Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1865)
- Date
- 1865-04-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SIS Wenn in der Correspondenz Nr 11 und 12, die einen etwas großen Umfang erhalten hatte, einige Punkte verdienten, erwas besser herausgestellt zu werden, da bei diesen es besonders erwähnt werden muß, wie der Berichterstatter überall nicht seine subjektive Ansicht ausspricht, sondern nur der Meinung des größeren Theiles der Hamburer Bevölkerung hier öffentlichen AuSruck gibt, so könnte man Folgendes wiederholen: Es ist ein ewig bedauernSwerther, kaum wieder zu verbessernder Fehler von Seiten vieler Frommen, daß sie, anstatt ächt fromm zu wählen, und dann vielleicht es daraufhin zu wagen, daß statt der 35 jetzt ausgetretenen, 100 ja wir wollen das Höchste annehmen, die ganze Partei „des neologen Instituts" mit vierhundert Mitgliedern, was höchst unwahrscheinlich, ausgetreten wären, und so geschlagen, den Gesetzestreuen das Feld geräumt hätten, alle Institutionen, das ganze Gemeindewesen rein den Frommen hätten concediren müssen, daß sie statt dessen, durch eine erschreckend leichtsinnige Verbrüderung Mit den Dissidenten ihre eigne Majorität im Collegium in Frage gestellt haben, und sich jetzt anschicken, mühsam ein und das andere Stückchen für sich zu erobern. Kaum sind sie überzeugt, für das Oberrabbinat die endgiltigeEntscheidung in Eheschließungs- und Scheidesällen und die Jurisdiction über die als religiösgesetzlich zu gestattende oder ungesetzliche zu verweigernde Aufnahme in die Israelitische Gemeinde zu erlangen, was doch das Mindeste wäre, was man in einer jüdischen Gemeinde voraussetzen kann. Sie haben es versäumt, der ganzen Welt ein nachahmungswerthes Beispiel zu geben, was der religiöse Sinn einer alten geistig und materiell gediegenen Gemeinde vermag und haben vielmehr unseren heiligsten Interessen die größten Gefahren bereitet. Wenn man nun nachträglich daran denkt, da der begangene Fehler nicht mehr gut zu machen sei, irgend welchen veränderten Zustand zu schaffen, so bleibt wohl nur, um das Gewissen rein zu halten, nachdem man bereits der neologen Minorität so enorme Concessionen durch die Wahl selbst gewährt, der einzige Weg übrig, wenn nur irgend möglich, den bisherigen Zustand im Sinne der heiligen Lehre zu modisiciren und der Autorität des Schulchan Aruch, wenn nicht eine superiore, wie es der gesunde Normalzustand einer jüdischen Gemeinde fordert, mindestens eine coordinirte Stellung den Bestimmungen des Vorstandes gegenüber zu sichern. Eine große Verantwortung aber übernimmt man, wenn man neue Zustände schaffen will, die einerseits die bisherigen Uebelstände nicht ganz beseitigen, anderseits aber Gefahren bringen können, deren Tragweite nicht zu übersehen ist. Wir haben z. V. die Neugestaltungsbroschüre im Auge, die außer der an und für sich gefährlichen Theorie, der Trennung des Cultus von der Gemeinde im Einzelnen bedrohliche Punkte enthält, z. B. ß. 2^, der der Bildung weiterer Cultusgememden innerhalb der Gesammtgemeinde Vorschub leistet, also den Begriff der ehrwürdigen Kehillah zu dem der Zusammenreihung verschiedener Ehebroth herabsetzt. Zum Glück läßt sich erwarten, daß die Warnungsstimmen in den Sitzungen sich mit Erfolg hören lassen und auf die unendliche Tragweite jedeneuen Beschlusses und der Schwere der Verantwortung Hinweisen. — Wie 5. an hört, ist die Elite der jüdischen Damenwelt Hamburgs in ThätigkeLL, um Herrn Carl Heine als Anerkennung seiner Verdienste für die Erhaltung seines Krankenhauses in echt jüdischem Sinne eine kostbare Stickerei zu arbeiten. Der Ton der hiesigen Gesellschaft ist namentlich in diesem Winter ein sehr anregender gewesen. Während auf der einen Seite die Konversation ihren Ausgangspunkt, in dem regen Interesse für das Gemeindewohl fand, war es erfreulich zu sehen, wie vielfach Abenderheiterungen bei Gelegenheit von O'vvO stattfanden, die hiesige Privaten bei ihrem regelmäßigen Gemorohstudium feierten. In unserer Nachbarstadt Altona feierte die Fleischchebrah, die ihren Namen von dem wohltätigen Zwecke der Fleischvertheilung erhalten, bei Gelegenheit ihrer 50jährigen Stiftungsfeier einen vi'O auf s'-' der, äußerlich prunkvoll, noch durch die Anwesenheit und lehrreiche Unterhaltung des Herrn Oberrabbiners, sowie durch die Reden des Lehrers des Vereins Herrn Rüben Cohen, des Herrn Klausrabbiner I. Holländer und der Herren S. Renner und I. Cohen aus Hamburg, besonderen Werth erhielt. In den letzten Tagen erregen die öffentlichen Schulprüfungen das Interesse des gebildeten Publikums und namentlich unsere Talmud Thora hat ihren guten Ruf dieses Jahr glänzend gerechtfertigt, wie dies sogar alle öffentlichen Blätter anerkannten. Während Herr vr. Nathan die Tenachkenntniß der Knaben verbunden mit gründlichem sachlichen und grammatikalischen Verständniß darlegte, Herr Strauß die Gewandtheit der Anfänger im Pentaetuch und der biblischen Geschichte vorführte, zeigten die Fachlehrer der Anstalt, für deren gediegene Auswahl der Ephvrus öffentlich gelobt wurde, wie die Schüler in allen Disciplinen die schönsten Resultate erzielt hatten. Wenn in dieser Anstalt mehr als in jeder anderen die religiöse und moralische Reife der Zöglinge durch ein eingehendes, fleißiges Studium des jüdischen Schriftenthums gefördert wird, so kann man,