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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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810 chlachten, esten und trinken, und diesen Vers in der Freude Deines Herzens auf Dich selbst anwenden." — Zn Raba hingegen: „Du wirft, voll Kummers über erlittenen Verlust, schlachten und nicht essen, herbsten und nicht trinken, und zu Deiner eigenen Aufmunterung, um Deinen Kummer möglichst zu brechen, den Vers Dir zurusen; aber umsonst." — Wieder kamen sie und sprachen: „Wir lasen im Traume den Vers:6) „„Viel Samen wirst Du auf's Feld hinausführen."" — Zu Abaja sprach er: „Die erste Hälfte des Verses gilt." Zu Naba hingegen: „Du mußt den Vers zu Ende lesen: „Doch wenig einsammeln."" Dann kamen sie wieder und sprachen: „Wir lasen im Traume den Vers: „„Und alle Welt wird sehen, daß Du nach dem Namen des Herrn genannt bist, und sich vor Dir fürchten. " Zu Abaja sprach er : „Dein Namen wird sich weithin verbreiten und von Jedermann hoch verehrt werden." „Zu Raba hingegen: „Du wirst, ein so angesehener Mann Du auch bist, als Dieb verdächtigt und festgenommen werden, und um so mehr wird dadurch Jedermann in Furcht und Schrecken gerathen. —" In der Thal wurde bald darauf in die kaiserliche Schatzkammer eingebrochen, und Naba, durch eine falsche Angabe, wenn auch nur auf kurze Zeit, als Mitschuldiger festgenommen, und Alles rief: „Wenn ein solcher Mann vor Verdächtigung nicht sicher ist, was hat erst der gemeine Mann zu fürchten! —" Auch mit andern Traumgesichten als mit Bibelsprüchen kamen beide Männer zu dem Traumdeu- 1er- So sagten sie einmal: „Wir sahen jeder rm Traume einen Lattich auf seinem Munde. —" Zu Abaja sprach der Mann: „Deine Geschä'te werden sich ausbreiten wie der Lattich — Zu Raba hingegen: „Deine Geschäfte werden bitter sein wie Lattich — Und so brachten beide noch mehrere solche gleichbedeutende Träume , und immer wußte der doppelzüngige Traumdeuter für den bezahlenden Abaja eine günstige, für den bezahlenden Raba eine ungünstige Deutung. — Jetzt kam Naba ohne Abaja, um zu sehen, ob der Mann vielleicht nur vor Abaja und um Abaja's willen ihm seine Träume so übel gedeutet: doch immer noch ohne zu zahlen. Aber auch für ihn allein hatte der Träumdeuter niemals eine günstige Deutung. So: „Ich sah im Träume die Thüre meines Hauses eingefallen." — „Deine Frau wird Dir sterben. —" „Ich sah meine Backen- und Vorderzähne ausgefallen." — 5. B. M. 28. 38. — r) 5. B. M. 26. w. — „Deine Söhne und deine Töchter werden Dir sterben. „Ich sah zwei Tauben davon fliegen. —" «Zwei Frauen mußt Du nacheinander von Dir scheiden lasten — «Ich sah zwei mächtige Rübenköpfe. —" „Du hast zwei Prügel- oder Faustschläge zu verschlucken —" Gleich darauf ging Raba in den Lehrsaal und blieb den ganzen Tag dort, vielleicht um der Erfüllung der letzten Traumdeutung so am sichersten aus dem Wege zu gehen. Da geriethen zwei blinde Männer mit einander in Streit. Raba tritt dazwischen, um sie zu trennen, und beide versetzen ihm jeder einen Schlag, indem sie einander zu schlagen vermeinen, und holen aus, um wieder darauf loszuschlagen „Genug!" rief Raba, ich habe im Traume nur zwei Rüben gesehen." — Zuletzt kam Naba und bezahlte, und nun hatte der Mann auch für ihn immer eine günstige Deutung. So sprach Naba: „Ich sah eine eingefallene Mauer." — „Du wirst grenzenlose Güter erwerben. — „Ich sah Abaja's Palast eingefallen und mich vom Staube bedeckt. — „Abaja wird sterben, und seine Schule Dir zufallen — „Ich sah meinen Palast einfallen, und alle Welt Backsteine davon tragen/' — „Deine Vorträge zerstreue sich durch die weite Welt." — „Ich sah meinen Kopf gespalten und das Gehirn Herausgleiten." — „Federn gehen aus Deinem Kopfkisten hervor. „Ich sagte im Traume einen Dankpsalm her." Es wird Dir ein Wunder geschehen." Bald darauf traf es sich, daß Raba und der Traumdeuter zugleich ein Schiff bestiegen hatten. Da sagte der Traumdeuter: „Mit einem Manne, dem ein Wunder geschahen soll, mag ich nicht zu Master fahren; er könnte gerettet werden, und die Uebrigen im Schiffe untergehen. — Er stand auf, um wieder auszusteigen. In dem Augenblicke aber, als er aussteigen wollte, entfiel ihm ein Büchlein, Naba hob es auf, öffnete es, und sogleich fielen ihm an der Spitze verschiedener Deutungen der mannigfaltigsten Traumgesichte die Sätze in die Augen: .Alle Träume gestalten sich je.nach der Deutung, die ihnen gegeben, und nach dem Glauben, den dieselbe findet. — Ein Traum, der noch nicht gedeutet, gleicht einem Briefe, der noch nicht gelesen. „Bösewicht!" sagte Raba zu dem Traumdeuter, „Du

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