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Der Israelit · 1865-04-26 · Heft 17 (26.4.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 17 (26.4.1865)
Date
1865-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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233 Mit den Ohren Ermahnung gehört, Mit dem Herzen in Frieden gejlebt: (?) Keine Zierde den Redlichen ehrt, » Als wenn er nach dieser gestrebt. Die Jnterpunetionsfehler sind nicht aufzuzählen, wir weisen auf die betreffenden Lesestücke selbst hin. Auch die Orthographie ist nicht übereinstimmend im Buche, da der Herausgeber in die Schreibart der verschiedenen Verfasser Uebereinstimmung zu bringen versäumt hat, was in einem Schulbuchs störend ist. So steht S. 9 Zeile 10 „allmälich"; S. 23 Z. 34 „allmählig": S. 231 Z. 4 „allmählich" un5 S. 118 Z. 25 „allmälig". Solche Widersprüche sind nur geeignet, ein Kind confus zu machen. — Auch die vielen Druckfehler, besonders im hebr. Text, sind störend, und müssen wir es sehr rügen, daß der Herausgeber es übersehen konnte, wie unter den im Register ausgeführten Verfassern auch der „Hakol Joducha" genannt wird! Unter der sonderbaren Überschrift: Was ist bester? (S. 14) zählt der Herausgeber eine große Anzahl von Sprüchen aus der Bibel auf, die mit dem Worte: „Bester" beginnen, deren Inhalt er theilweise durch eigenthümliche Umschreibung entstellt hat, z. B. Nr. 23, Bester die Wunde des aufrichtigen Freundes (soll wohl heißen Verwundung durch die Hand des rc.), als der Kuß des tückischen Feindes (Nach Spr. 27, 6) u. s. f. Den Segenspruch gibt der Herr Verfasser in der lächerlichen Uebersetzung wieder: „Gelobt sei Gott, der dem Hahne die Vernunft verleiht!" u. s. w. Die Grundbedeutung der Wurzel s'2 ist bekanntlich merken, erkennen, und bezieht sich auch auf die sinnliche Wahrnehmung (wieSpr. Sal. 7, 7. Hiob 23, 8). Das Vermögen, etwas zu erkennen, zu bemerken, besitzen auch Thiere, und mit demselben Jnstincte, mit welchem das Kameel in der Wüste die entfernte Quelle, die Schwalbe den nahenden Frühling erkennt, bemerkt'auch der Hahn den anbrechenden Morgen. Aber nur das Vermögen, reflectirend und selbstbewußt zu unterscheiden, welches Uriheil und Schluß voraussetzt, wird Vernunft genannt, und ist vom Schöpfer dem Menschen allein verliehen. Das wird mancher Schüler seinem Lehrer nicht glauben, denn der Landrabbiner und Schulinspector hat es ja schwarz auf weiß gegeben, daß auch der Hahn vernünftig ist. — Wenn diese kurzen Ausführungen genügm werden, den Leser und auch Herrn Or. Adler selbst zu überzeugen, daß es kein Glück für die jüdischen Schulen ist, wenn „das deutsche Lesebuch" eingeführt wird; so erwarten wir von der Ehrenhaftigkeit des Verfassers, daß er den Lehrern „keine Gewalt anthue", ja, nicht einmal — wozu seine einflußreiche Stellung ihn leicht verleiten könnte — einen moralischen Druck auf den Schulen übe, sondern die edle Selbstverleugnung besitze, das Buch freiwillig zurückzunehmen; und wenn Herr vr. Adler sich durchaus berufen fühlt, ein dem Bedürfniß jüdischer Schulen entsprechendes Schulbuch herauszugeben, — das der Vorrede nach „in sehr vielen jüdischen Schulen fehlt", also doch in andern schon vorhanden wäre — so möge er sich mit mehreren pädagogisch gebildeten, mit den Gesetzen der deutschen Sprache vertrauten Männern vereinigen, um ein besseres auszuarbeiten, das dem Volksschullehrer seinen überaus schweren Unterricht erleichtert, und dein Schüler dasjenige Maß formaler und realer Bildung ermöglicht, das dem individuellen und lokalen Bedürfniste ebenw sehr, wie den wissenschaftlichen und praktischen Anforderungen der Zeit entspricht. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Kassel, im April. Die Orgelfrage. II. (Fortsetzung. *) Wenn unser Gottesdienst den größeren Theil unserer Gemeinde nicht befriedigt, so darf man sich darüber keinesweges verwundern. Wem die hiesigen Zustände aus unfern früheren Berichten noch gegenwärtig sind, der wird sich erinnern, wie vernachlässigt die Cultur des jüdischen Wissens bei unserer Jugend und dem bei weitem größeren Theile der jüngeren Männer und Frauen in unserer Gemeinde ist. Wer weiß denn hier noch, was Judenthum heißt? wem ist die Pflichtenlehre und ihre Bedeutung, wem unser Schriftthum bekannt? wer weiß die Stellung zu würdigen oder zu begreifen, welche unser heiliger Glaube gegenüber andern Religionen der Erde einnimmt? Ist denn wohl noch ein Fünftel der Gemeinde da, welches den Pentateuch und die Gebete übersetzen kann? Was soll nun die Leute in das Gotteshaus ziehen, wo ihnen unverständliche Gebete vorgetragen werden, wo die ganze Liturgie ihrer Anschauungsweise fremd geworden, und wo sie endlich selbst das Interesse an den schönen Predigten verloren haben l Es kann uns daher nicht befremden, daß man eine unbehagliche Leere fühlt, und eine Verschönerung, eine „zeitgemäße" Umgestaltung des Gottesdienstes verlangt, eine Reform „an Haupt und Gliedern". Wer die Ursachen der Krankheit verkennt, greift zu falschen Heilmitteln; unsere religiösen Schäden soll die Orgel in der Synagoge heilen. — Es sind nun drei Jahre her, daß der Gemeinde- Vorstand es an der Zeit hielt, die vielfach angeregte *) S. Nr. 6.

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