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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ML sparen, daß er nicht berechtigt war, so schnell zu uriheilen, da er nicht Männern gegenüber stand, die das practische Leben und dessen Prüfungen noch nicht betreten und die noch zu beweisen haben, daß das Feuer ihres Glaubenseifers kein bloßes Strohfeuer sei, sondern da er Männer vor sich hatte, die er, wie auch ich oben, .geschildert, die fast sämmtlich die größere Zahl ihrer Lebensjahre hinter sich haben, und in einem prüsungsreichen Leben und Wirken stets als wahre Jehudim sich zeigten. Endlich will ich mir noch einige Auseinandersetzungen, die Gemeindeverhältnisse betreffend, erlauben. In Hamburg regiert der Senat; eben so fest steht die Thattache, vaß der Senat als offizielle Vertretung der hiesigen Judenschaft nur und ausschließlich und unbedingt den Vorstand der Gemeinde anerkennt. Dieser Vorstand besteht leider bis auf zwei Mitglieder aus lauter Nichtfrommen! Und diesem Vorstande hat der Senat die Machtbefugniß ertheilt, nach Hinzuziehung einiger Gemeindemitglieder beliebig das neue Gemeindestatut zu entwerfen. Diejenigen aber, welche vorher oder nach dem Entwürfe des neuen Statuts ans der Gemeinde treten wollen, haben den bisherigen Gemeindebeitrag fünffach zu entrichten, und verlieren dann ihre weiteren Ansprüche an die Gemeinde, wogegen die in der Gemeinde Verbleibenden sämmtliches Eigenthnm der bisherigen Gemeinde behalten! Hiernach stand es dem Vorstände frei, sich beliebig einige Leute zu wählen, und auf's Neue zu thun, was er wollte. Wäre dieses geschehen und die Majorität des nichtfrommen Vorstandes hätte gleiche Gesinnungsgenossen gewählt, so wäre eine Neugestaltung erfolgt, die der frommen Partei keinen anderen Ausweg gelaffen hätte, als auszutreten, nachdem sie den fünffachen Steueransatz sofort gezahlt, dagegen sämmtliche Synagogen, Begräbnißplätze, die Vermächtnisse für rvin sii rc. re. in den Händen der neuen Gemeinde fast schuldenfrei gelassen hätte. — Dann würden die zu bestimmten Fonds in die Hände eines vr. Ree übergegangen sein, und ein De. Frankfurter würde officiett das Hamburger NabbinaL bekleiden, die stelle, die von so großen Männern in der Vergangenheit besetzt war, wie Ihr Correspondent sie ausgerechnet hat! Und hierzu wäre es unbedingt gekommen (so gut wie in Frankfurt), wenn die fromme Partei Ihres Eorresp. ihren Willen durchgesetzt und die Fusion nicht Zu Stande gekommen wäre. Ja, der Fusion zu Liebe ging der Vorstand so weit, daß er eingewilligt, daß die Repräsentanten allein berathen (wodurch bei den Repräsentanten die Majorität der Orthodoxie gesichert ist), während bei Gesammtsitzungen von Repräsentanten und Vorstand, wie es der Senat dem Vorstande gestattet hat, die Orthodoxie sofort geschlagen gewesen wäre. Ihr Eorresp. wird mir nun vielleicht zurufen, man muß auf Gott vertrauen, nicht das Schlimmste erwarten; ich aber muß antworten: „Gott verlangt, daß wir das Unserige thun!" Nicht umsonst hat uns der Talmud das Beispiel erzählt, wie übertriebener Glaubenseifer eines Einzelnen den Untergang Jerusalems herbeigeführt hat; ähnlich wäre es hier gegangen. Wahrlich mit piri könnte man die Folgen vergleichen, wenn die Frommen aus der Gemeinde geworfen, ohne Synagoge, ohne irgend etwas, gezwungen gewesen wären, in ihre 7I12N-Stübchen sich zu verkriechen, und da ihr nicht die Mittel der frommen Frankfurter Partei zu Gebote stehen, es ihr schwer gefallen wäre, die Gemeindebedürfniffe herbsizuschaffen. Emen Rabbiner würdig zu honoriren, wäre eine Unmöglichkeit gewesen; Armenunterstützung in geregelter Weise, wie bisher, unmöglich; 'r, Schule aufgelöst; dagegen ein vr. Me mit allen Mitteln versehen, die Ar-! men und ihre Kinder in's neologe Lager zu führen! j Und, diesen Umstand möglicherweise vor Augen, j will ein Hamburger die Fusion, die es verhüten will! und wird, verdammen? Nein, Ihr Correspondent ist! kein Hamburger!! l Und so schließe auch ich! 'j-Q' 11p Hamburg, 16. März. In der gestrigen Sitzung i der Bürgerschaft wurde von Herrn Horwitz und Genossen der folgende Antrag eingebracht: „Jn Erwä- > gung, daß nach Einführung des Gesetzes über Staats-! angehörigkeit und Freizügigkeit, sowie nach Aufhebung des Zwanges zum Anschlüsse an die Israel. Gernein- , den, viele Personen hier ansässig sind und fortan in , noch größerer Anzahl ansässig sein werden, welche keiner der hier bestehenden religiösen Gemeinschaften an- . gehören, und es fraglich sein könnte, wo solche keiner! Gemeinde ungehörige Personen im Todesfälle ihre! letzte Ruhestätte finden, resp. beerdigt werden müssen,! beantragen wir: „Die Bürgerschaft beschließt und ersucht den Senat, es mitzugenehmigen, daß sofort durch die betreffende Behörde ein geeigneter Platz für einen allgemeinen, allen hiesigen Einwohnern ohne Rücksicht auf Confession oder Gemeinde-'Angehörigkeit zur Be-! Nutzung freistehenden Friedhof angewiesen und herge-! stellt wurde." Der Antrag ward in Betracht gezogen i und an den Bürgerausschuß verwiesen. - Aus Württemberg. Obgleich Ihnen ein kür- , zerer Bericht über unsere jüngsten Kammerverhand-! lungen zugesandt wurde, beumhete ich mich doch, mir! die authentischen stenographischen Protokolle zu verschaffen, weil einestheils unsere Lehrer und Vorsänger daran ein lebhaftes Interesse haben muffen, anderentheils alle Juden Württembergs aus die Kirchenrevision harren, und endlich auch unseren Radbrnen damit ein Trostwort in ihrer Lage gebracht

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