Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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190 hier, bei dem Reichthum der fraglichen Familie, um so eher anginge. Die jüdischen Gemeinden in der Nähe Hamburgs haben sich geweigert, es aufzunehmen, und der Vater wird sich, wenn er noch so viel Religion und väterliches Gefühl hat, es dem Jakobikirchhof, der es für 200 Mark aufnehmen will, nicht zu übergeben, zu diesem, wie man hier jagt, ihm sehr sauren Schritte, das Strafgeld zu erlegen, entschließen müssen. P a l ä st i n a. Jerusalem, 4. Adar. Das „Jewrsh Chronicle" veröffentlichte vor einiger Zeit Briese über die hiesigen Verhältnisse von Missionären, welche von Ihnen, geehrter Herr Redacteur, in Nr. 2 d. I wiedergegeben wurden. Dieselben beruhen aber theilweise auf Unrichtigkeiten. Da Herr Joseph Barels schreibt, daß ca. Lausend Flüchtlinge aus Afrika hier angekommen und in Magazine und Keller förmlich gepackt worden seien, erkundigte ich mich genau und erfuhr, daß die Zahl der Flüchtlinge dreihundert nicht übersteige; sie verließen aber größtentheils die Stadt und reisten nach Jaffa, Alexandrien, Smyrna, Stambul rc., nur wenige und zwar durchgehends wohlhabende blieben hier. Herr Or. Charplin spricht gar von 1500 armen Einwanderern. — Was derselbe über die große Anzahl derer schreibt, die ärztliche Hilfe im englischen Missionsspital suchen und erhalten, so ist seine Angabe leider wahr. Ganz fromme Leute gehen manchmal in dieses Spital, von der bittersten Noch dazu gezwungen. Zwar versieht Herr Or. Rothziegel als Arzt des Rothschild'schen Hospitals sein Amt mit der größten Pünktlichkeit und läßt jedem Kranken, der in seine Anstalt kömmt, ärztliche Hilfe zu Theil werden; aber er braucht sich nicht zu den Kranken in ihr Haus zu verfügen. Die Missionsärzte aber kommen, wenn man sie ruft, bereitwillig zu jeder Zeit und behandeln die Kranken auch außer ihrer Anstalt unentgeltlich. Ueberdieß ist die Missionsanstalt sehr geräumig, während die Rothschild'sche nur 18 Betten enthält/ welche zur Hälfte für das männliche und zur andern Hälfte für das weibliche Geschlecht bestimmt sind. — Freilich ist auch manchmal der Vorwurf, den man den hiesigen Israeliten macht, als ob sie ihren Vortheil nicht wahrnähmen, etwas gerechtfertigt. So wurde z B. von dem mit unermüdlicher Sorgfalt für das heilige Land sorgenden Herrn vr. Albert Cohn in Paris Frau Randiker aus Triest auf 3 Jahr engagirt, um hier eine Mädchenschule zu gründen und zu leiten. Allein sie konnten sich keiner guten Aufnahme hier erfreuen, und Niemand wollte sein Mädchen in die von ihr gegründete Anstalt schicken. So kömmt es, daß keine Aussicht vorhanden ist, daß die Heranwachsenden Mädchen bester Hebräisch kennen werden, als es bisher der Fall war; denn es gibt viele Frauen hier, die nicht einmal hebräisch beten können. — Die Gemeinden im heiligen Lande schicken auch oft Sendboten nach allen Richtungen, um Sammlungen speciell für sie zu betreiben. So schreibt der „Hamagid", in Warschau betheilige man sich sehr stark an Sammlungen für rnsn und für eine Jeschibah der Sephardim, während gerade in Rußland noch fast gar nichts für die größte und allgemeinste Anstalt im heiligen Lande, für den Bau der Armen- und Pilgerwohnungen, geschehen ist. Möchten doch die edeln Wohlthäter des heil. Landes nur Denjenigen Gaben überantworten, welche sich durch ein Zeugn-ß des Comit6's oder der Pekidim als für allgemeine Zwecke sammelnd ausweffen können! Dann wird Vieles bester werden! — Wir mästen ferner eine Zeitschrift, welche lange Zeit hier erschien und speciell für das Veste des heil. Landes zu arbeiten vorgibt, der Theilnahmlosigkeit anklagen: „Halebanon" hat noch mit keinem Wörtchen dieses so wichtigen Baues auf Zion erwähnt. — Was eine Expedition nach Abessynien betrifft, wäre es nach meiner Ansicht am besten, wenn 2 Männer von hier aus abgeschickt würden. Dadurch würden viele Kosten gespart werden, und die Sendboten wären auch des Arabischen vollständig Meister. Herr Selig Hausdorff und ein Freund von ihm lernen auch wirklich die amharische Sprache mit dem größten Eifer, der G s. D. mit Erfolg gekrönt ist. Der Lehrer dieser beiden Männer, ein geborener Abestynier, theilte mir am meine Anfrage mit, wie hoch die Reisekosten für eine Person von hier nach Gundar sich belaufen würden. Er machte folgenden Voranschlag: von hier nach Jaffa 5 fl.; von da nach Alexandrien 3>> fl.; von da nach Cairo 10 fl.; von da nach Suez 6 fl.; von da nach Juette 150 fi.; von da nach Marsua 75 fl.; von da nach Degeri 45 fl.; von da nach Gundar 40 fl.; zusammen 361 fl. Die Kosten für zwei Personen für die Hin- und Zurückreise wären demnach ca. t444 fl. Bei diesem Voranschlag sind jedoch die Aufenthaltskosten nicht mit inbegriffen. — Möge nur bald unfern armen Brüdern in Abessynien geholfen werden! Moses Sachs. England. London. Die „Morning - Post" berichtet, daß unser Glaubensgenosse, Herr Hartwigson, ein ausgezeichneter, junger Pianist, die Ehre hat, Ihrer Kgl. Hoheit, der Prinzessin von Wales (Gemahlin des Thronerben), Musikunterricht zu ertheilen. — Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Di. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.