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Der Israelit · 1865-03-29 · Heft 14 (29.3.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 14 (29.3.1865)
Date
1865-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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192 Antheil. Ob derselbe von Seiten des dorttigen Kultus- Vorstandes hiezu berufen wurde oder nicht — hierüber sind die Meinungen ganz divergirender Natur. Ob derselbe die eigentliche Einweihungsrede gehalten oder blos Nebeufunktionen übernommen — ist ebenfalls in tiefes Dunkel gehüllt Genug der „B. CH." bezeichnet den Szegediner Rabbiner als den „Löwen des Tages." Dies würde für den künftigen Historiker der ung. Judenheit vollkommen genügen. Nun kommt aber ein aus Weßprim datirter, ziemlich gehirnischter Artikel in der „Neuzeit," der all den Angaben des „B. CH." entgegentretend, Herrn Rabb. Hochmuth als den eigentlichen Priester des Einweihungsaktes bezeichnet. Nach der „Neuzeit" soll Herrn Löw blos die Ehre zu Theil geworden sein, beim Festessen die meisten Toaste ausgebracht zu haben. JnderThat, es ist nicht leicht erklärlich, wie Herr Löw von seinem Weßprimer Korrespondenten sich in solch hohem Grade mistifiziren hat lassen, während er doch persönlich der Feierlichkeit angewohnt hat. Die jüdischen Redaktionen sollten in der Wahl ihrer Korrespondenten etwas sorgfältiger zu Werke gehen. „V. CH." sollte diesen Wink um so eher beherzigen, als derselbe sich bekanntermaßen für den priviligirten Geschichtsschreiber der ung. Juden hält. Die Statuten des in Gründung begriffenen Lehrervereins sind von Seiten der h. k ung. Statthalterei behufs nochmaliger Revision bereits herabgelangt. Vor der Hand ist für die Realisirung des Vereins wenig Aussicht. Spanien. Madrid. Hier fand unlängst eine Feier Statt, die öffentlich wenigstens seit Jahrhunderten nicht hatte statthaben dürfen. Herr Abraham Castro, Vorsänger zu Bordeaux, wurde über die Pyrenäen berufen, um an zwei jüdischen Kindern die Beschneidung zu vollziehen; das eine derselben war ein achttägiges, das andere jedoch bereits sechs Jahre alt, da es vorher den Eltern nicht möglich gewesen war, es beschneiden zu lasten. Einspanischer Arzt assistirte beider Milah. Herr Castro, durch den Telegraphen herbeigerufen, wurde von den Eltern wie ein Bote des Himmels empfangen; diese schätzten sich überaus glücklich, daß es ihnen vergönnt war, ihre Kinder in den Abrahamsbund aufnehmen zu lassen. — Während des dem Beschneidungsacte folgenden Frühstücks hielt Herr Castro eine warme Ansprache, in deren Folge die Israeliten Madrids den isr. Armen Bordeaux's reiche Unterstützung durch Vermittelung des Herrn C. zukommen ließen. — Solche Vorkommnisse im Lande der Inquisition sind wahrhaft herzerquickend. — Palästina. Von Jerusalem kömmt uns eine Trauerkunde: Rabbi Joseph Schwarz ist nicht mehr. Die Rose, welche leider seit einiger Zeit in der heiligen Stadt epidemisch auftritt, hat ihn dahingerafft; er starb am 8. Schebat, am Ausgrrnge des Sabbat. Wir brauchen nicht zu sagen, was Jerusalem, was die Welt an ihm verloren, wie gelehrt und hochgeehrt, wie thätig und wohlthätig er war. — So wurde er denn auch unter großen Ehrenbezeugungen bestattet. In den Straßen wurde ausgerufen, daß jeder Mann von der Arbeit Masse; die ganze jüdische Bevölkerung geleitete ihn unter Wehklagen zu Grabe, nachdem ein fünffacher Heßped: im Beth Hamidrasch, in der Synagoge, vor dem Thore, außerhalb der Stadtmauer und am Bache Kidron abgehalten worden war. Auch ein anderer bedeutender Mann, R. Moses Juda Löb ehemals Rabbiner zu Kuttna in Polen, ist derselben Krankheit erlegen. — R. Israel Bak, Redacteur der von der Regierung unterdrückten Zeitschrift „Chabazeleth", hat auf's Neue die Concession zur Herausgabe derselben erhalten. Ostindien. Bombay. Als diese Stadt noch unter portugiesischer Herrschaft stand, zählte sie 10,000 Einwohner. Seit jener Zeit ist die Einwohnerzahl auf 816,562 gestiegen; unter diesen befinden sich 2,872 Juden. (Arch. Isr.) Abessynien. Das Ergänzungshest Nr. 15 zu Petermann's geographischen Mittheilungen enthält „Th. vonHeuglin's Tagebuch während der Tinne'schen Expedition". Daselbst findet sich S 26 Folgendes über Abessynien, was a's Bestätigung des von Herrn Rabb. Or. Hildesheimer über König Theodor Gesagten angesehen werden kann. Herr v Heuglin schreibt: „Mit dem von Chartum uns zugeschickten Schiffe traf auch einer der Deutsch-Englischen Missionäre von Qalabat hier ein, der nach Aegypten zurückkehrt. Nach seinen Aussagen sind die Verhältnisse der Europäer in Abessynien immer noch nicht sehr erbaulicher Natur. Der Englische Consul Cameron ist noch Gefangener, sowie mehrere der Missionäre, die übrigen Europäer sollen fast ohne Ausnahme nach Gaffat kottsignirt sein, wo sie unter strengster Aufsicht stehen*); Mehrere waren lange in Ketten und wurden sogar gepeitscht und gefoltert. Den Anlaß zu Vieser Behandlung von Seiten des Negus Theodor gaben die Herren Stern und Nosenthal selbst durch unkluges Benehmen gegen den König, dessen Gäste sie waren und über dessen niedrige Abkunft und Grausamkeit sie sich öfter geäußert haben sollen. Auch hatte Negus Theodor erfahren, daß diese *) In Folge eines Schreibens der Königin von England an Negus Theodor hat derselbe, den Csnsul Canreron und die Mfftanäre ihrer Hast entlassen. <A. P.

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