung zwischen den Orthodoxen in Ungarn erblicken; weil wir von ihr hoffen, daß sie die zwischen den ungarischen Gesetzestreuen noch hier und da schwebenden Meinungsdifferenzen beben wird, wodurch das Judenthum an intensiver Stärke .-i"pn nur gewinnen kann. M. A. Roth. Feuilleton. Die Londoner Juden. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Hirsch Grünebaum. (Fortsetzung.) Wir müssen uns jetzt einem anderen Zweige jüdischer Wohlthätigkeit zuwenden, einem noch erhabeneren, als die Behandlung der fremden Armen ist: wir meinen die Freischulen. W r wollen nur die zwei größten ins Auge fassen: die Schulen in Dell Laue und die beinahe daransloßende in der Commercial-Street, im Stadttheile Whitechapel, denn es ist unmöglich allen die gebührende Anerkennung zu zollen. Ich kann jedoch versichern, daß es viele andere gibt, die in ihrer vorzüglichen Einrichtung den genannten vollkommen zur Seite gestellt weroen dürfen, wenn auch ihre Schülerzahl nicht so groß ist. Die Großartigkeit dieser zwei Schulen wird vielleicht manchen Leser in Erstaunen setzen. Dre Erste, eine Kleinkinderschule, hat 700 Srtüler. Das Gebäude, dessen Baukosten lediglich mit wohltätigen Beiträgen bestritten wurden, ist bas größte und für eine Schule geeigneteste, welch s ich je gesehen habe. Bessere Ventilation und passendere Einrichtungen können kaum gedacht werden Dre Zimmer sind sehr geräumig und luftig. Die Spielplätze, die überdeckt sind, sind außerordentlich grvö, un) um so größere Zeugen von der israelitischen Wohltätigkeit, wenn man den Bodenwerth in der Commercial Street in Betracht zieht. Das ganze Etablissement, sowohl die Gebäude als auch die mnere Einrichtung, lassen deutlich wahrnehm! n, wie hier in jeder Beziehung großartige Wohlthätigkeit waltete. Dreses großartige Institut verdankt seinen Ursprung den Bemühungen, dem wohlthätigen Sinn und dem guten Beispiele einer einzigen Person. Das Entstehen der Anstalt gibt den besten Beleg dafür, wie gewichtig in vielen Werken, welche das allgemeine Wohl bezwecken, der Thätigkeit einer liebevollen, energischen und gebildeten Dame sein kann Vor einigen Jahren fing eine gewisse Frl. Miriam Harris, aus einer sebr achtbaren, aber nicht reichen Familie an, einige Kinder unter acht Jahren in einem kleinen Zimmer zu unterrichten; und zwar unentgeltlich. Rach und nach nahm ihre Schülerzahl immer mehr zu. Andere Damen vereinigten ihre Kräfte mit den ihrigen zu d.m guten Wecke. Solche Werke achter Philanthropie haben sich stets eines guten Erfolges zu erfreuen. Frl. Harris fand bald, daß die Zahl ihrer Pflegebefohlenen in solchem Grade zunahm, daß ihre Anstrengungen und Mittel, selbst vereinigt mit denen ihrer Freundinnen nicht mehr hinreichend waren. Sie ersuchte nun ihre Bekannten um Unterstützung. Bei den wohlhabenden Israeliten hatte sich dieses Ansuchen, nachdem sie das Vorlheilhafte des Unternehmens geprüft hatten, der besten Aufnahme zu erfreuen So wurde Frl. Harris in den Stand gesetzt, ihren Wirkungskreis zu erweitern, bis derselbe zuletzt seine jetzige Ausdehnung e reicht hat. Frl Harris ist noch jetzt die Leiterin der ganzen Anstalt, und sie weiß bewunderungswürdig ihrer Stellung zu genügen. Ihr zur Seite stehend fungiren als Lehrerinnen Damen von Talent und Energie; der ganze Mechanismus bewegt sich in musterhafter Orcnung An dem Tage, an dem ich mir die Anstalt besah, war wegen des kalten Wetters nur ein spärlicher Theil der Schüler anwesend; dennoch müssen es mehr als 50t> gewesen sein. Alle waren außerordentlich rein, obschon die Mehrz.hl derselben in Wohnungen leben, wo es nicht sehr leicht möglich ist, auf Reinlichkeit zu halten. Die Kleider der Kleinen waren, obschon bei Vielen, sehr ärmlich aussehend, im Allgemeinen in gutem Zustande und manchmal recht niedlich. Einer der ersten Grundsätze der Anstalt ist der, daß Reinlichkeit und Nettigkeit stets beobachtet we be. - Sie hatten die verschiedenen Unterrichtsgegenstände recht gut erfaßt. Srngen schien ihre Lieblingsbeschäftigung zu sein. Verschiedene kleine Hymnen sangen sie Mit recht vielem Takt. Nicht wenig wurde ich überrascht, als ich die kleinen Staatsbürger das „Ooä «avs rlis Hasenmtt überraschender Vollkommenheit singen hörte. Als ich diese Bemerkung dem Frl. Harris aussprach, sagte sie mir, daß das Comite besondere Sorgfalt darauf verwendet w ssen wolle, dem Gemüth der Kinder schon im frühesten Lebensalter das Bewußtsein ihrer englischen Nationalität beizubringen. Ebenso erfreut war ich, bemerken zu können, daß keine übermäßige Furchtsamkeit und Aengftlichkeit in dem Benehmen der Kinder gegen Frl. Harris zu erblicken war. Sie schauten vielmehr zu ihr empor, wie zu ihrer Feeundm, und waren sichtlich vergnügt, wenn sie unter ihnen e; schien. Die Ettern der Kinder sind wo möglich verpflichtet, per Woche einen Penny (3 kr.