Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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242 rh.), als Schulgeld zu entrichten. Trotz des geringen Betrages erfolgten die Zahlungen dennoch sehr unregelmäßig, woran weniger Unredlichkeit, als großeArmuch die Schuld trägt. Nichtsdestoweniger erhalten die Kinder zwei Mittagessen in jeder Woche, welches zwar einfach, jedoch kräftig und hinlänglich genügend ist. Wenn die Kinder das gehörige Alter erreicht haben, um versetzt zu werden, steigen sie auf in die berühmten jüdischen Freischulen in Hell Lane, welche mit Ausnahme einer kleinen Beisteuer des Staates von 166 L. im Jahre, und ungefähr 200 L. sondern Schulgeld der Kinder, ebenfalls durch Wohlthätigkeit erhalten werden. Diese Schulen liegen in einem dicht bevölkerten Distrikt, nahe der Ruck eite der Kleinkinderschulen. Sie sind im Jahre^ 1817 durch einige wohlhabende Israeliten gegründet worden; damals wurde dem Ganzen das pädagogische Princip gegenseitiger Belehrung zu Grunde gelegt, so daß 267 Knaben von einem Lehrer im Hebräischen, E glrsch, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet werden konnten. Bald jedoch stellte es sich heraus, daß, in Folge der zahlreichen Anmeldungen von Zöglingen das Gebäude viel zu klein war; ebenso war das Bedürsniß für eine ähnliche Mädchenschule fühlbar geworden. Das Gebäude wurde darum erweitert, so daß es 6!)0 Knaben fassen konnte. Für die Mädchenschule wurde ein besonderer Flügel gebaut, wo 3(0 Mädchen in denselben Fächern, wie die Knaben, sowie in weiblichen Handarbeiten, unterrichtet werden. Das System der Unterrichtsweise ist indessen in die Methode, nach welcher ver Lehrer allein die nöthigen Anweisungen ertheilt, übergeganaen. Die Knaben erhalten emen viel umfassenderen Unterricht, während derjenige der Mädchen ebenfalls verbessert ist. Auch suchte man, ihnen für das häusliche Leben nützliche Fertigkeiten beizubringen. Im Jahre 1853 wurde die Schule zum ersten Male von eurem königl. Inspektor besucht, der sich nicht allein über die Unterrichtsweise, unv die Kenntnisse der Schüler, sondern auch über die gesunde Anlage und Ventilation der Gebäude sehr lodend aus.prach. (Fots. folgt ) wLL Mit wahrhafter Entrüstung habe ich die Schmähung eines anonymen Correspondenten über die Zustände der jüdischen Gemeinden zu Oldendorf und Rinteln aus der Beilage zu Nr. 15 des „Israelit" gelesen, und erkläre ich dieses Pamphlet in seinen allgcmeinen Auslastungen für eine Unwahrheit. Einzelne Ausschreitungen werden selbst in den frömmsten Gemeinden Vorkommen. Es ist unwahr, daß es an Sabbat- und Festtagen hier an Minjan fehlt, und dürste ein solcher Fall vereinzelt dadurch eintreten, wenn von der kleinen Anzahl der hiesigen Mitglieder vielleicht Einige derselben zur Messe verreist oder durch Krankheit vom Synagogcnbesuch abgehaltcn worden sind. — Daß in so winzigen Gemeinden, deren Mehrzahl unbemittelt rft, Wohlthätigkeitsvereine nicht gebildet werden können, wird jedem Unparteiischen einleuchtend sein; dessenungeachtet ist "DN nicht er Irschen, auch hier regen sich jüdische Herzen und Hände sül Leidende und Bedürftige, und wird sür diese nach Kräften beigesteuert. — Zur Anhörung des Gotteswortes ist die Synagoge der dazu bestimmte Ort, und würde, wenn der vom Anonymus als so gcbhrt und religiös dezeichncte Lehrer, HerrM.Löwenberg, öftere rel-g'öse Vorträge hielte, es an Zuhörern sicherlich nicht sihlen. I « L w. Gleichzeitig wird bemerkt, daß Herr Löwenberg nicht aus Pietät bierhergekommen, derselbe hatte vielmehr die Stelle in Oberkirchen fest angenommen, und zog es vor, sich um die hiesige, etwas später vacant gewordene Stelle zu bewerben.*) — Daß es in hiesiger Gemeinde weder um Haus, Schule, noch Gottesdienst so kläglich bestellt ist, — wie der angezogene Bericht besagt, — wird ein Jeder, der die Localitäten hier kennt, wissen und wird dafür schon der nächste Sabbat den eklatantesten Beweis liefern, indem 3 Knaben und 2 Mädchen als Bekenner der mosaischen Religion feierlichst eingesegnet werden.**) Somit erkläre ich den Verfasser besagten Schmähartikels als einen ehrlosen Verleumder***), und rufe ich ihm das Wort der Schrift zu: Gehe nicht als Verleumder umher, unter Deinem Volke. Rinteln, den 14. April 1865. Der Kreisvorstcher Katzeuftei« *) Anm. d. Red.: Sonderbare Logik! **) Anm. d. Red.: Soll etwa die unjüdische Konfirmation für die Religiösität der Gemeinde zeugen? ***) Anm. d Red.: Der Herr Kreisvorsteher geht hier offenbar zu weit, da er doch im Allgemeinen die Anklagen der Herren Correspondenten als berechtigt zugibt. Uebrigcns ist uns erfreulich, zu ersehen, daß der Vorwurf der Irreligiosität noch schmerzt.