Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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194 „Bei meinem Leben!" sprach der König zu sich, „ich muß doch sehen, ob so was geschieht!" — Der König gab dem Manne sogleich die Erlaubniß fortzureisen und bestimmte ihm einen Monat für z seine Abwesenheit. — Am letzten Tage des Monats harrte Her König j den ganzen Tag, ob der Mann zurückkommen werde. - Schon war die Sonne ihrem Untergange nahe, noch i war der Mann nicht zurück. Da befahl der König,! dm Freund aus dem Gefängniß zu führen und ihn ' zu enthaupten. Sogleich holte man ihn aus dem! Gefängniß, führte ihn auf den Marktplatz der Stadt j und setzte das Schwerd ihm an den Hals — da durchdrang die Stadt der gewaltige Ruf: „Der Mann , kommt!" — Der Mann kam und sah seinen Freund ,u Boden knieen, bereit, den Todesschlag zu empfanden. Da eilte er hinzu, hob ihn von der Erde auf und ergriff das Schwerd, um es sich an den Hals zu setzen. Aber auch der Freund that so, und so hielten beide das Schwerd fest ergriffen, und jeder rief: „Mir kömmt es zu, zu sterben!" — Als der König von dem wunderbaren Streite hörte, erstaunte er hierüber noch mehr, als über das Frühere, und er befahl, das Schwerd aus Beider Hand zu nehmen und ließ Beide vor sich kommen, begnadigte sie und beschenkte sie reichlich und sprach zu ihnen: „Ich sehe, daß die Liebe so mächtig zwischen Euch ist, so laßt mich, ich bitte Euch darum, der Dritte zu Euch sein!" — Und sie waren von dem Tage an und immer Freunde und Genossen des Königs. — Darum auch sagen unsere Weisen:*) „Erwirb Dir einen Freund!" — *) Aboth 1, 6. — M L L I « « Menschenfreunde! Glaubensgenossen! Wenn wir mit einer herzlichen, dringenden Bitte vor Euch treten, so gilt es die Rettung einer am Abgrund stehenden, verzweifelnden Familie. Ohne die Hilfe edler Menschen ist sie dem Untergange verfallen. Moses Sünder in Klein-Umstadt, unsrer Synagoge angehörend, ein braver Mann, ist an den siebziger Jahren. Seme Frau verschied nach langen, schweren Leiden; ebenso deren Bruder, eine Stütze der Verwandtin. Zwei Kinder sind ihm geblieben: ein unmündiges Töchterlein, das schwächlicher Natur ist, ein Sohn in höherem Alter, aber geistig wie körperlich total zerrüttet, unfähig zur geringsten Arbeit, sodaß beide dem alten, kranken Vater zur Last fallen. Derselbe ist durch die enormen Kosten der Krankheit und Beerdigung seiner Angehörigen, durch die gänzliche Hilflosigkeit seiner bedauernswürdigen Kinder, durch Fehlschlagen aller Hoffnungen und Unternehmungen, durch eignes hohes Alter und Schwäche — pecuniär so zurückgekommen, daß er sich nicht mehr zu helfen weiß. Sein Häuschen — seine einzige Zufluchtsstätte — ist mit 600 fl. Schulden belastet und soll ihm in 14 Tagen verkauft werden Würde das geschehen, so wäre er obdachlos: denn des Sohnes Zustand ist der Art, daß Niemand sie in Miethe nehmen wird, bei dem Mangel dortiger Glaubensgenoffen. Wir in der Nähe haben die Verlassenen — wie wir es auch bei Andern gethan — schon bisher unterstützt, sind aber unsrer zu wenig und zu geringen Vermögens, als daß wir allein diese arme Familie vor dem nahenden Verderben bewahren könnten. Einige hundert Gulden reichen hin. Darum wenden wir uns an Euch, ihr theuren, beglückteren Brüder und Schwestern, und bitten Euch um Gottes- und unsrer heiligen Religion willen: Helfet durch milde Gaben den Unglücklichen, ihr Häuschen, ihre Existenz, ihr Leben retten! Wer schnell gibt, der gibt doppelt. Gottes Segen begleite unser schwaches Wort, unfern dringenden Hilferuf, und öffne reichlich für die Linderung der großen Noth Eure Herzen und Hände! Raibach bei Dieburg (Grh. Hessen), den 17. März 1865. Der isräel. Vorstand. J.Napp. L.Rothschild. HerzLichtenstern. Der löbl. Vorstand zu Raibach ersucht uns, die Gaben entgegen zu nehmen. Da wir jedoch bereits zu viele Kassen zu verwalten haben, so bitten wir die Herren Geber, die etw. Gaben direct an den löbl. Vorstand zuN. gelangen zulasten. Die Redaction. Vacanz. Die zu besetzende zweite Lehrerstelle an der hiesigen Lsrael. Gemeindeschule soll nunmehr mit einem jährlichen Fixum von 250 Nthlr. dotirt werden. Ordentliche Seminarbildung ist Bedingung; die Fähigkeit vorzubeten, bloß wünschenswerth. Reflectanten wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst an den Unterzeichneten wenden. Aurich (Hannover), den 15. März 1865. Der Schrrlvorstan- Joseph Seckels._ in solider junger Mann, welcher seine vierjährige Lehrzeit in einem Manufactur-Geschäft ev äötail bestanden, sucht, zur weiteren Ausbildung, eine Commis- oder Volontairstelle, gleichviel welche Branche. Franko-Offerte unter U U. Nr. 200 nimmt die Expedition d. Bl. entgegen.