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Der Israelit · 1865-03-29 · Heft 14 (29.3.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 14 (29.3.1865)
Date
1865-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. 14 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Österreichischer Kaiserstaat, Wien, 18. März. Der Prediger der hiesigen Israel. Cnltnsgemeinde, Herr Mannheimer, ist heute Nacht im 72. Lebensjahre gestorben. Für die Liebe und Achtung, deren er sich in den weitesten Kreisen erfreute, gab die Feier seines 70. Geburtstages ein sprechendes Zeugniß. (Fr. I.) PreH-urg, 2. Adar. Gestern herrschte schon in alter Frühe das regste Leben unter den Jüngern der hiesigen Jeschibah: Der auch in weitesten Kreisen berühmte Herr Oberrabbiner sollte sein 25jähriges Jubulaum als geistliches Oberhaupt der Gemeinde und die Erreichung seines fünfzigsten Lebensjahres feiern. Zwar wäre:-, es schon ehegestern 50 Jahre, daß der Herr Obcrrabbiner das Licht der Welt, in der er später sehr heroorleuchten sollte, erblickte; allein, durch Zufall wurde derselbe einen Tag langer in Wien, wo er sich gerade befand, zurückgehalten. — Vormittags Versammelten sich alle seine Schüler und noch viele andere Gemeindemktglieder im Bethamidrasch, wo der Jubilar schon seit langer Zeit das Wort Gottes ertönen läßt. Als man ihn endlich herankommen sah, da eilte Alles ihm entgegen; Jeder suchte seine Hand zu ergreifen, um einen Kuß darauf drücken zu können; Jeder fühlte sich glücklich, der einen grüßenden Blick oder ein freundliches Wort erhaschte; man sah so ganz augenfällig, wie allgemein geehrt und beliebt der gefeierte Nabbi ist. Endlich hatte er sich durchgewunden durch die vielen Beweise von Liebe, die ihn fast zu erdrücken drohten, er war zum Lehrstuhl gelangt. Nach Besteigung desselben hielt er einen höchst scharfsinnigen talmudischen Vortrag, welcher ein neuer Beweis der unendlichen Kenntnisse des Redners war, auf dem der Geist seines Vaters so sichtlich ruht. Dann wandte sich der Jubilar an seine Schüler mit einer Ansprache, die alle in die größte Gemüthsbewegung versetzte. Er verbreitete sich über die Aufgabe des Menschen, die zu erfüllen sein höchster Beruf ist. Schließlich erflehte er für alle seine Schüler und für alle Anwesenden den Segen des Himmels, ein Vorgang, bei welchem kein Auge thränenleer blieb. Es hatte etwas tief Ergreifendes, wie man den geehrten Nabbi selbst tiefergriffen Thränen vergießen sah. Auch für ihn stiegen stille Gebete und Wünsche zum Herrn empor. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange zum Besten der ganzen JudenheiL wirken zu können l Julius David. Szill, im Schebal. Unlängst fand hier die Einweihung einer neuen Gesetzesrolle statt, die Herr Jakob Reitter hatte schreiben lassen. Zwar ist ein solche Feier keine seltene Erscheinung, zwar finden sich überall hochherzige Männer, die für unsere heilige Religion keine Kosten scheuen, aber für uns empfing dieses Fest noch eine besondere Bedeutung durch eine ebenso schwungvolle wie gehaltreiche Rede unseres hochverehrten Herrn Rabbiners Ambrosius Kohn. Diese verfehlte nicht, den besten Eindruck auf alle Anwesenden zu machen, so daß die ganze Feier, deren Glanzpunkt sie war, noch lange in unserem Gedächtniß leben wird. A. L. Weßl, Oberlehrer. Aus Oberungarn, Mitte März. Das hier ziemlich verbreitete Gerücht, wonach Herr Oberrabbiner Löw vor Kurzem eine Berufung als Prediger nach Berlin erhalten, bestätigt sich nicht. Allerdings sollen sich hiefür kräftige Stimmen erhoben haben; allein nicht in Berlin, sondern in — Szegedin. In S a. Ujhely hat sich ein Verein gebildet zur Unterstützung mittelloser Talmudjünger. Die nächste Aufgabe desselben ist, den zahlreichen Bachurim Mittag- und Abendbrod verabfolgen zu lassen. In Debreczin, wo in den letzten Jahren eine ansehnliche Israel. Gemeinde sich consolodirt, wurde vor wenigen Monaten ein Verein in's Leben gerufen, unter dem Namen: Verein zur Förderung des Ackerbaues, der Industrie und Handwerke unter den Juden Unterungarns. Der Verein, dessen Statuten bereits die hohe Genehmigung erhalten, zählt ungefähr 400 Mitglieder; der dritte Theil der Mitglieder besteht aus christlichen Bürgern. Ueber die Thätigkeit dieses Vereines — in unserem nächsten Referate. Der Einweihungsakt des Veßprimer Tempels, der vor wenigen Monaten vor sich gegangen, gab Veranlassung zu unerquicklichem Gezanke. Die Sache verhält sich folgender Art. Herr Löw ür Szegedin hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle neuerbauten Tempel in Ungarn in höchst eigener Person einweihen zu wollen. Derselbe verlangt hiefür kein Honorar; so materiell ist Löw nicht. Der bescheidene Mann begnügt sich damit vollkommen, daß die nächste Nummer des „B CH." über die treffliche Rede, über die kraftvollen Weihworte, die der Herr Rabbiner gesprochen, über die Herren, die den großen Redner in ihrem Entzücken mit einem warmen Händedruck beehrt rc. rc. — ein kurzes, sachgemäßes Referat bringen kann. Ist das nicht die verkörperte Uneigennützigkeit! Wahrlich ein Lob im „B. CH." gehört zu den bescheidensten Wünschen eines Menschenkindes! Leider gibt es Menschen, die auch auf so etwas neidisch sind, wie aus Nachstehendem in unzweideutiger Weise erhellet. Herr Löw nahm auch in Weßprim an der Einweihungsfeierlichkeit des dortigen Tempels thätigen

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