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Der Israelit · 1865-04-26 · Heft 17 (26.4.1865) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 17 (26.4.1865)
Date
1865-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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235 Religionsschule das besondere Gewicht legten. Ueber die Zulässigkeit einer Orgel als Haupt.noment unserer Cultüsreform sind von unseren Mitgliedern Hahndorf und M. Meßner ausführliche Berichte abgefaßt, welche sich nicht allein über die Zulässigkeit sondern auch über die Anwendbarkeit der Orgel beim jüdischen Gottesdienste aufs Klarste und Erschöpfendste aussprechen. Das Resultat aller unserer verschiedensten Berathungen ergab: Das erste und dringendste Bedürsniß für unsere Ge me in de besteht in einer religiösen Vorbildung unserer Jugend, um das Herz derselben empfänglich für die Lehren unseres heiligen Glaubens zu machen. Wenn auch der Geist der Zeit es gerade uns Juden zur Pflicht macht, unsere Kinder in den profanen Wissenschaften genügend zu unterrichten, so ist und bleibt doch der Unterricht in der heiligen Schrift und der Kenntniß der Gebete, die unseren Voreltern in Freud und Leid Erbauung und Trost gewährt haben, für jeden Juden eine unabweisbare Nothwendigkeit und so haben wir wiederholt es den Herren Gemeindeältesten gegenüber ausgesprochen, daß auch wir ohne eine Reform nach dieser Richtung hin, uns nicht zur Befürwortung anderer Reformen in Cultus erklären können, zumal uns selbst Vorschläge über letzteren Gegenstand in höchst dürftiger Weise von denselben gemacht worden waren. Die Herren Gemeindeältesten haben neuerdings in einer Zuschrift vom 8 Oktober 1863, ganz im Widerspruch mit den Beschlüssen vom 29. April und vom 6. Oktober 1863, welchen sie damals freudig zustimmten, und die nach schweren Kämpfen zu Stande gekommen waren, uns aufgefordert, uns lediglich über die Orgelfrage auszusprechen, da sie (die Gemeinde-Aeltesten,) nicht einzusehen vermögen, wie beide Gegenstände, Verbesserung (?) des Kultus und Schulfrage, in einem so nothwendigen Zusammenhänge stehen, daß nicht eine selbstständige Behandlung eines jeden derselben möglich wäre. Am Schlüsse dieses Schreibens eröffnten sie uns, daß, wenn das Comite bis zum 1 Dezember d I. nicht eine, auf die Orgelfrage bezügliche Erklärung abgegeben habe, die Gemeinde-Aeltesten annehmen müßten, daß das Comite seine fernere Mitwirkung zur'Reform des Cultus abgelehnt habe und die Herren Gemeindeältesten nach ihrer eigenen Ueberzeugung in der Sache vorgehen würden. Eine Aufforderung an die Herren Gemeindeältesten bis zum 15. November d. I. eine Gemeindeversammlung zu berufen, der wir mündliche Rechenschaft über unsere seitherige Wirksamkeit ablegen können, eventuell unser Mandat zurückzugeben gedachten ist bis heute unbeantwortet geblieben und so sind wir in die nothwendige Lage versetzt, unseren verehrlichen Wählern diese Mittheilung auf diesem Wege zu machen. Indem wir dieses thun, erklären wir zugleich, daß nach unserer Ansicht: I. „Den Herren Gemeindeältesten nicht das Recht zusteht, einseitig ohne Mitwirkung des von der gesammten Gemeinde gewählten Comrte's in den Cultusceformfragen zu entscheiden und legen jedes einseitige Vorgehen in unserem und dem Namen unserer Wähler Verweigerung ein; und II. „daß, nachdem es uns durch den angegebenen Vorgang unmöglich gemacht worden ist, unseren Wählern durch die unterlassene Einberufung einer Gemeindeversammlung als solche, mündliche Rechenschaft üb r den Stand der Angelegenheiten zu geben, und nachdem unsere Wirksamkeit durch die Herren Gemeindeältesten vollständig gelähmt ist, geben wir unser Mandat, als gewähltes Comite der hiesigen israelitischen Gemeinde derselben hiermit zurück." Kassel, am l8. November 1863. Das gewählte Comite der israelitischen Gemeinde. Aus Baden. Seitdem man in neuerer Zeit die Einsicht gewonnen, daß der beste Halt des glaubenstreuen Jade thums Schulen seien, die, nach echt jüdischen Principien geleitet, in gleicher Weise die Sache des Glaubens und der Bildung fördern, sind nach dem Vorgehen der Frankfurter und Mainzer Religiousgesellschasten in manchen Orten Deutschlands solche Anstalten ins Leben getreten, um in die Herzen der unschuldigen Jugend den Samen echten jüdischen Glaubens auszustreuen, die Jugend für die Sache der Wahrheit zu gewinnen und aus ihr tüchtige , jüdische Bürger heranzubilden. — Eine solche Anstalt besitzt seit etwa 2 Jahren auch Karlsruhe in der Privatlehr- und Erziehungsanstalt des Hrn. -Ir. Plato; mit der Knabenschule ist zugleich ein Seminar für jüdische Lehrer verbunden. Nach dem uns vorliegenden Programm besuchten im Laufe des verflossenen Semesters 5l Schüler die Knabenschule und 10 Seminaristen das Seminar. Den Unterricht ertheilten außer dem Herrn Direktor noch fünf Lehrer, worunter zwei christliche. Die öffentlichen Prüfungen der Anstalt fanden am 2, 3. 4 und 5. April statt. Soweit wir wahrzunehmen die Gelegenheit hatten, fielen die Prüfungen sehr glänzend aus und kann die Sicherheit und Präcision, mit der die Schüler auf alle an sie gerichteten Fragen antworteten, nicht genug hervorgehoben werden. Besonders fesselnd war die Prüfung der Seminaristen in Talmud (Labs Llsrüab) und T'nach (Hiob), welche beide Unterrichtsgegenstände von Hrn. l)r. Plato selbst vorgetragen werden. — Mit Befriedigung dürfen der Direktor und Ne Lehrer der Anstalt aus das verflossene Schuljahr zurückblicken, denn sie können sich sagen, daß sie für das echte Judenthum in der ersprießlichsten Weife gewirkt haben. -DemProgramm sind beigegeben einige beherzigenswerthe Worte über Erziehung von Hrn.

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