Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1865)
- Date
- 1865-04-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Re. 16 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon denzen. Italien. Signor Artom, der erste Sekretär der italienischen Gesandtschaft zu Paris, ist nicht der einzige Jude im Dienste des Staats. Der E. I. erwähnt einen anderen Religionsgenossen, der im Ministerium des Auswärtigen angestellt ist, und bei seinem großen Talente eine glänzende Karriere machen wird. Er ist Advokat, ein geborener Turnier, Namens Giacomo Maloano. Kürzlich wurde ihm vom König von Holland, in Anerkennung seiner Verdienste um den Abschluß des Handelsvertrages zwischen Holland und Italien, der hauptsächlich durch ihn' vermittelt wurde, ein Orden verliehen. — Herr Felix Otteelenghe, einer unserer Glaubensgenossen, zeichnet sich besonders durch seine Begeisterung für unsere Religion rühmlichst aus. Vor Kurzem erbot er sich, 2000 Lire unter die ersten vier Jünglinge, die sich den Titel Rabbi (die Chaber) erwerben, gleichmäßig zu vertheilen. Kurz darauf bestimmte er dieselbe Summe als Prämie für zehn Personen, die sich zunächst zu Mohalim ausbilden werden (E. I ) Dänemark. Aus der letzten Volkszählung in Dänemark ergibt sich, daß daselbst 18,603 Personen leben, welche nicht der Staatskirche angehören. Unter diesen befinden sich 8263 Juden, oder vielmehrAnhänger Moses", wie sie in der osficiellen Sprache genannt werden. Ionische Inseln. Corfu. Ein Reisender berichtet, daß ein Drittel. der Bevölkerung Corfu's, die 18,000 Seelen zählt, Juden sind. Die ärmere Classe der Israeliten lebt in einem Ghetto und zeichnet sich durch ihre blaue Kleidung aus. Ihre Gesichtszüge tragen nicht so sehr das Gepräge des jüdischen Typus, wie diejenigen der Hebräer in andern Ländern. Auffallend ist es, daß fast alle Hafen- und Polizeibeamte Juden sind. Der größte Theil derselben gehört jedoch dem Handelsftande an. Feuilleton. Die Londoner Zuden. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Hirsch Grünebaum. (Fortsetzung.) Der nächste Fall lieferte einen gläuzenden Beweis für die Mildthütigkcit, selbst unter der niederen Klaffe der Londoner Juden. Der Bittsteller, ein preußischer Jude, mar ganz blind, und wurde durch das Kind eines der Bewohner des Hauses, in dem er wohnte, geführt. Es war sein erstes Erscheinen in Devonshire-Square, und er ließ den Verein wissen, daß er sich schon mehrere Wochen in England aufhalte, und daß er gänzlich verlassen sei Auf die Frage, wie er sein Leben unterhalten habe, sagleer, daß die armen Juden in der Petticoat-Gasse eine Sammlung zu seinen Gunsten veranstaltet Hütten, und daß er von den Pfennigen, die sie dazu gesteuert, wöchentlich ungefähr acht Schillinge erhalten habe. Unter den vielen anderen Fällen, die verhandelt wurden, will ich noch, einen erwähnen. Ein außerordentlich schönes Mädchen, im Alter von ungefähr vierzehn Jahren, erschien für seinen Vater, der sich in großem Jammer j befand. Auf die Frage, warum sein Vater nicht selbst! gekommen sei, erwiederte cs, daß er seine Mutter, die > sehr krank darnieder läge, pflegen müsse. Nachdem! man es noch gefragt hatte, nnlche Schule es besuche, wurde es mit dem Bemerken, seinen Vater herzu-! schicken, entlassen. Nicht lange darauf kam derselbe. Gleich bei seinem Eintritt wurde er darüber, daß er seine Tochter Abends ohne Begleitung über die Straße gehen ließe, zurechtgewiesen; es wurde ihm gesagt, daß er für die Folge aus keine Unterstützung rechnen dürfe, wenn er nicht persönlich erscheine, und daß es für einen Vater unverantwortlich sei, seine Tochter während der Nacht ohne Beschützung ausgehen zu lassen- Nach dem Schluffe der Sitzung setzte mir der Präsident, Herr Alex, auseinander, daß das am häufigsten angewandte Mittel, arbeitsfähige Arme zu un-! terstützrn, in dem Vorstrecken von Darlehen bestehe.! Da dies ohne Zinsen geschehe, so würde es dem - Empfänger leicht möglich,- dafür die zu seinem Tag-! werk nöthigen Materialien und das erforderliche Handwerkszeug anzuschaffen, oder kleine Artikel, die leicht verkäuflich seien, zu kaufen. Diese Versuche hätten sich bisher besser bewährt, so daß nur höchst selten ein Schuldner versäume, das Kapital zurückzuzahlen. „Seitens des Eomit^s," fahrt er fort, ' „wird nichts versäumt, über den Charakter des An- «>