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Der Israelit · 1865-03-29 · Heft 14 (29.3.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 14 (29.3.1865)
Date
1865-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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186 lassen, werdet ihr euren Beistand weigern, da es gilt, Schulen zu gründen für jene kleine Mädchen, die io weit davon entfernt sind, euren Töchtern zu gleichen? Organisirt überall Subscriptionen, schaffet neue Cornitö's für unfern Verein, eifert die Gleichgiltigen an und hebt den Eifer der Nachlässigen! Jede neue im Orient oder in Afrika eröffnete Schule wird ein Heerd der Emancipation und des Lichts sein, jedes Buch des Orients, das jene jungen Lippen buchstabiren, wird ein Same der Zukunft sein. Die Katholiken und Protestanten haben ihre Stiftungen, ihre Missionäre, ihre Bücher, ihre unerschöpflichen Hilfsquellen und geben ungeheure Summen aus, um ihre Ideen auszubreiten, und das Judenthum sollte fast gar Nichts thun? Es sollte einigen, edlen Männern das zu thun überlaffen, was die Anstrengung und die Ehre Aller herausfordern sollte? Israeliten! Der Verein, welchen wir gegründet haben, wird das Werkzeug eurer Freigebigkeit sein; er weiß die Mittel anzuwenden und eure Opfer fruchtbar zu machen, er wendet sich an das ganze Judenthum, und das ganze Judenthnm muß ihm antworten. Ad. Crsmieux, Advocat, ehemaliger Minister, Präsident; B. I. Königswarter, correspondirendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Vice - Präsident; Eugen Manuel, Professor an der Universität, Vice-Präsident; H. Leven, Advocat, Secretär; V. Saint- Paul, Banquier, Cassirer. Paris, den 1. März 1865." Wir haben den vorstehenden Aufruf in seiner ganzen Ausdehnung unverändert wiedergegeben, damit unsere Leser sich selbst über diese wichtige Angelegenheit ein Urtheil zu bilden im Stande sind. Wir fühlen uns aber verpflichtet, die nicht unerheblichen Bedenken auszusprechen, welche dieser Aufruf in uns hervorgerufen hat. Die „^liianvs israHlils uriivsrstzlls" will den Geist des Occidents nach dem Orient tragen, sie bezeichnet die Civilisation als die Feuersäule der Jetztzeit, die dereinst unsere Väter führte, sie spricht von dem Aberglauben, in welchem unsere Brüder im Orient befangen sein sollen! Die Feuersäule, die unsere Väter leitete, ist uns unsere heilige Gotteslehre, und diese steht uns unendlich Häher, als alle Civilisation und Emancipation. Was versteht die „^lliaiiee israölite universelle" unter dem Aberglauben, dem sie den Krieg erklärt? Unsere Leser werden sich erinnern, daß der Präsident der„^.ll. isr. urüv.," Herr Ad. Crermeux, den Inhalt des gesammten Judenthums auf den Dekalog (die zehn Gebote) reducirt hat, und daß er aus diesem noch das Gebot der Heilighaltung des Sabbats zu streichen sich erkühnte! — „Warum ist der Dekalog nicht in unsere tägliche Gebetordnung ausgenommen? Um nicht die Ansicht jener Abgefallenen zu kräftigen, die da behaupten, nur der Dekalog stamme von Gott, der Dekalog allein bilde den Gesammtinhalt des Judenthums." — Sollen etwa Schulen im Orient gegründet werden, um den Abfall von Gott und Seiner heiligen Lehre zu befördern, um die Feier des Saboats zu negiren, um die Speisegesetze aufzuheben, um die jüdischen Ehe- und Sittlichkeitsgesetze zu vernichten, nm das Studium der Thora durch die profanen Kenntnisse zu verdrängen? Was haben die Franzosen in Algier gethan, in welcher Weise haben sie die jüd. Zwecke gefördert? Sie haben die dem Thorastudium gewidmeten Lehrhäuser, die Bathe-Midraschim geschloffen, sie haben den Abfall und den Unglauben, wie sie jetzt leider in Europa vorherrschen, nach Afrika getragen, und unsere frommen, eingebornen Glaubensgenoffen schauen trauernd und fürchtend der Entwickelung des Heranwachsenden Geschlechtes entgegen! Wer wird es uns verargen, daß uns die neuesten Pläne der „^11. isr. urüv." mit Furcht und Besorgniß erfüllen? Die „H11. isr. univ." hat ihre Aufforderung an d s ganze Judenthum gerichtet und vom ganzen Judenthum Antwort erwartet. So wollen denn auch wir mit unserer Antwort nicht zurückhalten: „So lange uns die Leiter des genannten Vereins nicht darüber beruhigen, daß wir von demselben Nichts gegen unsere heilige Religion zu befürchten haben, so lange sie nicht bei ihren öffentlichen Kundgebungen vermeiden, in einer oder der anderen Weise das Gemüth der gläubigen und gesetzestreuen Israeliten zu verletzen, so lange sie nicht erklären, daß die von ihnen zu gründenden Schulen auf dem Boden der schriftlichen und mündlichen Lehre stehen sollen, so lange sie nicht erklären, daß sie unter dem moralischen Fortschritt nicht die Abrogirung der Gesetze uno Glaubenswahrheiten des Judenthums, wie sie aus dem Talmud hervorgehen, verstehen — so lange können wir und unsere Gesinnungsgenoffen uns ihren Bestrebungen nicht anschließen und ihre Zwecke nicht fördern; ja wir halten uns verflichtst, mit allen unfern Kräften dagegen zu kämpfen, denn mehr als alle materiellen und intellectuellen Vortheile gilt uns die unverkürzte und unverfälschte, heilige Religion Israels!" — Ein Lesebuch für jüdische Zchulen. (Fortsetzung.) Wenn der Leser glaubt, zahlreiche Geschichtsbilder in dem Lesebuche zu finden, für welche der Titel der zweiten AbtHeilung (Geographie und

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