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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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203 beiten hinzufügen. Es ist der sprachliche Theil und die stilistische Haltung eines Aufsatzes von vornehmlicher Wichtigkeit für Kinder und steht in gewisser Beziehung noch über dem Inhalt. Eine reme, zierliche Schale läßt uns auch minder kostbare Früchte lieblicher erscheinen, die Betrachtung einer kunstgerechten Form versöhnt das Auge, wenn der Stoff auch werthlos ist. Wenn ein reiner Stil, eine edle Diktion dem Schriftsteller schon schwer wird, der für Erwachsene schreibt, so ist es ungleich schwerer, für die Jugend zu schreiben. Da genügt es nicht, wenn das Buch „unterhaltend, anziehend und anregend" ist; hier muß Feinheit des Ausdruckes mit der Reinheit des Inhaltes, logische Folgerichtigkeit mit grammatischer Genauigkeit, Faßlichkeit, populäre Darstellung und kindlicher Ton mit dem Reize der von poetischem Geiste getragenen Gedanken verschmolzen, hier mutz mit einem Worte Alles classisch sein, ein Muster für die Nachahmung des jugendlichen Geistes. *) Das Alles vermißen wir mehr oder minder in vielen Lesestücken, am meisten aber in denjenigen, welche Herr l)r. Adler selbst gefertigt hat. Dietz zu beurtheilen, bedarf es nicht etwa pädagogischer Bildung; jeder einigermaßen unterrichtete Kaufmann, ja jeder mittelmäßig begabte Schüler einer oberen Classe muß das htzraussinden. Auch hier sind wir weit entfernt, Herrn Or. Adler selbst einen Vorwurf darüber zu machen. Einem Manne, der seine Jugend aus fleißiges Talmudstudium verwendet hat nnd in reisern Jahren erst eine gewisse Vertrautheit mit der Wissenschaft erlangte, ist es zu verzeihen, ja, es kann ehrenvoll für ihn sein, wenn ihm die Elemente der Muttersprache nicht geläufig sind; aber ein solcher Mann darf kein Schulbuch schreiben Man lese nur die von Herrn Dr. Aoler verfaßten Stücks: Wie oft wird da der Sprache Gewalt ange- Lhan! Hier wird entweder die Richtigkeit der Conjugation nicht beachtet, wie in den Sätzen: „Der Tag hat angebrochen" (S. 3); „er soll von den Nachkommen Sisra's abgestammt haben" (S. 46); „die Ausübung gottesdienstlicher Handlungen seien untersagt" (das.) (stattsei); „...denkend, wenn er (der Knabe) größer und verständiger werden werde, so wird er fromm werden" (S. 7); „das Weib sah ihre Tochter befremdend an" (statt befremdet) (S. 73); „esse auch du dein Brod" (statt iß) (das.); — „sie vergoß manche Thräne, daß ihre Wangen so coth seien" (statt waren) (S 150); — oder es wird gegen die Declination gesündigt, wie u. A. S. 19, wo es heißt: „nimm sie als ein Geschenk und Beweis meines Gehorsams an" (statt „ein Geschenk und einen Beweis"); und : „der Kaiser hieß den Greis auf einen goldenen Sessel setzen!"! — Bald werden falsche Wortverbindungen angebracht, indem „Siegmund sich diese Näschereien (statt Naschhaftigkeit) abgewohnt hatte." (S. 8), und: „der Gelehrte sich für die schreckliche Noth verwenden sollte" (S. 20); oder: „derRauberstchder Furchlnicht ent wehren kann" (statt „ erwehren" S. 45) und „die Eiche Holz macht"! (S. 380); oder eine fremdartige Ausvrucksweise eingeschmuggelt, wie zeitlich für zeitig (S. 3 u. 6); > „dieß Unglück empfiehlt die Wahrheit des Spruches"! (S. 20), statt beweist. Durch verkehrte Construction f wird oft der Sinn eines Satzes entstellt oder schwerfällig gemacht; S. 3 heißt es : „unser Laden war der erste, der in der Straße geöffnet wurde"; (statt! der erste in der Straße) S. 25. „Ein Türke, Namens Ismail, ein roher, ungebildeter Mensch, weil er aber sehr fleißig die Moscheen — so heißen die Bethäuser der Muhamedaner — besuchte, bei den übrigen Muhameoanern in großem Ansehen flehend, haßte die Juden"; — bald wird durch Nachlässigkeit des Stils der Sinn schleppend und ungenau. „Fränzchen erfuhr (S. 150), daß ein Schluck Essig täglich ein gutes Mittel wäre, die Rothe (der Wangen) zu mildern. Sie Lhat es auch!" — (S. 8) „Furcht und Schaam brachten ihn in Versuchung, gleich den übrigen bösen Buben zu leugnen, da trat der Rabbiner in die Schule. In Thränen ausbrechend, gestand er Alles!" — bald der Inhalt bis zum lächerlichen Unsinn gesteigert, wie dieß S. 3 geschieht: „Der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist der größte, den es gibt und wozu oeßhalb auch am Wenigsten Vernunft gehört!" und das.: „die Dämmerung sieht der Eine für Nacht an, und der Andere hält sie für den Tag!" und S. 8 der unlogische Gegensatz: „obgleich er sich sträabte, seine M-tschuldigen zu nennen, so hatten doch auch diese nicht den MuLh zu lüugnen". Dabei durchzieht das Ganze eine ordinäre und triviale Sprache. „Statt in die Schule zu gehen (heißt es S. 7), lag ec im Bette, statt in die Synagoge zu gehen, lag er hinter dem Ofen." S. 8. „Ich bin erst aufgestanden," statt: noch nicht lange. „MitSiegmund machen wir keine Gesellschaft mehr," statt: pfls gen wir keinen Umgang; (das.) „Hast du den Willen stets wahr zu sein, dann ge- und verbietet sich schon Alles von selbst"; (oas.) „Meint ihr was? Ihr könnt mit mir zusammenwohneu;" (S. 47) „ich bin überzeugt, er wird mit dir lernen" (dich unterrichten) (S. 54) u. s. f. Auch als Dichter hat sich Herr Or. Adler versucht; aber mit eben so großem Glücke als in der Prosa. (Schluß folgt.) *) Unter den Meistern in der Kunst für -die Jugend zu . schreiben, möchten wir unter Andern dm Humanisten Friedrich Jacobs nennen, von dessen herrlichen Arbeiten Herr!)r. Adler gar nichts benutzt hat. i

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