Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 15 (5.4.1865)
- Date
- 1865-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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JeitirngsnachrLchten und Correfpondenzen. Deutschland. Frankfurt a« M., 22. Mürz. In der heutigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung begründete bei fortgesetzter Berathung der anläßlich des Budgets gestellten Anträge Herr Dr. Pfefferkorn feinen Antrag in Betreff der Verhältnisse der israel. Religionsgefellfchaft. Er bezeichnete es als nicht zu rechtfertigenden und unseren ganzen staatlichen Einrichtungen widersprechenden Gewissenszwang, daß die Mitglieder dieser Religionsgesellschaft noch jetzt zu den Steuern für den Cultus der israel. Gemeinde herangezogen, und diese bei ihnen fiscalisch eingetrieben werden. Er beantragt daher, den Senat um Auskunft darüber zu ersuchen, ob ein solches Verhältniß wirklich bestehe, und warum dasselbe vom Staate aufrecht erhalten werde. Herr I)r. Neukirch und Herr Rütten erklärten sich mit dem Antrag im Princip einverstanden, bemerkten ober, daß die Steuern der israel. Gemeinde nicht bloß für den Cultus, sondern auch für Schuldentilgung und für andere Gemeindezweäe, bei welchen die Mitglieder der Neligior s - gesellschaft ebenfalls noch betheüigt seien, erhoben würden. Uebrigens sei der letzteren ein Beitrag zu ihren Cultuskosten angeboten worden. Die Frage sei nicht so einfach zu lösen, und es empfehle sich daher die Ueberweüung des Antrags an die für den Antrag der Herren Or. Fuld und 1)r. Neukirch in Betreff der israel. Gemeinde ernannte Commission. Diese Ueberweisung wurde schließlich von der Versammlung genehmigt. Hamburg. Die dritte Beilage zu Nr. 11 und 12 des „Israelit" bringt eine mehr als einen Bogen umfassende Correspondenz von hier, die so viele specielle Mittheilungen gibt, daß man unbedingt einen genau mit den Verhältnissen vertrauten und eingeweihten Hiesigen als deren Verfasser vermuthen müßte, wenn nicht die Hauptsachen ganz entstellt wären, und von vollkommener Unkenntniß der Verhältnisse wieder Persönlichkeiten zeugten. Um den nichthamburgischen Lesern dieser geschätzten Zeitschrift die Wahrheit nicht vorzuenthalten, seien mir nur einige Worte erlaubt; ich gehe daher gleich auf die Hauptsache selbst, die Repräsentantenwahl betreffend, ein. Da behauptet jene Correspondenz, daß die von ihr sogenannte streng fromme Partei (im Gegensätze zur Fusionspartei) trotz der bedeutenden Hindernisse, die ihr im Wege gestanden, den Sieg errungen habe, indem die Majorität der Gewählten als entschieden orthodox bezeichnet werden kann! Diese Behauptung ist, bezüglich des Erfolges jener Partei, vollkommen irrig und die Thatsache das gerade Gegentheil!! Als Beweis hierfür führeich nur an, daß die sämmtlrchen Gewählten, mit Ausnahme eines Einzigen, die Candidaten der Fusionspartei sind! Dieser Einzige, den die streng fromme Partei auf ihrer Candidatenliste hatte, ging durch, weil auch chie äußerste neologe Partei der Gemeinde, die nocb jenleits des Tempels steht, ihn gleichfalls vorgeschlagen hatte; es ist ein sehr geistreicher, achtbarer Mann, jedoch, wie er selbst sagt, nur dem Namen nach Jude.' Die Fusionspartei hatte dafür einen jungen aber frommen Mann aus frommer Familie vorgeschlagen, der auch sonst gewählt worden wäre. Die Wahrheit ist also, daß die streng fromme Partei Ihres Corresp. die orthodoxe Majorität um eine Stimme gebracht hat. Nachdem nun die Jrrthümer jener Correspondenz nachgewiescn, will ich nicht anstehen, das Wahre darin ebenfalls anzuerkennen; dahin gehört zunächst, daß sowohl Herr D. S. Goldschmidt wie Herr I. L. Adler streng fromm sind, nur müssen wir für auswärtige Leser hmzufügen, daß diese beiden Herren nicht zur streng frommen Partei jener Correspondenz, sondern zur Fusionspartei gehören. Ferner ist es der Wahrheit gemäß, wenn jene Corresp Herrn Du. S. P. Nathan seines Wissens, seiner Frömmigkeit halber u. s. w. belobt; jedoch muß ich wiederum bemerken, daß auch er sieh nicht jener sogenannten streng frommen Partei angeschlossen, sondern als Candidat der Fusionspartei vorgeschlagen und gewählt worden ist; gewählt, nachdem er vorher deßhalb befragt morden und es sehr reiflich überlegt hatte. — Wollte ich nun so speeiell.sein wie jener Corresp., so könnte ich viele Namen anführen, allein ich will nur kurz sein und bemerke nur, daß die Spitze der Intelligenz der hiesigen Orthodoxie, eine ganze stattliche Reihe von Gelehrten und Kaufleuten, Männer, deren Namen weit über Hamburg hinaus, nicht etir r ihres Vermögens halber, sondern ihrer wahren , opferbereiten Frömmigkeit wegen, bekannt sind, daß diese Herren (denen wir, um nur Einzelnes zu berichten, die in jener Corresp. erwähnte schöne Mikwa sowohl als auch die dort erwähnte vortreffliche Schule des Herrn Or. Koreff verdanken) sümmtlich der Fusionspartei angehören! Schließlich will ich noch zu Ehren des v.-> und also zu Ehren jenes Corresp., der hier fremd (?) ist, erwähnen, daß er dieThatsachen nur aus Mrttheilungen dritter Personen hat, und daß er wahrscheinlich der Ansicht war, daß in den Kreisen, woher ihm jene Nachrichten geworden, ihm nur Warheit berichtet werden dürfe; dennoch kann ich ihm den Vorwurf nicht