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Der Israelit · 1865-04-19 · Heft 16 (19.4.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 16 (19.4.1865)
Date
1865-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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220 wie das Examen zeigte, bei den einzelnen Fächern mehr die tüchtige Ausbildung der Knaben für die Praxis des Lebens im Auge haben. So zeigte Herr Andorf, wie er eine schöne englische Conversation, die das VerstLndniß aller Theilnehmer bezeugte, im Stande war anzuknüpfen, auch die Fähigkeiten in der englischen Handelskorrespondenz wurden bemerkbar. In der Geographie war es namentlich die statistische Kenntniß, die das Interesse und die Bewunderung des Publikums erzielte. In der Geschichte ließ Herr Di . Häring ein Bild der französischen Revolution entwerfen, namentlich in wie weit die Zerrüttung des damaligen Finanzsystems sie hervorrief. (In der Physik wurde die Schwere der Körper und der Einfluß der Wärmeverhältnisse examinirt.) Im kaufmännischen Rechnen excellirten die Knaben wie gewöhnlich und machten ihrem Lehrer Di-. Nathan und der Schule alle Ehre. Möge diese Schule, deren Schüler auch eine schöne äußerliche Haltung und Anstand zeigten, noch lange zur Ehre der israelitischen Gemeinde segensreich wirken. Altona, im April. Ihr am hiesigen Orte ziemlich viel gelesenes Blatt, hat mich von einer un , sre Stadt betreffenden Thatsache überzeugt, die nicht nur auf dem Felde des Judenthums, sondern auch in merkantilischen Zweigen , immer mehr Grund gewinnt. Es ist die Beachtung, die man Altona in solch geringem Maße zollt. Ihr werthes Organ, das mit so schönen Erfolgen bemüht ist, seinen Lesern die Lichtpunkte unsrer öden Zeit vorzusühren, beleuchtete bis jetzt Altona im Vcrhältniß seiner Stellung im Judenthume sehr wenig. Ohne Zweifel ist es Hamburg, unsre ungeheure Nachbanstadt, die Altona in jeder Hinsicht in den Hintergrund drängt; und dies die Aufgabe dieser Zeilen, jetzt wo alle.Blicke auf die zu ordnenden Hamburger Gemeindeverhältnisse gerichtet sind, das Auge auf die bescheidene Nachbarstadt zu lenken. Um den wahren Werth dieser Stadt zu würdigen, genügt eine Umschau nach den berühmtesten Nabbinen unserer Zeit, die mit wenigen Ausnahmen hier ihre thalmudische Ausbildung erlangten. Altona, von jeher der Sammelplatz berühmter talmudischer Autoritäten, weist noch heute eine nicht unbedeutende Anzahl Männer auf, die es sich in der uneigennützigsten Weise zur Aufgabe gemacht haben, den wissensdursiigen Jünglingen, die Schatzkammer unsrer heiligen Thora zu öffnen Es sind dies namentlich die Herrn Klansrabbinen, denen unser ehrwürdiger im Dienste Gottes ergrauter Herr Oberrabbiner in rüstigem Beispiele vorangeht. Die genauere Eintheilung des hebräischen Studiums, wie es hier betrieben wird, behalte ich mir für einen anderen Artikel vor. Es sch. hier nur noch erwähnt, daß es bis jetzt dem Pflichteifer dieser treuen Glaubenswächter gelungen ist, jeden giftigen Hauch der Neuzeit von unserer Stadt fernzuhalten; wöge denselben mit göttlicher Hilfe ihre schwierige Aufgabe noch weiter gelingen. Hieraus ist ersichtlich, welch' glänzende Mittel dem Jünglinge für sein hebräisches Studium an die Hand gegeben werden. Aber auch in deutschen und sonstigen Wissenschaften steht Altona hinter anderen Städten nicht zurück, da Altona eines der besten Gymnasien Deutschlands besitzt. Jndenihum und Wissenschaft reichen sich also in unserer Stadt die Hand, so daß nur ein willenfestes Zngreifen des strebsamen Jünglings nöthig ist, um denselben in verhältnißmäßig kurzer Zeit seinem Ziele zu nähern. — Möchten durch dieses so günstig gepaarte Verhältnis dessen sich Altona erfreut, recht viele Jünglinge in Israel bewogen werden, echte Religiosität und gründliches Wissen ans der reinsten Quelle zu schöpfen. Id. 6. . Aus Unterfranken. Freilag am 24. März wurde die Prüfung des Nau'schen Knabeninstitntes zu Lcndershauscn abgehalten. Der Gefertigte wohnte derselben bei. Daß diese Prüfung ein günstiges Resultat zeigte, darüber waltete schon im Voraus kein Zweffel; daß ad er die Schüler ihrer großen Mehrzahl nach in allen Lchrgegenständen, sowohl, den hebräischen: Pentateuch, hebräische Grammatik Mischna, Talmud, als auch in den deutschen Elementargegenständcn, Realien und in den fremden Sprachen so wacker und glänzend die gegebenen Fragen schriftlich und mündlich lösten, übertraf des Gefertigten Erwartung. Einsender dieser Zeilen, selbst dem Lehrfache angchörend, hat schon reit ea. zwei Jahren einen Sohn im Nau'schen Institute. Der Knabe, eilf Jahre zählend, ist so gediehen, daß der Later dem Jnstitutsvorstande zu warmem Dance sich verpflichtet fühlt, welchen derselbe ihm am besten dadurch zu bethätigcn glaubt, daß er das rastlose himmelwärtssirebende Wirken des Instituts-Vorstandes Nau vor das Forum derOeffentlichkcit führt. Tic Prüfungsprotokolle der beiden Prüsungscommissäre, des Herrn Distrikts - Rabbiners Adler aus Vurgprcppach und des Herrn Deean's Pöhlmann aus Rügheim, bestätigen vorstehendes Urtheil. G. Dnusbach, O.A.-Gerabron.i. Vermöge höchster Entschließung vom 2. März d. I. haben Se.K. Majestät dem israel. Vorsänger und Neligionslehrer Nördlinger hier aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die silberne Verdienstmedaille gnädigst zu verleihen geruht. — Seit 1828 ist dieß der erste Fall, daß ein jüdischer Neligionslehrer, der nicht zugleich Schullehrer ist, eine öffentliche Auszeichnung erhält.— Mit aufrichtigem Gefühl wurde deßhalb auch der Geburtstag des Königs am 6. März d. I. in allen Sy-

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