Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1865)
- Date
- 1865-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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232 berufen wurde. Mil ihm beginnt für das religiöse Leben unserer Glaubensgenossen in Bayern und mittelbar in ganz Deutschland eine neue Epoche. Das orthodoxe Judtnthum, scheinbar besiegt und geschlagen, bewährte seine ewige, unauslöschliche Kraft dadurch, daß es Männer heroorbrachte, die den Kampf mit den neuen Ideen nicht scheuten, die ihn vielmehr muthig und kraftvoll aufnahmen und ihn unter göttlichem Beistand siegreich zu Ende führen werden. Berneis, Ettlinger, Hirsch, Löwenstein, Bamberger und mit ihnen noch viele Gesinnungsgenossen, sind die Helden des orthodoxen Judenthums einer neuen Epoche geworden. — Herr Distriktsrabbiner Seligmann Baer'Bamberger feiert Montag den 24. April das Jubiläum seiner 25jährigen Amtsthäligkeit. Schauen wir ein wenig auf das segensreiche Wirken dieses edeln und begabten Mannes zurück. Würzburg, welches im Mittelalter der Sitz einer großen und berühmten jüdischen Gemeinde gewesen war, hatte in den Zeiten der Verfolgung die Juden vertrieben, und erst in neuester Zeit unsern Glaubensgenossen gestattet, dorthin zurückzukehren. Die Gemeinde, welche sich allmählich dort gebildet hatte, neigte sich bereits der Reform zu, als Herr Rabbiner Bamberger sein Amt antrat; Beweis dafür ist, daß die kurz vorher erbaute Synagoge keinen Almemmor besitzt. Dem Einflüsse dieses würdigen Seelenhirten gelang es, die Verhältnisse in W. derart zu gestalten, daß es heute für eine jüdische Mustergemeinde gelten kann. Denselben Einfluß übte Herr Rabbiner B. zunächst auf seinen Distrikt, dann auf die ganze Provinz Unterfranken, wo wahrhaft jüdischer Geist und echte Frömmigkeit wie nirgendwo in Deutschland walten. Einen noch größeren und weitergreifenden Einfluß übte er dadurch, daß er in Würzburg eine jüdische Hochschule (Jeschiba) errichtete; durch die ganze Welt tragen jetzt ferne zahlreichen Schüler den Geist ihres erhabenen Lehrers, den Geist des wahrhaften Judenthums. Aber auch für das Gemeinde- und Familienleben, für Synagoge, Schule und Haus wirkte und wirkt Herr Rabbiner B. in einer Weise wie wenig Andere. Sein wvw r^r< v ist das gediegene Handbuch aller gottesfürchtigen geworden; in ähnlicher Weise wirkt sein v'rwub für die Schechitah; sein runs? ist allen gottesfürchtigen jüdischen Hausfrauen unentbehrlich. Er hat in Würzburg nicht allein eine höhere Unterrichtsanstalt für jüdische Knaben und Mädchen, er hat daselbst ein Lehrerseminar gegründet, das die segensreichsten Früchte tragen wird. Der allgütige Gott hat ihm eine edle Gattin und einen reichen Kindersegen beschieden: er hat sechs Söhne für die Thora und nur für die Thora erzogen, und sich Schwiegersöhne gewählt, die im gleichen Sinne leben und wirken. Welch' ein segensreiches Leben, welch' eine wunderbare Wirksamkeit l Wodurch sind all' diese großartigen Erfolge möglich geworden? Durch den edelsten, reinsten, unbestechlichsten und uneigennützigsten Character, durch den unermüdlichsten Fleiß, durch die unbegrenzteste Menschenliebe, durch den heiligsten Glaubensmuth und den feurigsten Glaubenseifer. Sage Einer, daß es unserer Zeit an Männern gebricht, 'iw mru -o-, s'x wahrlich, ein Zeitalter ist nicht verwaist, das solche Männer hat. Der Hinblick auf ihr Leben und Wirken gewährt uns Muth und Hoffnung. Möge der allgütige Gott dem ehrwürdigen Manne das Glück geben, noch eine lange Reihe von Jahren zum Heile des Judenthums so zu wirken wie bisher. Ein Lesebuch für jüdische Schulen. (Schluß.) So heißt es in einer metrischen Uebersetzung des (S. 18): O Herr der Welt, der Du geschaltet, Eh' noch ein Wesen ward gestaltet Da auf Dein Wort das All erstand, Da ward'ft zum Kön'ge Du ernannt. (!) Nach dem Muster der bekannten Reime in dem alten ruiari dichtet Herr I)r. Adler (S. 1)1): Gleicher Gesinnung im Glück und Unglück sein, Stürmisch im Kampf und mit Freuden wie Sonnenschein, Milde bei Hoheit und Eifer nach Gottes Wort Ist der Charakter der Edlen an jedem Ort. Ein Musterstück in Hinsicht der Metrik, des Nythmus und des Gehaltes ist folgender „weiser Spruch": Verschiedener Umgang. Sohn, die Freundschaft mit dem Bösen, Mit Gleich giltigen und Guten, Sei Dir ja nicht einerlei. Ein Tropfen Regenwaffer Fiel auf ein glühend Eisen Und war nicht mehr. Es fiel auf eine Blume Und glänzt' als eine Perle, Und blieb ein Tröpfchen Thau. Es sank in eine Muschel Zur segenreichen Stunde Und ward zur Perle selbst! Noch abgeschmackter in der Form ist folgende Dichtung (S. 92): Lebensart. Mit dem Haupte zum Lehrer gesenkt, Mit dem Munde die Wahrheit gesagt, Mit den Händen das Beste verschenket, Mit den Armen zum Kampf sich gewagt,