Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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2S8 bemerken, daß die Munterkeit der Knabe» und deren mit sicherem Verstündniß beantwortete Fragen uns zufrieden stellten; namentlich lieferte die erste Klaffe, abgesehen von ihrer Befähigung im Hebräischen, durch ihre Kenntnisse im Englischen, Französischen und Rechnen den Beweis, daß sie den Anforderungen einer Oberklaffe jeder höheren Bürgerschule vollkommen entspricht. Ueberhaupt sind die Resultate, in Rücksicht, daß diese Anstalt erst seit einigen Jahren die verschiedenen Disciplinen in ihren Unterrichtskreis gezogen, im Ganzen als sehr befriedigend zu bezeichnen und dürfen wir hoffen, daß die Schule, wenn sie auf dieser Bahn fortschreitet, immer mehr das Vertrauen der Gemeinde gewinnen wird. Schließlich bemerken wir noch, daß die ausgeleaten Probeschriften und Zeichenblättsr sich des Beifalls des Publikums zu erfreuen hatten. Wenn es uns erlaubt wäre, einen Wunsch auszusprechen, so dürfte es für künftige Prüfungen räthUch sein, auch die Aufsatz- und andere Lektwnshefte der Schüler auszulegen, um dem Publikum ein Uriheil über die selbstständigen Arbeiten der Kinder zu ermöglichen. Preußen. Jnowraclaw. Am 3. v. M. Nachmittags bewegte sich ein großes Traucrgefolge nach dem jüdischen Friedhofe. Es galt, dem hier verstorbenen Nabb. A. S. Jaffe aus dem polnischen Grenzstädtchen Piotrkow die letzte Ehre zu erweisen. Statt der Wiederherstellung seiner zerrütteten Gesundheit, die der Dahingeschiedcne hier erwartet hatte, sollte derselbe in den schönsten Jahren seines Lebens hier sein Grab finden. Ausgezeichnet durch seltene Tugenden und eine vorzügliche talmudische Gelehrsamkeit, zählte der Verblichene zu denjenigen polnischen Nabbinen, denen auch allgemeine Bildung nicht abgeht, und die neben dem eifrigen Gesetzstudium auch der zeitgemäßen Bildung nicht abhold sind. Auf die Nachricht von dem Dahinscheiden ihres hochverehrten Nabbi's hatten sich die Vorsteher und viele sonstige Gemeindemilglieder aus Piotrkow hierher begeben, um die irdische Hülle des Verblichenen zu Grabe zu geleiten. Auf dem Friedhofe sprachen außer dem Rabbiner Herrn Pollak die Herren Littauer, Schlesinger und zwei Mitglieder der Piotrkower Gemeinde Worte des Schmerzes über den Verlust, den mit dem Wirkungskreise des Dahingeschiedenen auch das orthodoxe Judenthum beklage. (K. W.) Italien. Rom. Wie die gegenwärtige Lage der Juden in Nom ist. darüber berichtet ein Herr de Carrien in der „Opinion nationale" folgendermaßen: Die Juden müssen im Ghetto wohnen; dieser ist ein niedrig gelegenes und schmutziges Quartier, das von der Tiber olle Jahre vier- oder fünfmal überschwemmt wird. Der Ghetto ist für 1500 Personen groß genug, es wohnen aber zwischen 3000 und 4000 in demselben; zuweilen schlafen 14 Menschen Ln einem und demselben Zimmer. Der Anblick ist dann ein furchtbarer und abschreckender. Es ist den Juden nicht gestattet, in irgend einem andern Stadttheile zu wohnen, und diejenigen, welche in einem andern Quartiere sich ansiedeln wollen, werden mit ungeheuren Abgaben belegt. In allen römischen Zeitungen ward kürzlich gemeldet, daß zwei Laden im Corso geschloffen und die Maaren confiscirt wurden, weil die Polizei erfuhr, daß sie Juden gehörten, während christliche Handlungsgehilfen den Namen zur Firma hergegeben hatten. Em französischer Uhrmacher mosaischen Glaubens wurde in den Ghetto verwiesen, und nur den Anstrengungen des französischen Gesandten gelang es, daß ihm weiter nichts geschah. Noch heute dürfen die Juden nicht aus den öffentlichen Brunnen der Stadt trinken; sie dürfen keine Ländereien besitzen, ja nicht einmal solche : bebauen. Juden können in Rom keine Advokaten, Notare, Aerzte Stadtrathe werden, oder sonst ein öffentliches Amt verwalten. Ein Jude darf nicht die höheren, wissenschaftlichen Institute in Rom besuchen oder einen akademischen Grad erlangen. Unter den schlimmsten Strafen, die in der neuesten Zeit noch verstärkt wurden, ist ihm verboten, christliche Dienstboten zu halten. Ohne einen Paß darf er sich nicht vor die Mauein der Stadt wagen, und kehrt er zurück, so muß er diesen Sicherheitsbrief in die Hände des Vwars der Inquisition wieder abliefern. Noch ist den Juden untersagt, bei Strafe von 30 Kronen, mit Christen sich in freundschaftliche Gespräche einzulaffen, und hierüber hat einzig und allein die Behörde ohne Verhör zu entscheiden. — Welch ein Kulturzustand! Syrien. Damaskus. Die Juden in Damaskus sind weniger zahlreich als die dortigen Christen. Die ganze Anzahl wird auf 4630 Seelen angegeben, beläuft sich aber wahrscheinlich aus sechs bis sieben Tausend. Sie sind heute noch wie früher die Vanquiers der Stadt. Keine große Handels-Unternehmung wird ohne sie vollbracht, kein Staats-Anlehen ohne sie ausgenommen. Ihre Geschichte ist romantisch und-voll von Wechsslfällen. Nach langen Jahren der Bedrückung ist endlich ihre Lage eine bessere geworden. Die bedeutendsten jüdischen Vanquiers sind die einflußreichsten Männer in Damascus und behrrrschen die dortige Geschäftswelt so wie Rothschild die europäische. Sie leben beisammen in dem südlichen Theile der Stadt. (Gleaner.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Nedaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le N oux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz. » .