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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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201 Brandfackel ist unsere heilige Gotteskehre, sondern ein leuchtendes und wärmendes Licht; sie setzt dich auch* nicht der Gefahr aus, dich der Geringschätzung deiner Mitmenschen preiszugeben, im Gegentheil, sie ehrt dich und erhebt dich vor den Augen der ganzen Welt! Am Peßachfeste ist nicht allein das Verspeisen des Gesäuerten verboten, sondern auch das Benützen, das Verkaufen und Verschenken desselben So sollen wir denn auch jede Freude, jedes Vergnügen, die wir an der Sünde finden könnten, aus unseren Herzen entfernen. . Während bei den meisten andern verbotenen Speisen ein gewisses Maß da sein muß, wenn von einer Uebcrtretung die Rede sein soll, während bei den meisten andern verbotenen Speisen das Verbotene bei' vorhandenem großen Uebergswicht des Erlaubten verschwindet (>22 wird), so ist das kleinste Maß des Gesäuerten am Peßachfeste zum Genuese unerlaubt und macht selbst die größte Mischung zu einer verbotenen -nvr« N222 p/ori ^L'llv^so soll auch nicht die kleinste Spur von Sündhaftem in uns Zurückbleiben. Ja, selbst dasjenige, was in den zum Essen dienenden Gefäßen sich festgesetzt hat, muß entfernt werden, wenn diese auch am Peßachfeste verwendet werden sollen (2^ : so sollen wir auch alles Sündhafte, das in unserm Herzen sich festgesetzt bat, entfernen durch die Gluth der Buße und Neue, bis daß wir rein erscheinen vor Gott und würdig, die große Aufgabe zu erfüllen, mit welcher Er uns begnadigt hat. II. Zur Erfüllung unserer großen Aufgabe ist es nothwendig, daß wir uns dem Dienste unseres Gottes ganz und gar hingeben, und als Symbol dieser Hingebung erscheine uns das Peßachopfer. — Arm und unfrei ist derjenige Mensch, welcher nur sich kennt, uns dem sein eigenes, unbedeutendes Ich als der Mittelpunkt des Weltalls erscheint. Nur derjenige, welcher es versteht, sich hinzugeben an das Allgemeine, der seine Eigensucht und seine Eigenheiten zu opfern weiß, UM das Höchste zu erstreben, um großen Zwecken sein Leben zu widmen, ist wahrhaft frei und glücklich, und da es nichts Höheres gibt, als den Willen unseres Gottes, und da es keine größeren Zwecke geben kann, als diejenigen, welche Gott mit den Menschen hat, so ist es einzig der Gehorsam gegen Gott, die völlige und unbedingte Hingebung an Ihn, welche die wahre Freiheit und das wahre Glück zu begründen vermögen. Nur der ist frei, welcher einsichtsvoll das aus freiem Antriebe thut, was gut und nothwendig ist. und nur das ist gut und nothwendig, was dem Willen des Allgütigen und Allweisen gemäß ist. Nur der ist wahrhaft glücklich, welcher von Schuld frei hält seine Seele und von Gewifsensqualcn sein Herz, und nur das Bewußtsein schützt vor Sünde und Jrrthum, daß die Weisheit des Allmächtigen die Richtschnur unseres Denkens, Redens und Thuns ist. Als Gott die Sclavenfefseln unserer Väter in Mizrajim brach, wollte Er uns frei und glücklich machen und setzte das Peßachopfer als ein Symbol der Freiheit und des Glückes ein. Daher durfte das Peßachopfer nicht halbgebraten verzehrt werden; denn nur der Arme, der Halbverhungerte verzehrt die Speise, ehe ihre Bereitung noch vollendet ist. Daher durfte das Peßachopfer nicht in Wasser abgekocht, sondern es mußte am Feuer gebraten werden, denn also bereitet der Wohlhabende schmackhaft seine Speise zu; es durste ferner Nichts davon übrig gelaffen werden bis zum Morgen, denn der Arme bewahrt ängstlich die Speise von einem Tage bis zum andern auf; es durfte ferner nicht von einer Gesellschaft der andern gesandt werden, denn nur der Arme sendet Freunden und Verwandten, wenn er sich ausnahmsweise einer guten Mahlzeit erfreut; es durste ferner kein Knochen daran zerbrochen werden, wie es ja die Weise des Armen ist, die Knochen zu benagen und sie im Eifer des Genusses zn zerbrechen. Frei und glücklich und reich sollten wir uns fühlen bei dem Festmable, das Gott uns bereitete; aber nur frei uno glücklich im Gedanken an Gott, und deßhalb mußte das Hallel-Lied das Verzehren des Festopsers begleiten, und das ungesäuerte Brod des Elends nnd die bittern Kräuter sollten uns an dis Armuth und an die Roth unserer Väter inAegyp- , ten erinnern und stets unseru Dank Hervorrufen gegen! unfern Wohlthäter im Himmel, s Während das Peßachopfer uns ein Symbol des! Glückes war, stellen uns die ungesäuerten Kuchen und die Bitterkräuter das Bild des Elends und! des Kummers nn dar. Das Glück hat! in der Regel nur eine Gestalt, und die Bedingungen, , eie es Hervorrufen, sind gewöhnlich dieselben; allein 1 das Unglück tritt uns in tausend Gestaltungen entgegen, die sich jedoch in zwei Rubriken bringen lassen: die Armuth einer- und der Kummer (Knechtschaft, Verfolgung, Krankheit, ^d) andererseits. Aber auch in Kummer und Elend sollen dem Allmächtigen wir dienen in treuester Hingebung; daran sollen uns mahnen die ungesäuerten Kuchen^und -die Bitterkräuter. Ach , dereinst im heiligen Lande, da wir das Peßachopfer noch darbrachten und verzehrten, da waren wir glücklich und frei; da lebten wir im eigenen Vaterlande unbehindert und unbeengt, nach eigener Sitte und eigenen Gesetzen- Aus der Mitte unserer Brüder herrschte ein König in Gerechtigkeit und Milde,! in dem Heiligthum unseres Gottes besaßen wir den Mittelpunkt unseres religiösen Lebens, und in Reinheit und in Heiligkeit konnte Israel unbeengt und unbehindert dem Willen seines Vaters im Himmel nachleben. Ach, Israel hat es nicht verstanden, seiner hohen Aufgabe zu genügen: das Peßachopfer ist

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