Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 14 (29.3.1865)
- Date
- 1865-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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187 Geschichte) eine reiche Ausbeute verspricht, so findet er sich getäuscht. Nicht einen geschichtlichen Aufiatz enthält das Buch, und die ganze Culturgeschichte wird in anderthalb Seiten abgefertigt, indem Nr. 117 uns „die Erfindung des Schießpulvers und der Buchdruckerkunst" bringt. — Von der ganzen jüdischen Geschichte wußte der Herausgeber den Mischen Schulen nur „die Vertreibung der Juden aus Spanien" und „Nikanor" (129 und 13 l) zu bieten. Wo eine solche Leere herrscht, da ist die Kritik aller Mühe überhoben, da fallen die Mängel sofort in's Auge. Aber wiederholen müssen wir, Herr I)r. A. hätte den Fehler gar nicht machen können, wäre ihm ein Ueberblick über seine eigne Zusammenstellung möglich gewesen. — Schätzenswerthe, doch für ein Lesebuch zu viele und theilweise zu umfangreiche, Arbeiten bilden die Biographien jüdischer Celebritäten, nämlich: Rabbi Jochanan ben Sakkai (116), Mendelssohn (147), Wessely (154) Maimonides (162), Nachmanides (163), Abarbanel (164), Raschi (166), Gabriol (167), und Biographien nichtjüdischer Männer: Franklin, Franke, Hermann (der Befreier Deutschlands) und Peter der Große (115, 121, 144, 169). Die seltsame Zusammenstellung dieser letzter» ist eine wenig einleuchtende; geschichtliche Erscheinungen, wieAlexanderder Große, Muhamed, Karl der Große, Friedrich 11. und Napoleon 1., müßte der Schüler weck eher kennen lernen. Die beiden Ersteren greifen in die jüdische Geschichte ein; die Letzteren sind nothwendig für die Geschichte unserer Zeit. Da das Lesebuch zum Gebrauch auch für jüdische Mädchen bestimmt ist. so wäre es am Orte gewesen, einige weibliche Charakterbilder zu geben, die in der Geschichte Israels Gottlob nicht schwer zu finden sind. Daran, scheint es, hat Herr vr. Adler nicht gedacht. Unsere Recenfion würde selbst zu einem Buche werden, wollten wir mit gleicher Ausführlichkeck die Vorzüge und Mängel der Schilderungen und Beschreibungen aus dem Gebiete der Naturlehre, der Naturgeschichte und der Technologie besprechen. Nur einige, in den dritten Theil aufgenommene, aber eigentlich einen Anhang zu dem Buche bildende Stücke mögen noch näher betrachtet werden. Zur Unterstützung des Unterrichtes in der Satzlehre werden (S. 460 bis 465) „Sprnchwörter und Sprüche" gegeben, die für diesen Zweck aus folgenden Gründen unbrauchbar sind. Die Satzlehre steht nämlich in jeder Grammatik mit der Formlehre im engsten Zusammenhänge und bedarf desselben schon der Gleichmäßigkeit der Benennungen wegen. Da aber in unserm einigen Deutschland die Grammatiken sehr verschieden sind, so wird in den vielen verschiedenen Schulen die Satzlehre ebenso verschieden tractirt, und muß sich jeder Lehrer nach dem von ihm benutzten Leitfaden der deutschen Sprache richten. — Was ferner namentlich die kurhessischen Lehrer anlangt, für die das Lesebuch doch zunächst geschrieben ist, so sind dieselben zumeist nach der Schulgrammatik von Heyse unterrichtet, und stimmt die darin enthaltene Lehre vom Satze nicht zu den Sprüchen im Lesebuche. Ein vollständiger Abriß der Sprachlehre, wie ihn viele Lesebücher enthalten, hätte auch die Zusammenstellung der Sätze brauchbar erscheinen lassen. Aber leider finden wir in dem Buche allenthalben das Gepräge der Unvollständigkeit. — Endlich fehlen unter den Sprüchen u. A. Beispiele von verwandelten Subftantivsätzen, von verkürzten Adjectivsätzen und die Participal-Construction. Eben so unnütz und unvollständig ist der Auszug aus der hebräischen Grammatik. DerLehrer kann mit diesen kurzen, hingeworfenen Notizen wenig anfangen, und müßte zu ihrer Erklärung dreifach die Zeit verwenden, welche die Darstellung derselben Lehrsätze in einer hebräischen Schulgrammatik erfordert. Ein Lesebuch soll eben nur ein deutsches Lesebuch fern, und kein anderes Schulbuch entbehrlich machen wollen. Wer zu viel bieten will, der wird der Gefahr nicht entgehen, sich in die Breite zu verlieren und zu wenig zu leisten, statt gründlich eine gegebene Aufgabe durchznarbeiten. Dasselbe möchten wir in Bezug auf Nr 32, Bibelkunde, gesagt haben, welche, so dankenswerth die Arbeit an sich ist, doch nicht in das Lesebuch gehört, da entweder der Schüler dieselbe durch den Bibelunterricht kennen lernt, oder in sog. modernen Schulen, wo aus den hebräischen Unterricht zu wenig Zeit verwandt werden darf, dieselbe schon in den systematischen Religionsunterricht ausgenommen ist. Wie vieles Zweckentsprechendere hätte daher auf den 15 Druckseiten stehen können, welche diese Nummer einnimmt! Außerdem sind, um auf die Notizen zur hebräischen Sprache zurückzukommen, dieselben mangelhaft, und es bleiben die wichtigsten Vorbegriffe unerwähnt, wie die Bildung der Mehrheit, der 8tatus ooostruotus (M'vO), die Bildung des Präsens rc Ungenau ist es, nur die erste Conjugation (ll'Qdw) regelmäßig zu neunen; von den doppelt anomalischen Zeitwörtern wird nicht gesprochen. Es ist allerdings eine richtige Anschauung, daß in einem jüdischen Lesebuche auch das jüdische Element vertreten sein muß, und zwar durch Aufnahme solcher Darstellungen, Schilderungen und Erzählungen, welche die Kenntniß des Judenthums und die Liebe zu ihm bei dem Kinde mehren. Doch im Großen und Ganzen hat der jüdische Schüler in unserer Zeck dieselbe wissenschaftliche Bildung zu erlangen, wie der christliche, und darf daran eher etwas vermehrt als gekürzt werden. Manches deutsche Lesebuch von christlichen Autoren würde auch für jüdische Schulen passend sein, wenn das positiv Confeffionelle daraus ent-