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Der Israelit · 1865-04-26 · Heft 17 (26.4.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 17 (26.4.1865)
Date
1865-04-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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236 Lehrer Apylt und ein Vorbericht yon dem Herrn Dixektpx, in dem derselbe sich zwar rühmend auSspricht über hie immer freundlicher sich gestaltenden Verhältnisse seiner Anstalt, doch aber auch die etwas laue Theilnahme, besonders der badischen Juden beklagt, die ihre Aufmerksamkeit wohl der Anstalt „zumenden" aber (mit. wenigen Ausnahmen, in besonders rühmlicher Weise der Erben des seligen Lyon Seeligniann aus Karlsruhe) dieselbe nicht thatsächlich beweisen. Es kann nicht genug betont werden, daß die gepriesene Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen sich immer mehr der echtjüdrschen Schule zuwenden möge, da ja hauptsächlich auf ihr die Zukunft des wahren Judenthums beruht; wir empfehlen daher die Anstalt des Herrn Dr Plato, allen Denen, die Herz und Sinn für solche Anstalten haben. — Carlsruhe, den 19. April. Mit großer Spannung sah man vor dem Feste der Wahl zur Erneuerung des Cynagogenrathes entgegen. Es handelte sich nämlich um die wichtigsten Interessen der Gemeinde, da die sogenannte gemäßigte Fortschrittspartei einen Neubau der Synagoge und damit einen konservativen 0) Reformgottesdienst herbeizuführen strebt. Die orthodoxe Partei entfaltete bei dieser Gelegenheit große Regsamkeit, und so hat sie denn auch unter göttlichem Beistände den Sieg errungen. Aus einem benachbarten Lande wird uns eine piquante Anekdote von glaubwürdiger Seite mitgetheilt, die wir zur Charakteristik der gemäßigten Reform hier wiedergeben wollen: Ein Rabbiner, derbem genannten Parteistandpunkte anzugehören behauptet, fühlt am Ereb-Schabbath-Hagadok Abends während des Gottesdienstes, daß der Sommer mit Macht urplötzlich her-ingebrochen ist. Cr entschließt sich daher sofort, sich einen Sommeranzug zu beschaffen und besucht zu diesem Zwecke nach dem Gottesdienste den Laden eines jüdischen Kleiderhändlers, wo er auch die sommerliche Metamorphose zu Wege bringt. Zu Hause angelangt, findet er den Barbier bereits semer wartend, da die Abfasung der Schabbat-Hagadol-Pre'igt ihm bei Tage nicht die Zeit zum Sichrasirenlassen vergönnt hatte. Da es nun bereits stockfinstere Nacht geworden, so ergreift die Frau Robbmerin ein Licht, um dem Herrn Gemahl in ein anderes, entlegenes Zimmer zu leuchten. Nachdem der Barbier sein Geschäft vollendet, setzt sich die Familie zur Sabbatmahlzeit nieder — da, o Schrecken, vermißt der Herr Rabbiner seine kostbare goldene Uhr und die noch kostbarere goldene Kette! die kann kein Anderer als der Barbiergeselle gezogen haben! Augenblicklich wird polizeiliche Hilfe rcqurrirt; eine Haussuchung bleibt zwar resultatlos, allein aus die bestimmte Aussage des Herrn Rabbiners hin, wird der arme BartLünstler verhaftet. Am andern Morgen schickt der jüdische Kleiderhändler Uhr und Kette> -die der Herr Rabbiner beim Anprobiren der Sommerkleider hatte liegen lassen. Die Unschuld des Barbiers hat sich jetzt aufs Glänzendste herausgestelll, und das Gericht erkennt ihm eine Entschädigung von 300 fl. zu. — Die gemäßigte Reform ist manchmal schon hier sehr kostspielig — was wird sie erst in der künftigen Welt eintragen? — Aus Württemberg. (Fortsetzung) Nack: Die Frage, welche der H^rr Abgeordnete der Stadt Heilbronn angeregt hat, hängt so eng zusammen mit den inneren Verhältnissen der israelitischen Consesstdn, daß hier, wo es sich von einer Gesetzgebung für die Schule handelt, diese Frage nicht zur Erledigung gebracht, überhaupt nicht behandelt werden kann, wie von dem Ministertische eben auch angedeutet worden ist. Das läßt sich allerdings nicht in Abrede stellen^ daß die israelitischen Vorsänger Dienstverrichtungen haben, welche als nü dere Meßnereiverrichtungen oder sogar als höhere Meßnereiverrichtungen kaum bezeichnet werden können. Aber es ist eben in den kir chlichen Verhällnissen der israelitischen Consession noch vieles zu ordnen — und diese Ordnung kann namentlich in Folge des neuen Gesetzes über die gemeindebürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Consession nicht lange mehr hinausgeschoben werden — daß eben auch diese Punkte nur bei den Verhandlungen über eine Ordnung der israelitischen Kirchenverhättnisse ihre befriedigende Erledigung finden werden. Wie Sie im vorigen Jahre wahrzunehmen Gelegenheit halten, ist die Frage von der Repräsentation und von der obersten Verwaltung der israelitischen Cofession noch lange nicht dahin gediehen, daß sich nur mit einiger Sicherheit vo/aussehen ließe, wie sich dieselbe gestalten könnte, geschweige, daß jetzt schon auf Fragen, welche das innere kirchliche Leben der Israeliten berühren, mit einiger Sicherheit eingegangen werden könnte. Es wird nicht fehlen, daß aus Veranlassung jener Beratungen die Verhältnisse der israelitischen Kirchenvorstandschaft, die Verhältnisse der Rnbbimn zu den israelitischen Gemeinden und die Verhältnisse der israelitischen Gemeinden zu ihnen und zu den Lehren, seien dieselben nun zugleich Schullehrer und Vorsänger, oder, seien sie nur Cantoren, — ich sage, es wird nicht fehlen, daß alle düse Fragen m Berathm g genommen werden müssen; aber für jetzt war es der Commission überhaupt unmöglich, sich näher damit zu befassen, als mit der allgemeinen Annahme, daß die Verhältnisse der israelitischen Lehrer ähnlich geordnet werden, wie die Verhältnisse der Lehrer der anderen Consessionen. Mrr selbst ist eine Reihe von Wünschen und von Beschwerden mitgetheilt worden,

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