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Der Israelit · 1865-04-19 · Heft 16 (19.4.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 16 (19.4.1865)
Date
1865-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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216 traurigsten Verirrung und Verfinsterung des Geistes preisgegeben und die echte Civilisatiou, die wahre Gesittung und Veredelung der Menschen nie durchgedrungen wäre und sich nimmer Bahn gebrochen hätte. Ist aber die positive Religion dem wahrhaft Aufgeklärten die höchste Aufklärung, ein Ausfluß der Weisheit vom Allweisesten, so sind und müssen ihm ihre Lehren der allein berechtigte Ausweiser, die allein gültige Richtschnur sein, um in allen Dingen des Lebens zu entscheiden haben. Und nur durch Israel, das Gott Sich als Empfänger und Träger der göttlichen Offenbarung, der positiven Religion auserwählt hat, ist das hellste und reinste Licht angezündet worden allen Nationen, das ihnen heute schon leuchtet und einst noch strahlender leuchten wird, wenn alle Irrlichter geschwunden und Alles verwirklicht sein wird, was sie, die positive Religion, verheißt. Diese Gotteswahl sollte die Israeliten alle ohne Ausnahme beseelen mit dem edelsten Stolze, der, demüthig und dankbar, darin seinen Ruhm sucht, der Gotteslehre zu folgen; sie, die ihr Lebenselement ist, die sie groß und welthistorisch gemacht, nie und nie zu vernachlässigen; der hohen Lebensaufgabe, die Israel geworden: durch das reine Licht der positiven Religion eine Leuchte zu sein allen Nationen, — dieser hohen Lebensaufgabe, um deretwillen Israel nicht untergegangen mit den alten Völkern und nicht untergeht, sollte Jeder der Israeliten eingedenk sein, um durch sein Beispiel in allem Guten und Edlen ein lebendiger Zeuge zu sein von der Herrlichkeit des Einzigen, Ewigen, Seiner Allmacht, Allweisheit und Allliebel — Statt aber dieser seiner hohen Bestimmung zu leben, hat leider von je ein großer Theil der Israeliten sich fortreißen lassen von der Verderblichkeit der ihn umgebenden Weltströmung und ist gewichen von der reinen, heiligen, vollkommenen Gotteslehre, durch deren Befolgung allein Israel groß, stark und weise zu sein vermochte und vermag, wie es das Wort der heil. Gotteslehre selbst sagt: „Beobachtet (die Gesetze) und übet sie aus! Denn das ist Eure Weisheit, Eure Verständigkeit vor den Augen der Völker, welche, indem sie von diesen Gesetzen hören, sagen werden : „Wahrlich, welch' weise und verständige Nation ist dieses große Volk!" O'OPO v'pb O^ru'21 O2OOÜIO tt',1 w OO'WPI OOOQLO O2N Op PO lOOtt, O^tt.O O'PNO sn Ott PPOLN Ov'tt »ONO P--12O 'VN PO51 Und was waren die jedesmaligen Folgen der Nichtbeachtung, der Verwerfung der Gotteslehre? Das Unglück und die Knechtschaft Israels, wie sie die Geschichte uns, blutig, entsetzlich, wie von keinem andern Volke, aufzählt. Weil es Gott als seinem alleinigen Herrn nicht dienen wollte, mußte es das Sclavenjoch, den Druck, die Verachtung, die blutigste Verfolgung der Nationen tragen. Un) in den jetzigen lichteren Zeiten, wo schon wirkliche Aufklärung in vielen Dingen durchgedrungen; jetzt, wo die allzu schwere Last der schmachvollsten Knechtung zu weichen begonnen, — was thut ein großer Theil in Israel?! — Statt durch seine unglücklichen Schicksale, statt durch die Geschichte sich warnen zu lassen, läßt er sich leider wiederum von dem Verderblichen der ihn umgebenden Weltsirömung fortreißen, vermeintlich Alles für Aufklärung haltend, was sie bietet, ohne die nothwendige gehörige Sichtung und Scheidung, um dadurch von der höchsten Aufklärung, die doch nur die Religion bietet, sich himmelweit zu entfernen. Viele in Israel haben vergessen, welch' hohe Ausgabe Israel geworden, und sind irre geleitet von dem Wahne, daß sie sich dadurch Ruhm erwerben, daß sie das specifisch Jüdische abstreifen, um hiedurch für aufgeklärt gehalten zu werden von Solchen, die über das Wesen und die Tendenz des Judenthums und die Bestimmung des jüdischen Stammes unaufgeklärt sind. Sie sind bethört von dem Wahn, sich dadurch dem Nichtjuden mehr nähern zu können, daß sie das sogenannte überflüssige Religiös - Ceremonielle verächtlich von sich werfen, sie bedenken aber nicht, daß bei'm Hinwegwerfen der den köstlichen Kern umhüllenden Schale auch dieser selbst beschädigt wird und zu Grunde gehen muß; siebedenken nicht, daß bei Einreihung des den schönen Frnchtgarten schützenden Zaunes der Garten selbst zertreten und verwüstet werden muß. — Und ist es denn wahr, daß man sich Achtung bei wirklich Aufgeklärten und Wohlgesinnten andern Glaubens durch Geringschätzung der durch den eigenen gebotenen Pflichten und Gebräuche erwirbt? Ist es wahr, daß die Befolgung religiöser Gebräuche und Sitten, wenn diese durchaus nichts Verderbliches für die Menschheit haben, gesittete Menschen einander entfremdet, und ist es die Nichtbeachtung solcher Sitten, die Jene einander nähert? Das Urtheil des wahrhaft Aufgeklärten wird verneinend lauten. Es ist vielmehr der Geist der Toleranz, des Friedens und der echten Menschenliebe, welcher die Menschheit in schönster Harmonie verbindet. Daß Israel von der Zeit des Aufhörens der aüzugroßen Knechtung an dem Guten, das die Zeitrichtung vielfach bietet, z. B. an dem Aufschwung der Wissenschaften, Künste, Gewerbe und Industrie, sich bestrebt hat, Theil zu nehmen — ist nur zu loben. Daß aber ein großer Theil, angelockt durch die Anerkennung und Auszeichnung großer Männer, in allen andern Dingen ausschließlich und nur nicht in seinem Lebenselemente sich zu vervollkommnen strebt; daß er vor allen andern Bestrebungen gar seiner hohen Bestimmung vergißt; ja daß, was noch weit ärger, Viele in Israel, nichts Höheres kennend und wollend, dem

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