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Der Israelit · 1865-03-29 · Heft 14 (29.3.1865) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 14 (29.3.1865)
Date
1865-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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193 Herren mißliebige und ungünstige Berichte über ihn nach Europa gesandt, er ließ daher ihre Correspondenz auffangen und ihre Papiere untersuchen und mit Beschlag belegen. Consul Cameron hat sich, wie man sagt, Sr. Majestät Ungnade dadurch zugezogen, daß er, des langennicht eben sreiwilligen Aufenthaltes im Hoslager müde und in der Absicht, sich so schnell als möglich auf seinen Posten in Massaua zurückzubegeben, eine Frist für feine Abreise stellte, was Nichts weniger als Abessynische Hofsitte ist. Im Reiche des Königs der Könige (Negus Negesta) von Aethiopien herrscht übrigens auch große Theuerung und es wird sogar von Qalabat Getreide nach dem fruchtbaren und reichen Dembea eingeführt. Der Schefta, d. b. Rebell, Tadla Quälu, dessen Armee gegen 15,000 Mann im Kampf mit König Theodor verloren haben soll, herrscht noch auf seiner uneinnehmbaren Bergfeste in Godjam. In Kolla Woggara bis g<gen Wolkatt hin haust ein anderer Aufständischer, ebenso haben mehrere unbedeutende Schilderhebungen in Tigreh Statt aeumden Belambaras Qilmo, der Festungs - Commandant von Tschelga, ist in Ungnade gefallen und in Fesseln gelegt. Ob er gegen den König conspirirt hat, soll nicht erwiesen sein, es ist aber positiv, daß dieser energische Gamant immense Vo räthe und Waffendäpots ans seinen Festungen aufgehäuft hatte, sowie sehr reiche Schätze, Grund genug, um im Orient einen Kapital- Prozeß auf den Hals zu bekommen. Uebrigens kann ich dem Genie des Negus Theodor immer nur Be^ wunderung zollen. Er hat nunmebr 12 Jahre hindurch nnerntüdet das zerrissene Aethiopische Reich unter Einem Scepter zu vereinigen und zu erhalten gewußt, trotz der ewigen bürgerlichen Unruhen und nie endender offener Kriege gegen mächtige Rebellen, die an allen Ecken und Enden Abessyniens ansstehen und sogar in der nächsten Nähe der Residenzstadt, wie neuestens in Semiön, Schilderhebrmgen veranlassen. Feuilleton. Seele für Seele.*) Von VeriUI»». Zwei Männer liebten sich einmal mit einer innigen, wunderbaren Liebe, so daß die Seele des Einen mit *) Nach dem MLarich des Menachein di Lonsano, MLasioth Nr. 42. — Im Frankfurter Museum: Jahrgang ll. Nr. L8 ist rücksichttich dieser Erzählung Bezug auf Schillers „Bürgschaft" genommen. — Jellinek, in seiner Ausgabe des Mäarich, Leipzig 1853, hält wohl mit Recht Lonsano gleichbedeutend mit Longano, dem Hafen in Messenien, da die sefardischen Juden nach portu-! giesischer Mundart das g oft wie fch aussprechen und dieses durch den Buchstaben sLjin bezeichnen — Menachem die Lonsano, ein fruchtbarer Schriftsteller des 16. Jahrhunderts, Grammatiker, Kritiker und zugleich Dichter, wohnte zu Jerusalem, ließ aber aus Liebe zur Wissenschaft Frau und Kinder daselbst in Noth zurück und wunderte nach Venedig, um wo möglich sein in der Seele des Andern innig verknüpft war. In Folge eines Krieges aber, der ausgebrochen war, sahen sie sich genöthigt, sich zu trennen, und wohnten nun in zwei verschiedenen Reichen. Eines Tages kam der Eine in die Stadt des Andern. Es ward dem König berichtet, und da Dieser ihn für einen Spion hielt, weil er aus der Stadt seines Feindes gekommen, so befahl er, ihn hinzurichten. Als der Mann sah, daß sein Verderben vom Könige aus beschlossen war, eilte er vor den König und warf sich vor demselben nieder und weinte und flehte, der König möchte ihm nur eine Gnade erweisen. — „Und worin soll diese bestehen?" frug der König. — „Mein Herr und König!" antwortete der Mann, „ich bin ein bedeutender Kaufmann und habe den größten Theil meiner Maaren Leuten auf Vertrauen'' gegeben und nichls darüber ausgeschrieben, und meine Frau und meine Kinder wissen nichts davon. Sterbe ich nun uud theile ihnen zuvor nichts davon mit und schreibe nichts auf über die Käufer, so verfallen sie der bittersten Armuth. O, laß mich hiügehen und Dieses nur vollziehen; ich kehre dann zu Dir zurück." — „Und wer bürgt mir dafür," sagte der König, „daß Du zurückkehrsi?" — „Mein Herr und König," antwortete der Mann, „ich habe einen Freund hier wohnen, hier in Deiner Stadt, er leistet Bürgschaft für mich." — Der König ließ den Freund kommen und sprach zu ihm: „Willst Du für ihn bürgen, so daß Du, wenn er zur Zeit, die ich ihm bestimmen werde, nicht zurückkehrt, für ihn stirbst?" — „Ich will es, mein Herr und König!" sagte der Freund, „ich bürge für ihn, Seele für Seele." mehrere kleine Reste zerfallendes Sammelwerk Sch'te Jadoth durch den Druck zu veröffentlichen. Dieses höchst selten gewordene Werk erschien, aber nur zum Theil, Venedig 1616; einen Theil desselben bildet eben der Mäarich, der sich mit der Erklärung der Fremdwörter in den Talmuden und den Midraschim beschäftigt. Menachem di Lonsano war hierzu wohl geeignet; neben dem Besitze vieler seltener Handschriften, besonders von Midraschim, war er ausgerüstet mit der Kenntniß des Aramäischen, Arabischen, Türkischen, Griechischen, Lateinischen, Spanischen, Italienischen und Französischen. Er selbst sagt von sich in seiner Vorrede zum Muarich: „Von Jugend aus hat mich der Schmerz großgezogen; denn Vater und Mutter haben mich in der äußersten Entblößung, nackt und leer, verlassen, und ich wanderte unstät und flüchtig umher nach Brod, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Weil es aber kein Uebel gibt, dem nicht anderseits einiges Gute beigemischt wäre, so habe auch ich durch meine schweren und leidvollen Wanderungen wenigstens den Gewinn gehabt, daß ich die Sprachen vieler Völker, und besonders das Arabische und Griechische, die so nothwendig sind zum Verständniß der Midraschim, mir anzeeignet habe, so daß ich fähig bin, eine sichere uns bestimmte Erklärung zu geben, keine vermuthliche, vermeintliche." — Am Ende des Mäarich nun befinden sich auch zwei und vierzig kleiner^ und größere Erzählungen in chaldäischer und hebräischer Sprache; die letzte enthält die oben fast wörtlich wiedergegebene Bürgschaft, in einem schönen, reinen, biblischen Hebräisch. —

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