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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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209 hineingesetzt wird, dürfte vielleicht noch immer von dem Geiste, dem Willen und dem Ansehen des anzustellenden Predigers abhängig sein. — Vor länger als einem Jahre hat sich hier nach dem Ableben des Or. Sachs ein Verein von jüd. Studenten und Gelehrten zur Förderung jüd. Wissenunter dem Namen „Sachs-Verein" gebildet, zu dessen Präses Herrn vr. Friedländer ernannt wurde. Das Bedürfniß nach einem solchen Vereine war allgemein und mußte in der großen Welt- und Residenzstadt doppelt empfunden werden, wo es der Berührungspunkte nur wenig gibt, und wo ernste Männer auch gleichen Strebens oft unter d m großen Menschen- Gewoge verschwinden, ohne sich oft auch nur gegenseitig zu kennen. Doch schien dem Vereine Anfangs der zusammenholtende Kitt zu fehlen, der die verschiedenen Ele mente in sich vereinigen sollte, und nach längerem Hin- und Herschwanken zwischen Sem und Nichtsein war es die Hingebung des Präsidenten, die dem Vereine neues Leben gab. Jede Woche wurde eine zweistündige Versammlung abgehalten, in welcher verschiedene, exegetische und jüdisch-historische Fragen behandelt und auch vorgetragen wurde. Herr Or. Friedländer hat jetzt in London ein sehr vortheilhaftes Engangement an der dortigen Rabbiner- Schule erhalten, wodurch der Verein jedenfalls einen sehr großen Verlust erleidet. Indem wir dieser Anstalt, die im speciell jüdischen Fache sehr im Argen liegen liegen soll, zu dieser gewonnenen, tüchtigen Kraft nur gratuliren können, müssen wir doch in Rücksicht auf uns den Abgang des Herrn vr. Fr. tief bedauern. Wir werden dadurch nicht nur einen edlen Freund voll herrlicher Eigenschaften entbehren, sondern wir verlieren auch einen gründlichen Gelehrten von wahrhafter Ueberzeugstreue, dessen liebenswürdiger Umgang nur wohlthätig und belehrend wirken mußte. Hoffentlich wird man auch in England diese Kraft zu schätzen und zu würdigen wissen. F. N. Feuilleto n. Der doppelzüngige Trauindeuter. H Von -U. VeiRrU»«. Zu Pumbeditha in Babylonien, am linken Ufer des untern Euphrat, lebte im Anfänge des vierten Jahrhunderts ein Traumdeuter mit Namen Var-Jdia. Der Traumdeuter genoß einen großen Ruf und ließ sich seine Kunst gut bezahlen. Wer ihm seine Deutung zahlte, dem legte er den Traum zum Guten aus; wer ihm keinen Lohn daiür geben Wollte, dem deutete er entweder den Traum nicht oder legte ihm denselben gar zum Bösen aus. Zwei Männer, beide angesehene Lehrer au der Hohenschule zu Pumbeditha, der eine mit Namen Abaja> der andere mit Namen Raba, kamen einst zu ihm mit einem und demselben Traume. Abaja zahlte; Raba zahlte nicht. „Wir lasen," sprachen beide, im Traume den Vers: 2) „„Dein Ochs wird vor Deinen Augen geschlachtet, und Du wirst nichts davon essen!"" — Zu Raba, der ihm nicht gezahlt, sprach der Traumdeuter: „Du wirst in Deinen Geschäften einen großen Verlust erleiden und vor Herzenskumrner nicht esse» können " — Zu Abaja hingegen sprach er: „Du wirst in Deinen Geschäften einen unerwartet großen Gewinn erlangen und in der Freude Deines Herzens nicht essen mögen." — Ein andermal kamen beide Männer wieder und sagten, nachdem der eme wieder bezahlt, der andere nicht bezablt hatte: .Mir lasen im Traume den Vers: „Söhne und Töchter wirst Du bekommen, doch werden sie Dir nicht bleiben!"" — Zu Raba sprach der Mann: ,.Du hast den Vers in seinem wörtlichen Sinn zu nehmen: Deine Söhne und Deine Töchter werden Dir vom Himmel wieder genommen werden." — Zu Abaja hingegen: „Deine Söhne und Deine Töchter werden, weil sie zahlreich sind, in die Fremde sich verheirathen." — Dann kamen sie wieder und sprachen: „Wir lasen im Traume den Vers: „„Deine Söhne und Deine Töchter werden einem andern Volke hingegeben l"" — Zu Abaja sprach er: „Du wirst eine Menge Söhne und Töchter haben. Du wünschest sie mit Deinen Verwandten zu verheirathen; Deine Frau aber mit ihren Perwandten. Deine Frau trägt den Sieg davon, und so kommen Derne Söhne und Deine Töchter in die Hand eines für Dich scheinbar fremden Volkes." — So zu Abaja; zu Nal a hingegen sagte er: „Vor dem Ueberfall eines Feindes 'oll uns der Himmel bewahren! Aber Deine Frau wird sterben; Du wirst eine andere Frau nehmen, und so kommen Deine Söhne und Deine Töchter von der ersten Frau in die Hand der zweiten, in die Hand der Stiefmutter, in die Hand eines für sie fremden Weibes." — Nun kamen beide mit Traumgesichten frohen Inhaltes. Sie sprachen: „Wir lasen im Traume den Bers:^) „„Gehe, iß Dein Brod mit Freuden und trinke Deinen Wein mit frohem Herzen; denn Gott hat Wohlgefallen an Deinem Thun."" — Zu Abaja sprach er: „Du wirst gewinnreiche Geschäfte machen, -) 5. B. M. ss, 3. — ») Das. 26. 41. — y Das. 28. 32. — Pred. S, 7. — y Nach Berachoth 56a. —

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