Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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240 Felde ziehen zu muffen. Doch, wenn wir gegen Neologie, welche unsere Brüder wie Fieberwahn ergreift, kämpfen, bleibt uns wenigstens das tröstende Bewußtsein, daß es der alles Alte und Ehrwürdige umstürzende Geist der Zeit ist, dem zu widerstehen es in der That einem Volke, das eben dem Zeitgeiste, nach Jahrhunderte langer Zurücksetzung und Brandmarkung, seine sociale Wiedergeburt verdankt, einen Kampf verursachen muß, der nur durch wahre, aufUeberzeugung fußende Glaubenstreue zum Heile des Judenthums beendigt werden kann; uns erfüllt die zuversichtliche Hoffnung, daß wenn der Wellenschlag der jetzt wildfluthendenZeit sanfter geworden sein wird, auch jene Neuerungswuth erkalten, und der schon so oft bewährte Geist der jüdischen Religion, als der Geist aller Zeiten, auch über den Wahn der Gegenwart den Sieg davon tragen wird. Aber sehr betrübend und bejammernswerth ist es, zu sehen, wie von frecher schamloser Anmaßung, die mit dem Geiste der Zeit nichts gemein hat, ja, zu ihm im schneidendsten Widerspruch steht, Pechkränze der Zwietracht in das Heiligthum der gesetzestreuen Israeliten geschleudert werden; wie auf die Häupter derjenigen Männer, die durch ihre hohe Stellung im Judenthum ganz besonders berufen sind, den Kampf gegen die verderbliche Richtung unseres Jahrhunderts zu führen, Jnvective aus Jnvective gehäuft wird; wie unter der Aegide der Religion die Dummheit gepredigt, die Ignoranz — als solche — auf den Piedestal der Religiosität erhoben, und die Wissenschaft absolut verdammt wird. Ihre geehrte Zeitschrift enthielt bereits vor. Jahr einen Bericht über die Broschüren '22'z, und br-r O'22p,2. Nun hat derselbe Verfasser wieder einem ähnlichen Machwerke '22'p 2^> genannt, das die ersten an Lügen und schamlosen Frechheiten noch übertrifft, sein trauriges Dasein gegeben. Von dem absurden Inhalt dieser Broschüre zu sprechen, lohnt sich wahrlich nicht der Mühe. Eine Stelle will ich doch ihrer besondern Gemüthlichkeit halber hervorheben: darin spricht der Verfasser von dem todeswürdigen Verbrechen, rein deutsch (zum Unterschiede von dem Jargon, in welchem „ O'22p2 " versaßt ist) zu sprechen oder gar zu predigen; sucht nachzuweisen, daß es die Pflicht eines jeden Juden ist, einen solchen reindeutschsprechenden Verbrecher zu erdrosseln; und nun macht der Herr Verfasser das liebenswürdige Geständniß, daß, wäre nicht rcn «cv2^O2 r«'2, er selbst nicht anstehen würde, den Prediger, der in der Gemeinde von or>n d": 221O deutsche Vorträge hält (zielt auf unseren allgemein geachteten und beliebten Prediger, Herrn Fischmann, wie überhaupt die Tendenz der ganzen Broschüre ist, Zank und Hader in der hiesigen Gemeinde zu stiften), aus der geweihten Grabstätte des großen Mannes zu erdolchen. Muß nicht jeder Jude erröthen, daß ein Glaubensgenosse solche Worte sprechen kann? Uebrigens würden wir nicht diese geehrte Zeitschrift mit solchen Dingen behelligen, denn ein solches Werk commentirt sich selbst, und es zu Tode schweigen, ist besser, als den Stab darüber brechen; wenn nicht der Umstand, daß man hinter dem Rücken des Verfassers eine talmudische Autorität vermuthet, und daß man in manchen Gegenden in Ungarn, wo die Unwissenheit leider noch in üppigster Blüthe steht, der Meinung ist, daß die hiesigen „Strengorthodoxen" großentheils den Ansichten dieser Broschüre beistimmen — wie dieß auch die neologischen Blätter glauben machen wollen — dem Werke einige Bedeutung gegeben hätten. Nun ist G. s. D. dem Allen ein Ende gemacht worden. Die .-12m unserer Stadt haben eine Schrift in hebräischer Sprache (222 '222 2wi' 222*) herausgegeben, die den Verfasser entlarvt. Diese Schrift erkennt im Verfasser einen Sprößling Preßburg's, dessen Charakter seine Intentionen in keinem Zweifel lassen; 222 w2prv 22m und 2b 221, sind die schmeichelhaften Prädikate, die ihm nachgewiesen werden; die auf die hiesigen Gemeinden bezüglichen Data werden einfach dementirt. (Ein Dementi, das mehr als ein locales Interesse hat, geben wir hier in wortgetreuer Uebersetzung: „Was er sagt," (der Verfasser) daß unser Lehrer, seligen Andenkens, ein nrnn mit mendelsohn'scher Uebersetzung, zur Erde warf, auch dies ist erlogen — durch *.2O psun 222 .202 Bresove, Rabbiner zu Chust constatirt. — ES ist wohlbekannt, daß seine Wege keine derartige waren: sein Benehmen war liebenswürdig, sein Wandel mit Weisheit und nicht wie sich jene Tollhäusler geberden, und der „Knabe" schreibt.) Aus dieser Schrift geht unstreitig hervor, daß die hiesigen .22111 '2v^> (die bekanntlich zu den konservativsten Orthodoxen gehören) mit den lächerlichen Ansichten dieser Broschüre nichts gemein haben: daß sie von dem lächerlichen Unterschied zwischen dem sogenannten „Jüdisch-" und Hochdeutsch nichts wissen; daß sie es für Nothwendig anerkennen, daß die jüdischen Volksleiter eine zeitgemäße Bildung besitzen, und daß .222 p-u.2 22.2 dies einsehend, aus freier Entschließung, Herrn Fischmann als Prediger, sich zur Seite berief. Auch daS Wirken des Herrn Fischmann, sein edler Charakter, seine große über alles Lob erhabene Frömmigkeit, und seine dadurch erworbene Popularität, finden in dieser Schrift die vollste Anerkennung. Zum Schluffe wendet sich die Schrift an die hinter den Coulissen vermuthete Autorität, mit einer energischen Zurückweisung der angemaßten Hirtenwürde über ganz Israel, und mit dem wohlgemeinten Rath, sich den verewigten 222 ^>"1 2SD, dessen Testament er so unberufen, mit einer von Fanatismus gefärbten Brille, interpretirte zum *) Dieselbe lag der Nr. 16 für unsere geehrten Leser in Oesterreich bei. — Red.