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Der Israelit · 1865-04-05 · Heft 15 (5.4.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 15 (5.4.1865)
Date
1865-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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200 Welcher Gedanke liegt wohl dieser gebotenen Hinwegcäumung alles Gesäuerten nud Alles dessen, was mit Gesäuertem in Verbindung gekommen ist, zu Grunde? Der Sauerteig ist ein Symbol der Sünde. M2P'L': ,-!O'p2w ^>28 '-r22^O2d-r 22^2 r>:'2^»Q. „Rabbi Alexandrai pflegte Zusagen: Unser Wille wäre es wohl, Deinen Willen zu vollziehen, aber der Sauerteig im Teige und die Knechtschaft hindern uns daran." Das Brod, das wir genießen, und das seit uralten Zeiten das Hauptnahrungsmittel des größten Theiles der Menschheit ausmacht, ist ein Gebilde der Kunst. Nachdem das Korn von seiner Umhüllung losgelöst, nachdem es zermalmt worden, wird durch Feuchtigkeit und Wärme, durch Wasser und Feuer, die da Bedingungen alles Lebens sind, das Brod gewonnen. Dadurch, daß man in dem Teige, ehe die Kraft des Feuers den größten Theil der Feuchtigkeit entfernt, eine Säure sich entwickeln läßt, wird dem Brode Schmackhaftigkeit verliehen. Die Säure aber ist es zugleich, die den Stoff der baldigen Fäulniß preisgibt. Es ist das ein Bild des Menschen, der da mit doppelter Bildung erschaffen worden, rn-nL' 'n^2 r<^2^. Auch der Trieb zum Bösen ist eine nothwendige Triebfeder im wunderbaren Uhrwerke des Menschenthums. Wie die Harmonie nicht in dem Gleichklange eintöniger Lante, sondern in dem regelrechten Zusammenklange verschiedener besteht, so ist die Befähigung und der Trieb zum Bösen, die jedoch vom Gesetze gehemmt und gebändigt werden müssen, denen jedoch vom Gesetze der rechte Boden und die Richtung angewiesen sein muß, ein nothwendiges Ferment in der trägen und indifferenten Menschennatur. Daher erzählen unsere Weisen so schön, daß, als auf das Gebet der Männer der gronahe kömmt, All diese Arten von Gesäuertem sind uns während des Peßachfestes verboten, und so soll uns dieses Fest für das ganze Jahr kräftigen, daß wir alle Arten von Sündhaftigkeit verbannen. Während der Sauerteig, der dazu dient, in andern Teigen das Säuern zu befördern, ein Bild der Verführung ist, ist das gesäuerte Brod, wie wir oben bereits dargestellt haben, ein Bild des Genusses und der der Genußsucht entstammenden Sündhaftigkeit: der Sinnlichkeit, der Ehr- und Ruhmsucht, der Gewinnsucht, der Herrschsucht, des Neides, der Unredlichkeit, des Stolzes, des Uebermuths, der Ueberhebung, und wie sie alle heißen mögen, jene Abirrungen, deren Wurzel in der unbeschränkten Begierde zu suchen ist.;^2?i ^2mpr>, die Mischung aus gesäuerten und andern Dingen, hingegen ist das Bild des gewöhnlichen Menschen, in welchem Tugend und Laster um den Sieg stets kämpfen. Aber das Peßachfest finde uns ganz rein, finde uns als Sieger über die widerstrebende Menschennatur. — Das , das dem eigentlich Gesäuerten nur nahe kömmt, stellt uns alle jene Neigungen zur Sündhaftigkeit und zum Laster dar, die von den Menschen gering geachtet werden, oie aber die Brücke zur eigentlichen Sünde bilden: so die Neigung, das Gebühren der Mitmenschen zu dem Zwecke zu beobachten, um ihre vermeintlichen oder wirklichen. Fehler zum Gegenstände der Unterhaltung zu machen, die Neigung zum Spott, die Verbringung der Zeit mit unnützen Dingen, mit unnützem Geschwätz, Alles das, was die Scham und den Anstand verletzt; Alles, was nur irgend sündhaft ist oder an die Sünde grenzt, sei von uns verbannt. Es genügt aber nicht, daß wir uns am Peßachseste des Gesäuerten enthalten, es muß noch vor dem ßen.Synode der 2L' ausgehört hatte, ein plötzlicher Stillstand in der Welt eintrat, der nothwendrger Meise ein Aufhören, ein Zugrundegehen des Weltalls hätte herbeiführen müssen, wenn nicht die Weisen um die Wiederherstellung des p2.-> gebeten hätten — Daher üst auch das ganze Jahr hindurch das Symbol des p-.-j das Gesäuerte, erlaubt, ober am Peßachfeste, an dem Feste, an welchem Israel zum GoLLesvolk geworden, sei es verbannt. Während dieses Festes soll sich Israel ganz seiner hohen Aufgabe bewußt werden, daß es ein Werkzeug ist in der Hand des Allmächtigen zur Erziehung und Beglückung des Menschengeschlechtes, daß es das auserwählte Volk seines Gottes ist, das Seinen Namen trägt, das den endlichen Sieg des Guten und der Tugend herbeiführen soll. Es gibt vier Arten von Gesäuertem: Sauerteig, gesäuertes Brod, Mischung aus Gesäuertem und andern Dingen , und Solches, das entweder gesäuertes Brod war und zum Genüsse untauglich geworden, oder > das niemals gesäuertes Brod gewesen, aber doch ihm! Beginne des Festes alles Gesäuerte aus unserm Auge und unserm B-sitze entfernt werden. „Beim Beginne! der dem 14. Tage des Monats Nissan vorhergehenden! Nacht suche man Zum Zwecke der Hinwegräumung bei l der Flamme eüms Lichtes nach dem Gesäuerten in al- > len Löchern und Spalten." Suche, du Jsraelssohn, in allen Falten deines Herzens nach jeder Neigung zur Sünde, um sie hmwegzuräumen; suche bei Nacht . in der Einsamkeit, wann des Tages Mühen und Lasten > und Beschäftigungen und Vergnügungen dich nicht stö-! ren und zerstreuen; suche bei der Flamme jenes Gotteslichtes, deines Geistes; O28 w-!vr< -o, denn ein Licht Gottes ist die Seele des Menschen! Unsere Weisen haben angeordnet, daß man zum Suchen nach dem Gesäuerten sich keiner Fackel bedienen soll; Ulan würde sonst aus Furcht, das Haus anzuzünden, nicht sorgfältig suchen können; auch keines Talg- oder Osllichtes, man würde sonst aus Furcht, die Kleider oder Geräthe zu beschmutzen, das Licht den Gegenständen nicht nahe genug bringen nicht eine

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