Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1865)
- Date
- 1865-04-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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208 gezogen wird. Wahrlich es verwundet Einem das Herz, wenn man sieht, daß Ln den Gemeinden Oldendorf und Rinteln, die aus etwa 18 Familien bestehen, die Hälfte der Familien rnsiv genießt, den Sabbat und die h. Festtage entweiht durch Rauchen, Kegeln, Kartenspielen , Verkaufen u. s. f., und mit Recht kann man ihnen daher zurufen: OMXQ Mi« 1p Soweit also, ihr Reformer, kann das Judenthum bei euch sinken, wenn ihr glaubt die geringeren (?) v'vSVvi o'pli über Bord werfen zu können! Ihr solltet wissen, daß das Judenthum mit seinen Gesetzen und Lehren einer Kette zu vergleichen ist, an der kein Glied fehlen darf, wenn sie nicht auseinanderfallen soll i Zum Schluffe erwähne ich noch eines Mannes, der es verdient, in Ihrem geschätzten Blatte genannt zu werden. Es ist dieß nämlich der eben so gelehrte als religiöse Lehrer M. Löwenberg in Rinteln, ein Schüler des wohlrenommirten Kreisrabbinen Wetzlar in Gudensberg. Derselbe nahm aus Pietät die dortige Stelle an, weil er glaubte, jene indifferente Gemeinde wieder zum wahren Judenthume zurückführen zu können. Oum xrano salio geht er zu Werke. Möge es es ihm mit Gottes Hilfe gelingen! Mannheim, 17. März. Der heutige „Bad. Beobachter" enthält folgende Erklärung des hiesigen Rabbiners, Herrn l);. Friedmann: „In mehreren, mir erst (11. März) zu Gesicht gekommenen Nummern dieser Blätter werden, unter verschiedenen eigenthümlichen Bezeichnungen, die Juden als Theilnehmer, Leiter und Urheber der Anticassino - Affaire vom 23. v. M. bezeichnet, und der Correspondent in Nr. 57 hat in verschiedenen Blättern gelesen, „„daß am Mannheimer Cassinotage die fämmtlichen Schulen — also auch die israel. Volksschule — ohne besondere Veranlassung geschloffen wurden!"" Die in Betreff jener > bedauerlichen Vorgänge eingeleitete Untersuchung wird die gänzliche Grundlosigkeit der Beschuldigung der Juden unzweifelhaft ergeben. Aber angenommen, es hätten auch einige jüdische Individuen an jenen Excessen sich betheiligt, wäre aus einer solchen Zufälligkeit ein Recht zur Gehässigkeit gegen die Juden im § Allgemeinen h^rzuleiten? Oder erregte es etwa Erstauj neu, daß in der hiesigen, so zahlreichen israel. Gej meinde auch einige wenige müsiiggängerische Scandal-! freunde sich befänden? Es ist bekannt, daß der Unterzeichnete es war der in der hiesigen Versammlung vom 22. v. M. das Wort ergriffen, um die Streichung des gegen die Encyclica gerichteten scharfen Passus in der Adresse zu beantragen, und zwar unter der ausdrücklichen Motivirung, damit das kirchliche Gebiet gemieden und die Religion der Katholiken in keiner Weise verletzt werde. Man sollte meinen, daß aus der offenen muthigen Aussprache des Rabbiners viel eher ein Schluß auf die Denkweise der ihm vertrauenden Gemeinde zu ziehen fei, als aus der angeblichen Handkmg oimger obscuren Leute, die höchstens dem Namen nach Juden wären. — In der israel. Volksschule waren an jenem 23. Febr. sämmtliche Kinder vollzählig uqd pünktlich erschienen, unterrichtet und entlassen worden, wie an jedem andern Schultage. Wenn es gerechte Entrüstung erregt, daß „mit Schimpfen, Steine» und Messern" Meinungskämpfe ausgefochten wurden, *o sollte man auch des Schriftwortes nicht vergessen: Keule, Schwert und spitzer Pfeil ist unwahre Aussage gegen den Nächsten!" — Aus Würzburg erhalten wir die erfreuliche Mittheilung, daß am 28. Nißan d. I. (24. April) daselbst das 25jährige Amtsjubiläum des hochgeehrten Herrn Distrikts-Rabbiners S. B. Nürnberger gefeiert werden wird, und daß zur Verherrlichung dieses schönen Tages bereits von verschiedenen Seiten Anstalten getroffen werden. Wir werden nicht ermangeln, später alles Einzelne über die beabsichtigte Feier zu berichten. Mainz, den 3. April. Wir haben heute an : as löbl. Central-Cornits für palästinensische Angelegenheiten zu Amsterdam übersandt 1456 fl 50 kr., von denen 659 ff. 6 kr. für das Bauunternehmen, 560 fl. 4 kr. für die Armen des hl. L-, Talmide Chachamim rc. und 36 fl. 40 kr. für Abraham Rumpf in Jerusalem bestimmt sind. Die Gesammtsumme der von uns für das Bauunternehmen gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 10,0.33 fl. 27 kr. — Während wir Dieses schreiben, erhalten wir von Herrn Oberrabbiner Mecklenburg in Königsberg in Preußen 100 Thaler als erstes Ergebniß der Sammlung des dortigen Comitä's für den Fortbau der Armen- und Pilgerwohnungen zu Jerusalem, an dessen Spitze sieben edle Frauen stehen. pi .12-!' p l — Preußen. Berlin, Ende März. Die Predigerfrage harret noch immer ihrer Entscheidung; ja es scheint diese mit jedem Tage eine entferntere zu werden Die Gemeinde sieht sich nach allen Weltgegenden um, um geeignete Persönlichkeiten aufzufinden; doch sind solche zumeist nicht geneigt , einen sicheren Wirkungskreis zu verlassen. Bei diesem Mangel an wählbaren Capacitäten glaubt sich Jeder befähigt und berufen, sich um die Berliner Stelle bewerben zu dürfen. Mit jedem Tage tauchen daher neue Gerüchte auf, die Zahl der Bewerber ist Legion, und es scheint fast unglaublich, welche obscure Persönlichkeiten hier zur Wahl zugezogen werden sollen. Unterdeß geht der herrliche Bau der Synagoge mit jedem Tage seiner Vollendung entgegen, und nur in den Innern Räumen wird noch gearbeitet. Ob eine Orgel, wie man sagt, wirklich